11. Januar 2019 - 20:46 Uhr

Mehr als die Hälfte der Proben war belastet

51,8 Prozent – so hoch ist im Einzelhandel der Anteil an Hähnchenfrischfleisch, der mit dem Durchfallerreger Campylobacter belastet ist. Das ergab eine Anfrage der Grünen an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Im Video erklärt Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter exklusiv, warum dieses Ergebnis so alarmierend ist.

Gesetzlicher Grenzwert in mehr als 20 Prozent der Fälle überschritten

Bei der Kontrolle des BMEL wurde der Erreger bei mehr als der Hälfte des getesteten Hähnchenfrischfleischs aus dem Lebensmitteleinzelhandel nachgewiesen – bei den geschlachteten Tieren im Schlachthof sogar bei sage und schreibe 78,8 Prozent. Damit haben die Werte, die über die letzten Jahre konstant gestiegen sind, einen neuen traurigen Rekordwert erreicht.

Zwar wurde Anfang 2018 ein neuer gesetzlicher Grenzwert für Campylobacter auf Masthähnchen festgelegt, doch für die Grünen ist das nicht genug: Die Partei fordert eine umfassende Verbesserung der Hygiene in den Schlachtbetrieben, wie Hofreiter im Video mit Nachdruck betont. Tatsächlich liegen nach wie vor mehr als 20 Prozent der Proben über dem Höchstwert von 1.000 KbE ("koloniebildende Einheiten") pro Gramm.

Warum ist Campylobacter so gefährlich?

Die Darmentzündung durch Campylobacter ist laut des Robert-Koch-Instituts die häufigste bakterielle meldepflichtige Krankheit in Deutschland. 60.000 bis 70.000 Personen sind jedes Jahr davon betroffen, besonders häufig erwischt es Kinder unter fünf Jahren und Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren.

Im Falle des Hähnchenfleischs erfolgt eine Ansteckung über den Darminhalt der geschlachteten Tiere.

Symptome und Behandlung

Bei einer Infektion können zunächst Kopfschmerzen, Fieber und Kraftlosigkeit auftreten, typisch sind jedoch vor allem wässriger, zum Teil sogar blutiger Durchfall und starke Bauchkrämpfe. Die Erkrankung dauert rund eine Woche, manchmal auch länger.

Meist genügt eine Behandlung mit Schmerzmitteln und dem Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts durch Elektrolyte. In seltenen Fällen kann eine Campylobacter-Infektion zu neurologischen Erkrankungen oder einer Entzündung der Gelenke führen.

Was müssen Verbraucher beachten?

Anton Hofreiter: "Man kann Verbrauchern, die Hähnchenfleisch zubereiten, nur raten, alle Arbeitsutensilien sehr, sehr gründlich zu reinigen. Wenn es durchgebraten und ausreichend erhitzt ist, sterben die Erreger ab – doch man hat sie erst mal in der Küche und muss deshalb sehr sauber arbeiten."

Es sollte also zum Beispiel darauf geachtet werden, nicht direkt nach dem Hähnchenfleisch weitere Zutaten auf dem gleichen Brett zu schneiden. Auch Rohmilch, die direkt vom Bauernhof kommt, sollte vor dem Verzehr abgekocht werden.

Kleinkinder, Schwangere sowie ältere und geschwächte Menschen sollten generell auf rohe Lebensmittel tierischer Herkunft wie etwa Mett verzichten. Gründliches Händewaschen führt außerdem zwar nicht zur vollständigen Beseitigung, aber immerhin zu einer deutlichen Reduzierung der Keime.