Statt einen Krankenwagen zu rufen, postete sie ihre Knutschflecke

Birmingham: Mutter soll Tochter (3) getötet haben, weil sie beim Sex störte

Kaylee-Jayde P. (3) aus Birmingham wurde von ihrer Mutter und deren Lebensgefährten totgeprügelt.
Kaylee-Jayde P. (3) aus Birmingham wurde von ihrer Mutter und deren Lebensgefährten totgeprügelt.
© West Midlands Police

12. August 2021 - 8:22 Uhr

Mutter und Lebensgefährte in Birmingham wegen Totschlags verurteilt

Kaylee-Jayde P. war erst dreieinhalb Jahre alt, als sie starb. Das kleine Mädchen wurde von seiner eigenen Mutter und deren Lebensgefährten totgeprügelt – offenbar weil sich die beiden von dem Kind beim Sex gestört fühlten. Ein Gericht in Birmingham verurteilte die Mutter Nicola P. (23) darum Anfang August wegen Totschlags und Vernachlässigung zu 15 Jahren Haft. Ihr Partner Callum R. (22) muss 14 Jahre ins Gefängnis.

Nicola P. (23) soll ihre Tochter getötet haben
Nicola P. (23) wurde wegen Totschlags und Vernachlässigung ihrer Tochter zu 15 Jahren Haft verurteilt.
© West Midlands Police

Dreijährige wollte nicht schlafen, als ihre Mutter Sex haben wollte

Kaylee-Jayde starb im August 2020 an ihren schweren Verletzungen. Nach der Obduktion war klar: Jemand muss mehrfach auf das Kleinkind eingeprügelt oder getreten haben, berichtet die West Midlands Police. Die Dreijährige starb, weil sich eine ihrer gebrochenen Rippen in ihre Lunge bohrte. Erst am nächsten Tag gegen 11 Uhr soll die Mutter laut den Ermittlern nach ihrem Kind gesehen haben. Da kam für Kaylee-Jayde aber bereits jede Hilfe zu spät. Das Mädchen war tot.

Die Mutter und R. waren laut Polizei seit etwa drei Monaten zusammen. "In der Nacht der Misshandlung waren die beiden aufgeregt, sich zu treffen. Sie waren aufeinander fokussiert", erklärte Mordermittler Adam Jobson. Das Kind sei gegen sieben Uhr in seinem Zimmer ins Bett gebracht worden, doch die Dreijährige wollte offenbar nicht schlafen und machte sich immer wieder bemerkbar. Damit störte sie wohl ihre Mutter und deren Freund beim Sex. "Sie wollte noch spielen, also haben sie in ihrer Frustration zugeschlagen", so der Polizeibeamte.

Callum R. (22)
Callum R. (22) soll zusammen mit Nicola P. deren kleine Tochter totgeprügelt haben.
© West Midlands Police

Wäre Kaylee-Jayde ärztlich versorgt worden, hätte sie wahrscheinlich überlebt

Bei der Obduktion fanden die Gerichtsmediziner auch Spuren von älteren, teilweise verheilten Verletzungen: Rippen, Brustbein und Kiefer des Kindes seien gebrochen gewesen. Sie gehen davon aus, dass Kaylee-Jayde immer wieder brutal geschlagen wurde. Auch in Nachrichten, die die Mutter und der Lebensgefährte sich schickten, sollen die beiden sich über körperliche Bestrafungen der Dreijährigen ausgetauscht haben. Wer dem Kind am Ende den tödlichen Schlag verpasste, ist unklar. Im Prozess beschuldigten sich die beiden Angeklagten gegenseitig.

Im Prozess wurde deutlich: Kaylee-Jayde war in der tragischen Nacht nicht sofort tot. Wäre das Mädchen ärztlich behandelt worden, hätte es gute Überlebenschancen gehabt, sagen die Gerichtsmediziner. Doch Nicola P. und Callum R. hatten an dem Abend offenbar anderes im Sinn, als einen Krankenwagen für das Mädchen zu rufen. R. soll die Wohnung an dem Abend gegen 8:35 Uhr verlassen haben. Während Kaylee-Jayde ihre letzten Atemzüge tat, soll ihre Mutter bis spät in die Nacht mit Freunden geschrieben und Fotos ihrer Knutschflecke bei Snapchat hochgeladen haben, so die Polizei.

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Kind in Birmingham getötet
Auf den Überwachungsbildern ist zu sehen, wie die Mutter ihre Tochter vor der Tat kaum eins Blickes würdigt.
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Nicola P. entschuldigt sich in verstörenden Tiktok-Videos

Auch nach dem Tod ihrer Tochter soll Nicola P. verstörende Posts abgesetzt haben, wie die britische Zeitung "Daily Mail" berichtet. Einen Monat nach dem Vorfall habe sie ihren Eltern ein Video geschickt. Darin lasse sie den Kopf hängen und wische sich Tränen aus den Augen. Dann bewege sie die Lippen zu dem Song, der im Hintergrund läuft: "I'm sorry mum and dad. I know I messed up bad" ("Mama und Papa, es tut mir Leid, ich weiß, ich habe richtig Mist gebaut"). In anderen Tiktok-Videos trauere sie erst um ihre Tochter und wechsele dann zu Tanzeinlagen, berichtet die Zeitung.

Überwachungsaufnahmen, die auch im Gerichtssaal abgespielt wurden, zeigen, wie Mutter und Tochter am Tag der Tat ihr mehrstöckiges Wohnhaus aus in einem Vorort von Birmingham verlassen und später wieder betreten. Es sind die letzten Aufnahmen, die die Dreijährige lebend zeigen. Nicola P. scheint auf den Aufnahmen mehr mit sich selbst und ihrem Spiegelbild im Aufzug beschäftigt zu sein, als mit ihrer Tochter. Sie hält großen Abstand zu dem Mädchen, nimmt es nicht an die Hand, berührt es noch nicht einmal.

Kurz danach stirbt Kaylee-Jayde P. (3)
Überwachungsaufnahmen aus dem Fahrstuhl im Wohnhaus sind die letzten Bilder, auf denen Kaylee-Jayde P. (3) lebend zu sehen ist.
© West Midlands Police

Großmutter trauert um tote Kaylee-Jayde

Die Großmutter der kleinen Kaylee-Jayde erklärte laut Polizei, dass sie der Tod ihrer Enkelin für den Rest ihres Lebens verfolgen würde. Die Dreijährige habe so ein wunderschönes Lächeln gehabt, berichtet Debbie Windmill. Sie wollte mit dem Kind bald eine Uniform für die Vorschule kaufen gehen. "Ich konnte kaum erwarten, sie darin zu sehen. Aber diese Möglichkeit wurde mir genommen auf eine furchtbar brutale Art und Weise", klagt sie. "Kaylee-Jayde hätte es verdient, der Welt zu zeigen, wer sie hätte werden können und wieviel Großartigkeit sie in diese Welt gebracht hätte", meint die Großmutter. (jgr)