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Bei Markus Lanz: Diese Studentin wirbelt Talkrunde im ZDF mächtig auf

Engelke bot de Maiziere Paroli

Warum diese Studentin die Markus- Lanz-Talkshow aufwirbelte

Tabea Engelke und Thomas de Maiziere bei Markus Lanz
Tabea Engelke und Thomas de Maiziere bei Markus Lanz
ZDF und Cornelia Lehmann

Debatte zwischen Thomas de Maiziere und Tabea Engelke

von Marko Schlichting

Eigentlich sollte es bei Markus Lanz unter anderem um das politische Vermächtnis von Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière gehen. Eine Studentin durchkreuzte den Plan.

Plötzlich wird die junge Frau zur Powerfrau

Tabea Engelke ist Studentin mit Profilen auf Facebook, Twitter und Instagram. Sie hat mal geholfen, Deutschunterricht für Flüchtlinge zu geben. Da war sie noch Schülerin, und dafür gab es einen Preis von einer Stiftung. Eigentlich ist sie eher unbekannt und doch mischte sie den Talk ordentlich auf.

Zunächst hatte man den Eindruck, da sitzt eine junge Frau, die zwar engagiert, aber gefrustet wirkt: "Ich bin jetzt 21, und ich habe noch nie in meinem Leben gewählt." Doch plötzlich wird die Frau zur Powerfrau, beginnt sich mit Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU zu streiten. Und das auch noch kompetent.

De Maizière ist seit 30 Jahren Politiker und hatte während seiner Amtszeit einige Diskussionen durchzustehen. Um Antworten ist er folglich nicht verlegen. Aber Tabea Engelke eben auch nicht. Dass sie noch unerfahren ist und manchmal Plattitüden heraushaut, die man so schon oft gehört hat, kann man ihr mal durchgehen lassen. Aber dank Tabea Engelke hatte es diese Diskussion in sich.

Studentin über Corona: Wirtschaftsinteressen wichtiger als Bildung

Als Markus Lanz die Frage stellt, wie sehr wir uns während der Corona-Krise an den jungen Menschen versündigt haben, merkt man der Studentin noch leichte Nervosität an. Sie berichtet von Unis, die immer noch nicht zu Präsenzvorlesungen zurückgekehrt seien. Während der Corona-Krise seien finanzielle Unterstützungen für Studenten sehr spät angekommen. Bei Geschäften oder großen Wirtschaftsunternehmen wie der Lufthansa habe das sofort geklappt, sagt Engelke und kritisiert: "Wirtschaftsinteressen überwiegen Bildungsinteressen." Und die Erklärung dafür liefert sie gleich mit: "Jugendliche haben keine Lobby." Ihnen fehle es an Geld und an Kontakten. Also könnten sie auch keinen Einfluss auf die Politik ausüben.

Das lässt De Maizière nicht auf sich sitzen. Man habe während der Corona-Krise zwei Kinderboni beschlossen , Studierende gefördert, Schulen finanziell unterstützt, und jetzt werde auch Geld für Nachhilfe locker gemacht. Und außerdem stehe es jedem Jugendlichen frei, sich in den Volksparteien zu engagieren.

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de Maiziere: "Sie sollen in die Parteien gehen"

Engelke sieht das anders. Es gebe genug Jugendliche, die auf die Straße gingen, um zum Beispiel auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Die Parteien müssten mehr Anreize für Jugendliche schaffen. "Es gibt keine Politikverdrossenheit bei Jugendlichen, es gibt eine Jugendverdrossenheit in der Politik", so Engelke. Und: "Wenn die Inhalte nicht stimmen, gehe ich auch nicht in eine Partei." Engelke ist übrigens Mitglied in der Grünen Jugend.

Dass das Durchschnittsalter gerade in der CDU sehr hoch ist, ist auch de Maizière klar. "Wir können die Hälfte der Mitglieder nicht mal über E-Mail erreichen", kritisiert der 67-Jährige. "Je träger eine Institution ist, desto leichter kann ich sie aufmischen." Und dann die spannende These: Zehn entschlossene junge Menschen seien in der Lage, innerhalb von vier Jahren einen CDU-Kreisverband zu dominieren. "Die Besten sollen nicht von außen Druck machen, sondern sie sollen in die Parteien gehen. Sonst gehen die jungen Karrieristen rein!"

Engelke: Dem CDU-Programm fehlt es an ökologischem Charakter

Für den Machtkampf in den Parteien fehle angesichts der aktuellen Klimakrise die Zeit, meint dagegen Tabea Engelke. Darum brauche es soziale Bewegungen wie Fridays for Future, um die Parteien von außen zu beeinflussen. Gleichzeitig forderte sie die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Wenn mehr Jugendliche wählen dürften, würden sich auch die Wahlprogramme der Parteien ändern. De Maizière denkt weiter und schlägt vor, über die Senkung der Volljährigkeit auf 16 Jahre zu reden.

Vom aktuellen Unionswahlprogramm ist Engelke nicht begeistert. Sie vermisst darin vor allem den ökologischen Charakter und wünscht sich, dass zum Beispiel Wirtschaftshilfen an ökologische Innovationen gekoppelt werden müssten. Und zum Schluss fordert sie, die Bundesregierung müsse in Zukunft bei ihren politischen Maßnahmen prüfen, ob sie generationengerecht sind. Generationengerechtigkeit bedeute für sie: "Heute nicht auf Kosten von morgen, hier nicht auf Kosten von anderen leben."