Charlotte Maihoff gibt Debüt als 'RTL Aktuell'-Moderatorin: "Die News sind der Star"

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8. September 2017 - 15:01 Uhr

Moderations-Premiere Samstagabend um 18.45 Uhr

Bevor sie am Samstagabend zum ersten Mal das RTL-Nachrichten-Flaggschiff 'RTL Aktuell' moderiert, haben wir Charlotte Maihoff zum Interview getroffen. Die gebürtige Saarländerin verrät, dass sie schon als Kind am liebsten News produziert hat und was für sie am Nachrichtengeschäft den größten Reiz ausmacht.     

"Nachrichten kommen ohne viel Chichi aus - das mag ich"

Waren Sie schon als Jugendliche besonders an Nachrichten interessiert oder hat sich das entwickelt?
Ich habe als Kind sehr gerne Radio gehört und mochte eigentlich immer die Wortbeiträge am liebsten. Von meinem Kommunionsgeld habe ich mir dann einen Kassettenrekorder mit Aufnahmefunktion gekauft und kleine Infosendungen mit Nonsens-Nachrichten produziert - sehr zum Leidwesen meines Umfelds, das dabei für Interviews und O-Töne herhalten musste.

Wie sind Sie dann konkret zum Nachrichtengeschäft gekommen?
Als ich mit 16 zum Jugendradio kam, hatte ich erst einmal andere Aufgaben: Reporter und Moderation. Erst viel später, eher durch Zufall, kam ich 2010 beim Deutschlandfunk "zurück" zu den Nachrichten.

Wie halten Sie es außerhalb des Büros? Sind Sie ständig online und empfangsbereit? Und gilt der letzte Blick vor dem Schlafengehen noch einmal den News-Anbietern im Internet?
Leider ja. Das ist wahrscheinlich eine Berufskrankheit. Andererseits: Es geht ja vielen so mit ihrem Smartphone.

Gibt es Zeiten, in denen Sie mal komplett abschalten und offline gehen können?
Ja, im Urlaub. Ich finde es wichtig, sich diese Zeiten zum Abschalten und Auftanken zu nehmen, sonst ist der Akku irgendwann leer. Also versuche ich, im Urlaub wirklich nicht häufiger als zwei Mal am Tag die Nachrichten zu checken - wenn es überhaupt Empfang gibt. Wenn nicht: Auch nicht schlimm! Die Welt dreht sich auch ohne mich und was ich verpasst habe, hole ich dann spätestens vor der ersten Schicht nach. 

"Zuschauer bestmöglich informieren - das ist der Reiz"

Muss man eigentlich ein News-Junkie sein, um eine gute Nachrichtenmoderatorin zu sein?
Man sollte tatsächlich sehr viel lesen und hören, auch außerhalb der Arbeit. Damit man Zeit hat, sich Hintergründe klar zu machen, das ein oder andere tiefer zu verstehen. Denn während der Schicht anzufangen, sich überhaupt erst einmal mit einem Thema, einer 'Lage' zu beschäftigen, funktioniert schon zeitlich nicht. Also: Es hilft schon, wenn man sich ohnehin für die Themen interessiert, die auf der Agenda stehen.

Sie sind in Sachen Nachrichtenphilosophie geprägt durch Ihre Jahre bei der ARD - nun werden Sie das News-Flaggschiff von RTL moderieren. Ist ein solcher Wechsel immer noch ein Spagat?
Das kann ich noch nicht sagen, ich habe ja noch gar nicht angefangen! Aber die News-Flaggschiffe hüben wie drüben haben ja das gleiche Ziel: ihre Zuschauer bestmöglich zu informieren. Diese tägliche Herausforderung ist der Reiz am Nachrichtengeschäft. Eine ziemlich spannende Aufgabe, die aber mit wenig Chichi auskommt. Das mag ich an den Nachrichten, hier sind die News der Star. Und das gilt für beide Redaktionen. 

Worin sehen Sie die größten Unterschiede bei der Nachrichtenvermittlung von ARD und ZDF, wo gleichen sich beide an?
Man muss unterscheiden zwischen gelesenen Nachrichten wie der 20-Uhr-'Tagesschau' und moderierten Formaten wie 'ZDF-heute' oder 'RTL Aktuell'. Ich finde es sehr schwierig, da Vergleiche zu ziehen. ZDF und RTL stehen sich sicherlich näher - aber das liegt natürlich am Format: Moderierte Nachrichten erklären etwas mehr, sprechen den Zuschauer direkter an.  

Peter Kloeppel als großes Vorbild

Was hat Sie besonders gereizt, diesen Wechsel zu vollziehen?
Bei einem Nachrichtenkanal wie 'Tagesschau24' ist die Taktung sehr hoch - was auch seinen Reiz hat: Viele Sendungen auf den Punkt präsentieren, Interviews vorbereiten, dazwischen Feedback und weitere Abläufe besprechen. Eine Sendung wie 'RTL Aktuell' ist dagegen ein Produkt, auf das einen ganzen Tag hingearbeitet wird. Ein Ganzes sozusagen, das da am Ende eines Tages steht. Den Gedanken fand ich sehr reizvoll.

Haben Sie Vorbilder im Nachrichtengeschäft, die sie inspirieren?
Na klar, Peter Kloeppel zum Beispiel, unvergessen mit seiner Moderation am 11. September. Aber auch viele Korrespondentenkollegen leisten großartige Arbeit rund um den Globus, unter manchmal sehr schwierigen Bedingungen. Wir im Studio haben es ja vergleichsweise warm und gemütlich. Also davor habe ich größten Respekt.

Verstehen Sie Menschen, die keine Nachrichten mehr einschalten, weil die Inhalte Ihnen zu viel Angst machen? 
Ja, das verstehe ich. Manche Nachrichten können wirklich deprimieren. Ich glaube, dass es deshalb wichtig ist, Hintergründe zu erklären. Alle Seiten zu beleuchten, auch die guten, wenn es welche gibt, und möglichst keine Panik zu verbreiten.

Sie leben in Hamburg und Moskau, arbeiten nun in Köln. Lässt sich das auf Dauer miteinander vereinbaren?
Nein, das wäre mir dann doch zu viel Stress! Ich bin gerade für meine neue Aufgabe nach Köln gezogen, dort habe ich schon einmal lange gewohnt und ich freue mich auch wieder darauf.