Besonders im Hinblick auf die Impfkampagne

Experte: Briten-Mutante ist "das Beste, was uns passieren konnte"

Der Immunologe und Internist Peter M. Kern leitet die Klinik für Immunologie am Klinikum Fulda und lehrt an der Philipps Universität Marburg.
Der Immunologe und Internist Peter M. Kern leitet die Klinik für Immunologie am Klinikum Fulda und lehrt an der Philipps Universität Marburg.
© Der Immunologe und Internist Peter M. Kern leitet die Klinik für Immunologie am Klinikum Fulda und lehrt an der Philipps Universität Marburg

10. Mai 2021 - 10:46 Uhr

Fast 100 Prozent der Infektionen in Deutschland auf britische Mutation zurückzuführen

Die britische Mutation des Coronavirus und ihre rasante Ausbreitung sorgte für großen Unmut. Die Virusvariante B1.1.7 wurde im Dezember erstmals in Deutschland nachgewiesen und macht inzwischen fast 100 Prozent aller Coronavirus-Infektionen hierzulande aus. Laut Professor Peter Kern, Leiter der Klinik für Immunologie am Klinikum Fulda, besteht kein Grund zur Sorge – im Gegenteil: "B1.1.7 ist das Beste, was uns passieren konnte", erklärt er im Interview mit NTV.

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"P1 und B1.351 konnten neben ihr nicht Fuß fassen"

Vor allem im Bezug auf die Impfung gegen das Coronavirus sind Mutationen immer wieder ein Thema. Fest steht: Die Impfstoffe, die ursprünglich zur Bekämpfung des Urtyps hergestellt wurden, schützen auch gegen die britische Variante.

Professor Kern erläutert, warum die Mutante nicht nur kein großer Grund zur Sorge, sondern ein Segen für die Eindämmung der Pandemie ist: "B.1.1.7 ist das Beste, was uns passieren konnte. Sie wurde an Weihnachten erstmals in Deutschland nachgewiesen und macht jetzt praktisch 99 Prozent aller Isolate aus. Sie hat also das Feld komplett übernommen, die Ursprungsvariante sehen wir gar nicht mehr, aber - und das ist ein Glück - auch P1 und B1.351 konnten neben ihr nicht Fuß fassen. Sie ist zwar deutlich ansteckender, aber sie ist wahrscheinlich kaum tödlicher - dazu gibt es derzeit noch widersprüchliche Studien."

„Durch B1.1.7 haben wir für unsere Impfkampagne kostbare Zeit gewonnen“

Und das ist vor allem im Bezug auf die Impfkampagne wichtig. Die rasante Ausbreitung der britischen Mutation konnte verhindern, dass sich andere Virusvarianten wie P1 aus Brasilien und B.1.351 aus Südafrika ausbreiten, bei denen die Impfung möglicherweise keinen ausreichenden Schutz bietet: "Durch B1.1.7 haben wir für unsere Impfkampagne kostbare Zeit gewonnen", so Prof. Kern.

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Was passiert beim Auftreten einer Mutation, gegen die unsere Immunität nicht mehr wirkt?

Doch was passiert, wenn eine gegen die Impfung resistente Mutation schafft, sich zu verbreiten und diese Geimpfte und Genesene trifft? Laut Professor Kern ist die Entstehung neuer Mutanten nicht zu verhindern, entscheidend sei, ob sie es schafft, sich auszubreiten: "Sie müsste bei Null anfangen und bräuchte Zeit, und diese Zeit hätten wir, um sie zu lokalisieren, Maßnahmen zu ergreifen und einen neuen Impfstoff zu entwickeln. Darum: Theoretisch ja, wir könnten eine Mutante übersehen, aber praktisch ist das Problem beherrschbar."

Gewisse Schutzwirkung durch Impfung oder überstandene Infektion sorgt für Eindämmung der Ausbreitung von Mutationen

Hinzu kommt, dass durch eine Immunisierung in Form einer Impfung oder einer überstandenen Infektion eine gewisse Schutzwirkung gegen Mutationen besteht, sodass die Ausbreitung voraussichtlich langsamer erfolgen würde: "Es wird höchstwahrscheinlich keine ganz fatalen Varianten entwickeln, sondern solche, die zu einer Koexistenz führen und sich nicht so stark von dem unterscheiden, was wir bereits kennen."

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ntv/JOS