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Christoph Metzelders härtestes Urteil spricht die Öffentlichkeit - ein Kommentar

Kommentar zum Kinderporno-Prozess

Christoph Metzelders härtestes Urteil spricht die Öffentlichkeit

29.04.2021, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Der angeklagte Christoph Metzelder, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, sitzt in einem Saal des Amtsgerichts auf der Anklagebank. Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen vor, es unternommen zu haben, einer Pe
Christoph Metzelder vor Gericht. Er hat gestanden, kinderpornographisches Material verbreitet zu haben.
fdt, dpa, Federico Gambarini

Christoph Metzelder hat die Verbreitung kinderpornographischer Fotos und Videos gestanden, seine Strafe wird vom Gericht zur Bewährung ausgesetzt. Der Aufschrei wird groß sein, denn kaum ein Vergehen wird öffentlich so verabscheut wie Verbrechen, die im Zusammenhang mit schutzlosen Kindern stehen. Ein Kommentar von Daniel Spliethoff.

Das Ende eines öffentlichen Lebens

29.04.2021, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Christoph Metzelder (r), ehemaliger Fußball-Nationalspieler, kommt am Gericht an. Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen vor, es unternommen zu haben, einer Person Besitz an kinderpornografischen Schriften v
Christoph Metzelder auf dem Weg ins Amtsgericht Düsseldorf.
ve fdt, dpa, Rolf Vennenbernd

Noch vor ein paar Wochen habe ich in einem anderen Zusammenhang in einer Sozialen Einrichtung gedreht, die früher mal von Christoph Metzelder unterstützt worden ist. Die Leitung konnte es immer noch nicht glauben, dass Christoph Metzelder, der nette Christoph, DAS getan haben soll. Viele haben in ihm den Saubermann gesehen, viele brechen jetzt den Stab über ihn. Noch während das Gericht über den Fall Metzelder berät, hat die Öffentlichkeit in weiten Teilen das Urteil schon gesprochen: Christoph Metzelder ist durch die Tatsache, dass er kinderpornographisches Material verbreitet hat, zur unmöglichen Person geworden. Er wird keine Fußballmannschaften mehr trainieren, obwohl er eigentlich den Trainerschein beim DFB machen wollte. Er wird keinen Verein managen, keine Stiftung führen und nirgendwo eloquenter TV-Experte sein. Christoph Metzelder wird ein zurückgezogenes Leben führen – so viel lässt sich wohl jetzt schon sagen.

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"Diese Anklage hat mein Leben zerstört", sagt Metzelder

Oft genug kommen solche Urteile der Öffentlichkeit zu mild vor – vor allem, wenn der Täter um eine reale Haftstrafe herumkommt. Viele fordern martialische Strafen. Kaum jemand betrachtet diese Fälle nüchtern. Genau das ist aber die Aufgabe von Gerichten, egal, wie verachtenswert die Tat sein mag. Das Gericht trifft am Ende ein Urteil im Rahmen der bestehenden Gesetze. Das zweite Urteil trifft die Öffentlichkeit. Metzelder hat selbst gesagt: „Die Anklage hat mein Leben zerstört!“ – er hat wohl recht. Die Folge seiner Taten: Lebenslängliche Verbannung aus der Mitte der Gesellschaft. Das Urteil wird nicht zur Bewährung ausgesetzt.