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Bis zu 90% werden rückfällig: Dank Zauberpilzen der Alkoholsucht entkommen?

Studie bestätigt Wirksamkeit

Bis zu 90% werden rückfällig: Dank Zauberpilzen der Alkoholsucht entkommen?

Wunderpilze, Magic Mushrooms
"Magic Mushrooms", zu deutsch "Wunderpilze", enthalten das Halluzinogen Psilocybin.
iStockphoto

Rückfallquote liegt bei 70 bis 90 Prozent

Etwa fünf Prozent der Deutschen sind alkoholabhängig . Wer es schafft, sich aus der Sucht zu befreien, gilt danach als trockener Alkoholiker, nicht als komplett geheilt. Und das nicht ohne Grund – die Rückfallquote liegt bei etwa 70 bis 90 Prozent. Können Pilze diese hohe Anzahl verringern? Darauf deutet zumindest eine Studie hin, die im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht wurde: Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das in Zauberpilzen enthaltene Psilocybin dabei helfen kann, Alkoholiker vor einem Rückfall zu bewahren.

Forscher beschäftigten sich mit neurologischen Ursachen für einen Rückfall

Ziel der Forscher Marcus Meinhardt, Rainer Spanagel und Wolfgang Sommer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim war es, mithilfe der Studie herauszufinden, warum Alkoholiker rückfällig werden. Dabei ging es vor allem um neurologische Ursachen, um daraus mögliche Behandlungsformen ableiten zu können. In der Studie wurden alkoholabhängige Ratten auf einen bestimmten Gluatamatrezeptor, das mGluR2, untersucht. Dieser Rezeptor empfängt das Nervensignal Glutamat und reguliert dessen Ausschüttung im Gehirn.

Alkoholabhängige Tiere schütteten weniger Glutamat aus und hatten sich deshalb weniger unter Kontrolle

Die Forscher stellten fest, dass die Rezeptoren bei den alkoholabhängigen Tieren weniger funktionsfähig waren als normalerweise und somit weniger Glutamat ausschütteten. Die Folge: es fiel den Tieren schwerer, ihr Verhalten zu kontrollieren – dies wirkte sich auch auf ihr Bedürfnis nach Alkohol aus. Nach dieser Erkenntnis kamen für die Forscher die Zauberpilze als mögliche Therapie ins Spiel. Das enthaltene Halluzinogen Psilocybin stimuliert die Rezeptoren für das Glückshormon Serotonin. Dies wiederum führt zu einem Anstieg des mGluR2-Spiegels.

Lese-Tipp: Alkoholsucht-Test - sind Sie gefährdet?

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„Wir konnten zeigen, dass Psilocybin in der Lage ist, die mGluR2-Spiegel zu erhöhen"

„Wir konnten zeigen, dass Psilocybin in der Lage ist, die mGluR2-Spiegel zu erhöhen und zu einer Verringerung von Rückfällen zum Alkoholkonsum führt“, berichtet Forschungsleiter Marcus Meinhardt in der Pressemitteilung zur Studie. Der Anstieg der Glutamatrezeptoren führte also dazu, dass die Ratten ihr Verhalten und somit auch ihr Alkoholverlangen besser kontrollieren konnten. Da das Gehirn der Tiere sehr ähnlich zu dem des Menschen ist, lässt sich das Prinzip laut der Forscher auf Alkoholiker übertragen.

Laut Meinhardt sei es jedoch schwierig, die Genehmigung für eine solche Studie mit Menschen zu erhalten, da mit Betäubungsmitteln gearbeitet wird. Eine Therapie von Alkoholsucht mit dem Halluzinogen Psilocybin sei also vermutlich erst in einigen Jahren möglich, wenn sie sich durchsetze. (jos)