Dr. Zinn schätzt ein

Antikörper-Test vor der Booster-Impfung - wie sinnvoll ist das?

Einige Ärzte empfehlen, vor der Booster-Impfung erst einmal seine Antikörper-Titer bestimmen zu lassen.
Einige Ärzte empfehlen, vor der Booster-Impfung erst einmal seine Antikörper-Titer bestimmen zu lassen.
© iStockphoto, Svitlana Hulko

21. September 2021 - 13:48 Uhr

Wie viel taugen Antikörper-Tests?

Viele Menschen beschäftigt es derzeit: Soll ich mich vor dem Herbst oder Winter nochmals gegen Corona impfen lassen? Um diese Frage besser beantworten zu können, bieten einige Hausärzte an, einen Antikörper-Test zu machen. Dieser soll Auskunft darüber geben, ob die Immunität gegen das Virus noch anhält oder ob eine Auffrischung sinnvoll ist. Doch wie aussagekräftig sind solche Tests wirklich? Und wenn ein Antikörper-Test angeblich so viel über unsere Immunität verrät: Würde es dann nicht Sinn ergeben, eine Art Antikörper-Bescheinigung einzuführen, die man in Restaurant, Kino und Co. vorzeigen kann, wenn man nicht geimpft ist? Quasi eine "3G+"-Regelung, statt nur "3G"? Wir fragen den Mediziner Dr. Georg-Christian Zinn, wie viel er Corona-Antikörper-Tests wirklich zutraut.

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Wie aussagekräftig sind Antikörper-Tests?

Die Aussagekraft von Corona-Antikörper-Tests sei aktuell noch begrenzt, erklärt Dr. Zinn im Gespräch mit RTL. "Wir haben momentan tatsächlich ein großes Problem mit Grenzwerten", so der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia. Denn bislang sei noch unklar, ab welcher Antikörper-Höhe man überhaupt sicher gegen das Virus geschützt sei. Fraglich sei auch umgekehrt, ab welcher Antikörper-Tiefe man nicht mehr geschützt sei. "Dazu gibt es ganz wenig Daten."

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia
Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia in Ingelheim
© RTL

Kann man sich die Booster-Impfung sparen, wenn ein Test sagt, dass man noch genug Antikörper hat?

Der Experte rät dringend davon ab, die Booster-Impfung vom Antikörper-Status abhängig zu machen. "Gerade bei den Risikogruppen, älteren Leuten oder Immunsupprimierten", warnt Dr. Zinn. "Da würde man auf jeden Fall der Empfehlung folgen, dass man sagt, sechs Monate nach der letzten Impfung würde man eine Booster-Impfung machen."

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Sollte es zusätzlich zu 3G auch eine Art Antikörper-Bescheinigung geben?

Auch zur Teilnahme an Freizeitangeboten hält Dr. Zinn nichts von einem Antikörper-Test als Nachweis über eine bestehende Immunität gegen das Coronavirus. Erneut verweist der Experte darauf, dass die Aussagekraft der Antikörper-Titer, die die Konzentration an Antikörpern im Blut angeben, noch nicht genug erforscht sei: "Wir haben auch diese seltenen Impf-Durchbrüche schon mal untersucht", berichtet der Hygieniker. "Das waren teilweise auch medizinische Kollegen, die auch hohe Antikörper-Titer hatten. Andererseits hatten wir auch schon Kollegen, die sehr niedrige Titer hatten und trotzdem gut geschützt waren." (dhe)