Warum die Kultstreifen auch heute noch einschlagen wie eine Spencer-FaustBud-Spencer-Klassiker auf RTL+: Filme wie eine Tiefkühlpizza-Kopfnuss

Sheriff Spencer (Bud Spencer, re.) hat auf einem Rummelplatz einen außergewöhnlichen Jungen aufgegabelt: "H-7-25" (Cary Guffey) kommt von einem fremden Planeten.
Sheriff Spencer hat auf einem Rummelplatz einen außergewöhnlichen Jungen aufgegabelt: "H-7-25" (Cary Guffey) kommt von einem fremden Planeten.
RTL NITRO
von Nils Osowski

Es ist kein Zufall, dass sein Gesicht sogar eine Tiefkühlpizza ziert. Das filmische Erbe des 2016 verstorbenen Schauspielers Bud Spencer ist wie die Tiefkühlvariante des beliebten italienischen Gerichts: Simple, aber schmackhaft. In 18 Filmen kloppt der Schlagfertige sich an der Seite von Terence Hill durch die Gegend. Dazu kommen zahllose weitere Action-Komödien und Spaghetti-Western, vorwiegend entstanden in den Sechzigern und Siebzigern. Als Italo-Obelix und sprüchereißender Blödel-Bond hat er ein filmisches Machwerk wie eine Kopfnuss erschaffen.

Vier Fäuste für ein Halleluja, (CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITA) IT 1971, Regie: E. B. Clucher, TERENCE HILL, BUD SPENCER, Stichwort: Mönch
Mönche der etwas anderen Sorte: Hill und Spencer in "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971).
United Archives/Impress, United Archives/Impress

Action mit einer Ladung Humor

Was den Kult ausmacht? Actiongeladene Schauwerte und mehr Witze als im Tagebuch von Batman-Bösewicht Joker. In seinen Streifen prügelt sich der Haudrauf-Kerl als Zwei-Mann-Armee gemeinsam mit Schönling Terence da auch schon mal durch ein Ballon-Bad voller Schurken in schicken Anzügen. Oder hilft mit seinen Fäusten Menschen in Not aus der Patsche. Wie einem Plantagen-Arbeiter, der in „Zwei Missionare“ seinen Unterdrückern zu entfliehen versucht. Dabei ist stets jede Menge Blödsinn, Schabernack und grober Unfug mit an Bord.

Jerry (Jerry Cala, re.), der von dem "Bomber" davor bewahrt wurde, von einer Schlägertruppe vermöbelt zu werden, versucht Bud (Bud Spencer) zu überreden, als Boxtrainer zu arbeiten.
Hmmm, lecker! Bud Spencers Rollen, wie hier der "Bomber", schlagen sich nicht nur, sondern lieben es auch, sich den Bauch vollzuschlagen.
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„Ich lache dann morgen über den Scherz“

Dass das Duo mitunter auch Geld durch Papageien-Aufzucht verdienen muss? Ebenso wie die Bud-Faust auf den Kopf quasi vorprogrammiert. Comedy-Wortgefechte fehlen genauso wenig wie alberne Momente, in denen ein drolliges Äffchen Terence brav seinen Hut bringt. „Hoffentlich träumst du nicht mal von dir. Das könnte ein Schock fürs Leben sein“, steckt Faustfan Bud in einem Wortgefecht da mal seinem Kollegen. Der erwidert: „Ich lache dann morgen über den Scherz“.

Das ist, ähnlich wie eine Tiefkühlpizza mit Bud-und-Terence-Motiv, zwar flach, keine hohe Kunst, aber ebenso befriedigend wie das schnelle Essen. Und auch eine flache Pizza backt im Ofen eben nochmal auf und hoch. Wenn Hill Spencer empfiehlt, als Missionar doch gleich mal seinen Bart mitzutaufen, damit der Gestank rausgehe, sorgt das für herzliche Momente in den actionlastigen Comedy-Abenteuern des ungleichen Duos. Oder wenn Bud einem Briten auf den Spruch „Gott schütze die Königin“ scherzend die Frage stellt: „Warum? Ist sie krank?“ Und in „Zwei wie Pech und Schwefel“ ruiniert das Team fröhlich-frech eine Chorprobe aufs Unerhörteste und Unanhörbarste.

Bud (Bud Spencer) feuert seinen Schützling Giorgio im Ring an. Wird seine große Hoffnung den ersten Kampf gewinnen?
Weil Bud Spencer im Grunde alles möglich machte, konnte er im Ring auch Schützlinge ausbilden, wie hier in "Der Bomber"
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Wortgefechte? Ehrensache in Spencer-Filmen

Weil „Haue die Welt regiert“, wird in den Komödien und Spaghetti-Western-Parodien natürlich auch immer wieder geprügelt, was das Spencer-Zeug und die Hosenträger halten. Das ist in seiner Überzogenheit so schräg wie in einem Videospiel der Machart „Wolfenstein“. Sprich: Hier werden im Allein- (beziehungsweise Zwei-)Gang Heerscharen an Widersachern besiegt, als wäre es nix. Daher eigentlich passend, dass es sogar eine Videospielumsetzung der Ausschweifungen des kultigen Duos gibt, „Bud Spencer & Terence Hill: Slaps and Beans“.

Die Kultfilm-Faustkämpfe setzen auf Slapstick: Wenn grundsolide Piratensäbel wie Salzstangen nur per Handkraft in zwei Hälften geteilt werden, Lederkluft-Träger nach einem Hieb meterweit durch die Luft fliegen oder ein rausgeschlagener Zahn in einem Roulette geborgen wird, wird das (hoffentlich) kein Mensch ernst nehmen. Dank des leichtfüßigen Grundtons tut das Zuschauenden im Gegensatz zu den Filmschurken allerdings nie wirklich weh. Dazu sind die Kloppereien einfach zu überzeichnet und zu großflächig mit Comedy-Streuseln garniert. Wer Low Comedy – Lacher erzeugt durch Fürze, Rülpser, Trunkenheit und Slapstick-Komik wie die berühmte Torte ins Gesicht – skeptisch gegenübersteht, muss hier so stark sein wie Spencer beim Armdrücken. Gleichzeitig verfügen die Witzeleien und Sprüche – an einer Stelle nennt Terence seinen Weggefährten „fett und doof mit einem Gesicht wie ein Gorilla nach einem Verkehrsunfall“ - über den eigenartigen Charme von „Camp“-Kunst. Also der Art von Kitsch, die man mit einer dekorativen Flamingo-Figur vor einem Wohnwagen in einem US-amerikanischen Trailerpark romantisiert-ironisch verbindet.

Pater J. (Terence Hill, re.) und Pater Pedro (Bud Spencer) sollen die frohe Botschaft an den Mann bringen.
In "Zwei Missionare" solld das Duo die frohe Botschaft an den Mann bringen. Nebenbei werden Papageien vertickt. Typisch Spencer-Hill-Style.

Bud Spencer, ein Samariter mit Plauze

Dass die Filme ans Herz gehen wie ein Steak-Wettessen mit Bud Spencer, liegt dabei auch an der klassischen Heldenrolle, die sowohl Spencer und Hill munter einnehmen. Von Antihelden oder ungewöhnlicheren Protagonisten wie in „Taxi Driver“, dem an der Gesellschaft zugrunde gegangenen Joaquin-Phoenix-„Joker“ oder Michael Douglas in „Falling Down“ sind die beiden weit entfernt. „Vier Fäuste für ein Halleluja“ rückt seine Hauptfigur zwar in die Rolle eines Pferdediebs – doch dann wird schließlich doch wieder nur mit der Tugend eines Pfadfinders einer Siedlerfamilie aus der Patsche geholfen.

Und so hilft der Mann mit den großen Händen und dem noch größeren Herzen in seinem Machwerk als „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ fleißig Heranwachsenden von anderen Planeten, bildet Schützlinge in „Der Bomber“ zu Profi-Zuschlagenden aus und geht fröhlich seinen Weg als fülliger Samariter. Und die Mischung aus herzlichen Momenten, absurden Action-Einlagen und einem Feuerwerk an blöden Sprüchen funktioniert auch nach all den Jahren noch. Eben wie eine Tiefkühlpizza. Deren Erfolgsrezept wird schließlich auch nie alt. (nos)

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