Großer Spaß oder Daten-Risiko?

Chinesische Deepfake-App "Zao" baut unser Gesicht in Filmszenen ein

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4. September 2019 - 21:40 Uhr

App ermöglicht Usern Teil eines Films oder einer Serie zu sein

Erst vor kurzem sorgte die App "FaceApp" für Furore: Sie lässt die Bilder von Usern um Jahre älter wirken. Der plötzliche Hype legte aber auch die Frage offen, was mit den Bildern passiert. Die neue App "Zao" aus China sorgt jetzt ebenfalls für Arger, was die Privatsphäre betrifft: Mit ihr können User ihre Gesichter durch Hochladen eines Selfies in Filme und Musikvideos einfügen - die Clips sehen dabei täuschend echt aus. Doch wie gefährlich ist diese App wirklich? Wie sicher sind die Daten?

Deepfake-App Zao bricht in China Rekorde

Mit einem einfachen Selfie kann man die Hauptrolle in Spielfilmen oder Musikvideos übernehmen. Kein Wunder also, dass die Deepfake-App Zao in China innerhalb von wenigen Tagen zum viralen Hit wurde. Wer will sich nicht einmal in den berühmtesten Szenen der größten Hollwod-Filme sehen? Gesagt, getan.

So ließ sich der Spieleentwickler Allan Xia sein Gesicht in eine Serie von Filmszenen mit Leonardo DiCaprio montieren. Die Clips seien "in weniger als acht Sekunden aus einem einzigen Foto erzeugt" worden, schrieb er auf Twitter und löste damit ein Hype aus. Seit der Einführung zählt die App zu den am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Apps in China. Mit Zao produzierte Clips und Memes fluten derweil die sozialen Netzwerke des Landes.

Zao ist sehr umstritten

So groß der Hype um die App ist, so groß sind auch die Bedenken. Die Nutzer mussten bislang alle Rechte an den von ihnen mit der App erstellten Inhalte abgeben. Die umstrittenen Passagen seien aber mittlerweile aus den Nutzerbedingungen entfernt worden, berichtet "Radii China".

In einer Erklärung heißt es: "Wir verstehen die Bedenken aller Beteiligten bezüglich des Datenschutzes vollständig. Wir sind uns des Problems bewusst und überlegen, wie wir es lösen können. Wir brauchen ein wenig Zeit." Anschließend wurden die Allgemeinen Geschäftsbedingungen angepasst: Demnach sollen benutzergenerierte Inhalte nur noch mit Zustimmung der Anwender für andere Zwecke verwendet werden. Alle gelöschten Inhalte würden von den Servern des Unternehmens entfernt werden.

Angst vor Manipulationen durch die App

Kritiker befürchten, dass die App das Risiko von Fake-News erhöhen könnte und Kriminelle einfachen Zugang zu Bankkonten oder anderen Diensten erhalten könnten: "Insbesondere in China, wo ein Bild für Finanztransaktionen verwendet wird, ist es beängstigend, wenn jemand realistische Abbilder Ihres Gesichts erstellt," erklärt Nick Thompson, Mitwirkender von CBS News und Chefredakteur von "Wired" gegenüber "CBS This Morning".

Einige äußerten bereits Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen, die diese Technologie auf die bevorstehende Präsidentschaftskampagne haben könnte: "Im Jahr 2020 wird höchstwahrscheinlich jemand ein sehr realistisches, gefälschtes Video von einem der Kandidaten machen, in dem er etwas sagt, was er nicht gesagt oder getan hat", erklärt Thompson weiter. Zudem mache er sich Sorgen um Mobbing bei Kindern. Mit der App sei es kinderleicht, auch die Gesichter anderer Kinder in unmöglichen Szenen zu montieren.

Bisher ist die App nur in China verfügbar.