Echtes Zeugnis ohne Ausbildung

Bosnien: So einfach kommen Fake-Pflegekräfte an einen Abschluss

29. Januar 2019 - 17:17 Uhr

Viele dieser angeblichen Pflegekräfte können auch in Deutschland arbeiten

Wer in Deutschland als Krankenpfleger arbeiten möchte, muss eine mehrjährige Ausbildung absolvieren – eigentlich. Weil es bei uns aber zu wenig Menschen gibt, die bereit sind, den Job zu machen, kommen viele Pflegekräfte aus dem Ausland. Auch sie müssen eine Ausbildung nachweisen. Doch Journalisten aus Sarajevo haben jetzt nachgewiesen, dass es in Bosnien und Herzegowina gar nicht so schwer ist, an so ein Zeugnis zu kommen, ohne jemals die Schulbank gedrückt zu haben.

Echtes Zeugnis gegen 1.250 Euro

Eine junge Frau spielte für das Onlinemagazin "Zurnal" den Lockvogel. Innerhalb von nur 17 Tagen schaffte sie es, einen originalen Abschluss zu bekommen, für den sie normalerweise ein Jahr lang hätte lernen müssen. Sie führte nur ein paar Telefonate und zahlte einem Kontaktmann 1.250 Euro. Mehr musste sie gar nicht tun. Schon stellte eine bosnische Bildungseinrichtung ihr das Zertifikat für eine Umschulung zur Krankenpflegerin aus.

Wie diese Masche genau funktioniert und wie die Journalisten den Mann konfrontieren, der ihnen das Papier verkaufte, wird im Video gezeigt.

Dieser Zeugnisbetrug ist kein Einzelfall

Pfleger kümmert sich um Patienten
Mit dem Abschluss könnte auch ein Automechaniker auf Patienten losgelassen werden. (Foto: Motivbild)
© dpa, Daniel Karmann, dka kde bl sja jai

Die Situation ist kein Einzelfall. Der Journalist Avdo Avdic schätzt, dass rund 5.000 solcher Zeugnisse im Umlauf sein könnten, nicht nur in medizinischen Berufen, sagte er dem Deutschlandfunk. Die Journalisten des Onlinemagazins "Zurnal" fordern jetzt, dass die Behörden dem systematischen Betrug auf den Grund gehen und verhindern, dass Ausbildungszeugnisse weiter auf diese Art und Weise verkauft werden.

Die größte Schwierigkeit für die Ermittler ist aber, dass die Zeugnisse nicht gefälscht sind. Es sind echte Zeugnisse, die für Leute ausgestellt werden, die nie eine Ausbildung absolviert haben. Von außen lässt sich der Schwindel also kaum erkennen. Ein Krankenpfleger könnte also in Wahrheit ein gelernter Automechaniker sein oder überhaupt keinen Schulabschluss haben. 

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Was tut die Bundesregierung dagegen?

Gesundheitsminister Jens Spahn
Jens Spahn erklärte, dass die Überprüfung von ausländischen Abschlüssen Ländersache ist.
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj tba

Und das Problem schwappt auch nach Deutschland. Denn viele Pflegekräfte, die bei uns arbeiten, kommen aus Bosnien und Herzegowina. Sie haben ihre Abschlüsse von den deutschen Behörden anerkennen lassen, um hier arbeiten zu dürfen. Was tut die Bundesregierung, um zu verhindern, dass völlig unqualifiziertes Personal auf Patienten losgelassen wird?

"Es muss natürlich klar sein, dass die Abschlüsse bei Pflegekräften, bei Ärzten gleichwertig sind zu denen hier bei uns in Deutschland", erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn im RTL-Interview. Die einzelnen Bundesländer sind für die Verfahren zuständig, bei denen genau das überprüft wird. Wie genau sie hinschauen, bleibt ihnen überlassen. Für Spahn sei es wichtig, "dass das schnelle Verfahren sind, weil wir brauchen die Fachkräfte, aber gleichzeitig auch gründliche Verfahren sind, wo idealerweise nicht nur die Papierlage geprüft wird, sondern es auch mal eine Praxisbegegnung gibt".

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