Verschiedene Gründe

Warum Sie auf „Black Lives Matter“ nicht mit „All Lives Matter“ antworten sollten

Protesters rally at the US Capitol against police brutality and the death of George Floyd on Wednesday, June 3, 2020 in
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05. Juni 2020 - 10:53 Uhr

Vielleicht gut gemeint, aber eigentlich problematisch

Der Tod von George Floyd, einem schwarzen US-Amerikaner, der bei einem Polizeieinsatz so brutal attackiert wurde, dass er kurz darauf starb, hat in der ganze Welt eine Welle der Empörung ausgelöst. Weltweit kommt es seitdem zu Protesten oder Aktionen in den sozialen Medien, die nicht nur Trauer und Wut über die Tat ausdrücken, sondern vor allem Solidarität zu Schwarzen und gegen jede Form von Rassismus zeigen. Der Hashtag #BlackLivesMatter (egal, ob im Netz oder auf Plakaten) ist einer der Kampfsprüche, mit denen auf die Ungerechtigkeit hingewiesen wird. Doch viele fühlen sich durch diesen plakativen Slogan dazu berufen, auf ein #AllLivesMatter ("Alle Leben sind wichtig") zu beharren. Könnte man doch eigentlich so unterschreiben, oder? Jein… Denn wer auf dieser Unterscheidung beharrt, hat das zugrundeliegende Problem nicht ganz verstanden.

Grund 1: Es heißt nicht „Only Black Lives Matter“

Die erste Annahme, die wohl bei vielen Menschen zugrundeliegt, die sich statt dem Spruch "Black Lives Matter" eher über ein "All Lives Matter" freuen würden, ist, dass man mit der inzwischen fest mit der Bewegung für die Rechte von Schwarzen verbundenen Aussage ausdrückt, die Leben von Schwarzen seien mehr wert als die anderer oder seien die einzigen, die zählen.

Dies erklärt ein Jura-Professor besorgten Studenten in einem Brief, der auf imgur veröffentlicht wurde. Diese verlangten von ihm, sein "Black Lives Matter"-T-Shirt nicht mehr zu tragen, weil es eigentlich "All Lives Matter" heißen müsse. Dies impliziere, so der Professor, dass vor dem Ausspruch "Black Lives Matter" ein "ONLY" stünde, also "NUR die Leben von Schwarzen zählen. "Wenn etwas zählt, impliziert das nicht, dass nichts anderes zählt", schreibt er.

Black Lives Matter
Black Lives Matter
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Grund 2: Wir sollten das offensichtlichere Problem angehen

Es sollte also schon mal jedem klar sein, dass die Forderung "Black Lives Matter" keineswegs mit der Forderung gleichzusetzen ist, dass die Leben von Schwarzen (oder irgendeiner Minderheit) wichtiger seien als andere. Doch gerade bei dieser Bewegung geht es ja um ein konkretes Problem: Nämlich dass Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt werden. Sei es jetzt bei Extrembeispielen wie Polizeigewalt, aber auch im Alltag. Man spricht hierbei von strukturellem Rassismus. Und das ist genau das Problem, auf das das "Black Lives Matter"-Movement aufmerksam machen will: Dass es nämlich immer noch einen Unterschied macht, wenn man mit einer schwarzen Hautfarbe auf die Welt kommt.

Fordert man nun lautstark, dass es "All Lives Matter" heißen müsse, spricht man den Betroffenen ab, dass ein Problem besteht, das dringend ist und das wir alle gemeinsam angehen sollten.

Auf Twitter finden sich viele anschauliche Vergleiche dazu. Statt "Black Lives Matter" auf "All Lives Matter" zu bestehen, sei wie:

  • "auf einer Krebstagung herumzurennen und zu rufen, ES GIBT AUCH ANDERE KRANKHEITEN"
  • "mit einem gebrochenen Arm zum Arzt zu gehen, der einem sagt, andere Knochen sind auch wichtig"
  • wenn neben einem brennenden Haus eines steht, das nicht brennt und man dieses zuerst (oder auch) mit Wasser löscht, weil ja alle Häuser wichtig sind

Ein Reddit-User hat ein weiteres gute Beispiel: Wenn am Familientisch allen eine Portion Essen aufgetan wird außer einem selbst, würde man sagen "Ich sollte meinen Teil bekommen". Es bringt nichts, wenn der Verteiler nun sagt "JEDER soll seinen Teil bekommen" – denn die anderen haben ihren ja schon und man wollte lediglich auf das Problem aufmerksam machen, dass einer noch nichts bekommen hat.

Grund 3: #AllLivesMatter kommt oft ausgerechnet aus dem rechten Lager

Ein weiterer Grund, weshalb man mit dem Beharren auf "All Lives Matter" ins Fettnäpfchen tritt, ist, dass die Forderung oft aus dem politisch rechten Lager kommt. Viele Menschen wollen damit aber eigentlich einfach ausdrücken, dass jeder gleich behandelt werden sollte und wollen betonen, dass sie Menschen eben nicht aufgrund ihrer Hautfarbe hervorheben wollen. Aber auch wenn der Wunsch dahinter gut gemeint ist, ist das Argument inzwischen so sehr mit Ansichten verwoben, die bereits rassistische Tendenzen beinhalten, dass kaum die eigentliche Absicht hinter der Umformulierung erkennbar ist.