Mindestens 19 Infizierte nach „Klubnacht“

Trotz Corona-Ausbruch im Berghain: Chefarzt fordert Fortsetzung der 2G-Partys

Mehrere hundert Menschen wollten zur „Klubnacht“ ins Berghain.
Mehrere hundert Menschen wollten zur „Klubnacht“ ins Berghain.
© deutsche presse agentur

20. Oktober 2021 - 16:17 Uhr

Böses Erwachen nach Berghain-Party

Knapp zwei Wochen nach der ersten "Klubnacht" im Berliner Techno-Club Berghain ist ein Corona-Ausbruch bekannt geworden. Die "Berliner Morgenpost" hat zuerst über diesen Fall berichtet. Gegenüber RTL bestätigt eine Pressesprecherin des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, dass sich bisher 19 Menschen infiziert haben. Nach RTL-Informationen sind auch an den darauffolgenden Wochenenden Personen an dem Coronavirus erkrankt.

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Für Berliner Berghain gilt 2G-Regel

Für die Veranstaltung am ersten Oktober-Wochenende habe die 2G-Corona-Regel gegolten. "Die Impfnachweise wurden - soweit für uns ersichtlich - vom Berghain gewissenhaft kontrolliert", sagt die Sprecherin.

RTL hat mit Party-Teilnehmern gesprochen. Sie bestätigen, dass die 2G-Regelung sehr gewissenhaft kontrolliert wurde. "Bei jeder einzelnen Person wurde das Impfzertifikat mit dem Personalausweis verglichen. Auch der Check-in für die Nachverfolgung wurde bei jeder Person am Eingang kontrolliert", so eine weitere Person gegenüber RTL.

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Chefarzt fordert: 2G-Konzept „muss so weitergehen“

Die Impfdurchbrüche verunsichern die Bevölkerung. Trotzdem fordert Chefarzt Prof. Dr. Uwe Janssens im RTL-Interview eine Fortsetzung der 2G-Partys. Allerdings rät er weiterhin dazu, Masken zu tragen, um andere zu schützen. Denn die Corona-Impfung bietet keinen 100-prozentigen Schutz. "Fünf Prozent der Menschen haben immer noch das Risiko, eine erneute Infektion zu bekommen", warnt Janssens.

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Betroffene nach Corona-Ausbruch zu spät kontaktiert

Von den Infizierten der ersten "Klubnacht" leben 15 Personen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, erklärt die Bezirkssprecherin. Vier weitere Betroffene wohnen in anderen Bezirken Berlins. Bisher seien nur "milde Krankheitsverläufe und bisher keine Hospitalisierungen gemeldet worden".

Nach Angaben der Sprecherin wurden bislang rund 2.500 Menschen kontaktiert. Dies sei mithilfe der Anwesenheitsliste geschehen, die das Gesundheitsamt angefordert habe, nachdem der erste Corona-Fall bekannt geworden ist.

Gegenüber RTL bemängeln die Teilnehmer: "Die Mails vom Gesundheitsamt kamen superspät bei mir an. Erst sechs Tage nach der Party. Das war ein ziemliches Chaos." Andere wurden innerhalb von drei Tagen über die Corona-Warn-App informiert. "Außerdem über Bekannte, die vorher per Mail benachrichtigt wurden." Die Pressesprecherin erklärt, dass das Gesundheitsamt gut gehandelt hat, räumt allerdings ein, dass die Kontaktaufnahme von 2.500 Personen "eine Hausnummer" sei.

Wie es zu dem Ausbruch gekommen ist, ist laut Behörde noch unklar.

Corona-Infektionen auch nach der zweiten „Klubnacht“

Jeden Samstag findet im Berliner Berghain die "Klubnacht" statt. Eine Partygängerin schreibt auf Instagram, dass sie sich am 10. Oktober trotz Covid-19-Impfung und trotz 2G-Regel infiziert hat. "Ich war so glücklich, endlich wieder auf eine Indoor-Party gehen zu können und ich fühlte mich mit der 2G-Regelung sicher", erklärt sie. Jetzt leidet sie an typischen Corona-Symptomen: Fieber, Schüttelfrost, Kurzatmigkeit und dem Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns.

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Den Partygängern sei vom Bezirk empfohlen worden, sich testen und bei Symptomen einen PCR-Test machen zu lassen.

Berghain gab Einlass-Tipps für Party-Interessenten

Der Techno-Club hatte vor der ersten Clubnacht nach dem Corona-Lockdown mit einem Video auf seiner Website selbstironisch auf die 2G-Regel aufmerksam gemacht. Travestiekünstler Ades Zabel alias Edith Schröder erklärte darin auch, wie Party-Gänger eingelassen werden – der Club ist weltweit für seine strenge Türpolitik bekannt.

Neben Hinweisen zu digitalem Impfpass und zur Registrierung bekommt die ganz in Schwarz gekleidete Edith Schröder am Schluss den Tipp: "Und nächstes Mal ziehst du dir was Bunteres an." Ein gängiges Berghain-Klischee ist, dass schwarze Klamotten die Chance auf Einlass erhöhen. (dpa/tgr)