Kammerjäger, Rohrreiniger & Co.

Achtung Abzocke: Wer steckt hinter den Google-Anzeigen?

25. Februar 2021 - 10:40 Uhr

RTL-Reporter deckt Betrugsmasche auf

Wenn Sie dringend einen Handwerker im Netz suchen, nehmen Sie dann auch direkt die Anzeige, die bei Google ganz oben steht? RTL Extra hat in einem großen Test herausgefunden, wieso Sie sich diese Angebote in Zukunft ganz genau anschauen sollten und welche dreiste Betrugsmasche offenbar hinter vielen davon steckt. Für welche Leistungen zum Beispiel ein angeblicher Rohrreiniger mehr als 750 Euro verlangt und mit welcher absurden Aktion er sich zu retten versucht, als er auffliegt, sehen Sie im Video!

Der vermeintliche Kammerjäger

Nadine Kreft wurden im vergangenen Jahr von betrügerischen Kammerjägern um 1.800 Euro abgezockt. Ihr fataler Fehler: Sie hat den Begriff "Kammerjäger" gegoogelt und direkt die Nummer der ersten Anzeige, die oben in der Liste erschien, angerufen. Jetzt hat Sie gemeinsam mit Extra-Reporter Wolfram Kuhnig die Chance genutzt und sich als Lockvogel getarnt, um herauszufinden, wer wirklich hinter den bezahlten Anzeigen steckt.

Der erste Suchbegriff bei Google: "Kammerjäger Köln". Ganz oben taucht "Kammerjäger Schäfer" auf – eine bezahlte Werbeanzeige. Nadine ruft dort an und gibt vor, ein Problem mit Bettwanzen zu haben. Der Mann am Telefon schickt sofort jemanden los. Und tatsächlich: Der vermeintliche Schädlingsbekämpfer bestätigt sofort einen Bettwanzen-Befall, ohne die Lage vorher professionell überprüft zu haben. Für die Beseitigung möchte er 500 Euro. Da Nadine Neukundin ist, sei die Bezahlung aber nur in bar möglich – ein Indiz, das hier etwas nicht stimmt. Doch bevor das RTL-Team eingreifen kann, scheint der Betrüger etwas zu ahnen und flüchtet aus der Wohnung.

Das Drama im Video: Rohrreiniger etwa auch Kammerjäger?

Auch Studentin Julia Meyer wurde eiskalt abgezockt: Sie bezahlte über 1.200 Euro an zwei Männer, die sich als Rohrreiniger ausgegeben hatten. Gemeinsam mit Reporter Wolfram ruft sie jetzt einen Dienstleister an, der an diesem Tag bei Google in einer bezahlten Werbeanzeige ganz oben angezeigt wird. Er soll die von einem Sanitärexperten vorher präparierte verstopfte Toilette wieder freilegen – eigentlich ein Job für rund 60 Euro plus Anfahrtkosten. Doch der vermeintliche Handwerker will unglaubliche 750 Euro für seine Dienste. Was passiert, als unser Reporter ihn konfrontiert, sehen Sie oben im Video.

LESE-TIPP: Horrende Preise beim Schlüsseldienst: Die beliebtesten Abzock-Tricks

Der Schlüsseldienst, den es nicht gibt

Vermeintlicher Schädlingsbekämpfer besprüht Betten mit Flüssigkeit
Kühlflüssigkeit für Autos hilft bei Bettwanzen leider gar nichts
© RTL

Bei ihren zweiten Lockvogel-Einsatz ruft Nadine Kreft bei einem Schlüsseldienst an, der ebenfalls in der Google-Suche ganz oben auftaucht. Dort verlangt sie aber nach einem Kammerjäger. Und tatsächlich: Ohne große Rückfragen kommt jemand vorbei. Der Mann sprüht das Bett mit angeblichem Gift ein und verlangt dafür schlappe 531 Euro. Doch in der Flasche ist nichts anderes als Kühlflüssigkeit für Autos.

Als Extra-Reporter Wolfram Kuhnig den Mann zur Rede stellt, flüchtet dieser direkt in die Arme der Polizei, die das Team kurz vorher gerufen hat. Nach der Durchsuchung seines Autos stellt sich heraus, dass der Mann nicht nur ein vermeintlicher Kammerjäger ist, sondern auch als Rohrreiniger arbeitet. Angerufen hat Nadine aber bei einem Schlüsseldienst.

Die Vermutung: Den Schlüsseldienst scheint es gar nicht zu geben, sondern nur die Werbeanzeige mit der Mobilnummer. Bei dem Mann am Telefon scheinen wohl viele dieser Handynummern zusammenlaufen, der dann seine vermeintlichen Profis losschickt. Seriosität – Fehlanzeige!

Tipps: Wie schütze ich mich vor vermeintlichen Handwerkern ?

  1. Wenn Sie Hilfe im Netz suchen, wählen Sie nicht direkt die erste bezahlte Google-Anzeige aus. Nehmen Sie sich Zeit und suchen beispielsweise nach niedergelassenen Experten in Ihrer Nähe.

  2. Lassen Sie sich an der Haustür einen Ausweis zeigen und notieren sich das Auto-Kennzeichen.

  3. Rufen Sie lieber die Polizei, wenn Ihnen etwas komisch vorkommt, und zahlen erstmal nicht.