Prozessauftakt am Landgericht Braunschweig

Reich durch Betrug? Baumaschinen-Masche vor Gericht

Mit falschen Identitäten sollen Adnan K. und ein weiterer Angeklagter Baufirmen um ihre Maschinen und Fahrzeuge betrogen haben.
Mit falschen Identitäten sollen Adnan K. und ein weiterer Angeklagter Baufirmen um ihre Maschinen und Fahrzeuge betrogen haben.
© deutsche presse agentur

05. Januar 2022 - 14:11 Uhr

Angeklagter verkaufte Maschinen, die ihm nicht gehörten

Wie kommt man schnell an viel Geld? Ein Banküberfall kam für Adnan K. (37 Jahre) und Burim B. (36 Jahre) offenbar nicht infrage - sie versuchten es mit Baumaschinen und Fahrzeugen, so lautet zumindest die Anklage beim Prozessstart am Landgericht Braunschweig. Die sollen sie gemietet und dann einfach weitervermietet oder sogar verkauft haben. Der Gesamtschaden: Mindestens 1,4 Millionen Euro.

Mehr als 100 Fälle bekannt, aber deutlich weniger angeklagt

Der Prozess um den millionenschweren Betrug mit Baumaschinen hat am Mittwoch mit dem aufwendigen Verlesen der Anklage begonnen. Dem Hauptangeklagten Adnan K. werden 38 Straftaten, dem mutmaßlichen Mittäter Burim B. 17 Delikte vorgeworfen, sagte Staatsanwalt Ulrich Brunke im Landgericht Braunschweig. Von bislang mehr als 100 bekannten Fällen seien nur ausschnittsweise Taten zur Anklage gebracht worden, hieß es.

So funktionierte die Baumaschinen-Masche

Das Vorgehen soll immer ähnlich gewesen sein: Für den Betrug soll sich der Hauptangeklagte Adnan K. falsche Identitäten, wie italienische und bulgarische Personalausweise, zugelegt haben oder sich eine Firma ausgedacht haben. Mit diesen falschen Daten und gefälschten Kreditkarten soll der 37-Jährige dann Baufahrzeuge, wie Mini-Bagger und Tieflader oder andere Baumaschinen gemietet haben. Doch statt die Maschinen wieder nach der Mietdauer zurückzubringen, soll Adnan K. sie bundesweit an andere vermietet oder verkauft haben. Der Mitangeklagte Burim B. hat die Fahrzeuge laut Anklageschrift abgeholt oder gefahren.

Teilweise waren die Baumaschinen nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit GPS-Ortung ausgestattet. Die Vermieter merkten daher schnell, dass ihre Fahrzeuge nicht zu angegebenen Baustellen, sondern auf der Autobahn ganz woanders hin unterwegs waren und schalteten die Polizei ein. Dadurch konnten einzelne Maschinen etwa in Braunschweig und Gifhorn sichergestellt werden.

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Es soll weitere Mittäter geben

Die 37 und 36 Jahre alten Angeklagten sollen bundesweit in verschiedenen Konstellationen mit wechselnden Mittätern agiert haben. Der 37-jährige mutmaßliche Haupttäter soll zudem illegal eine Schusswaffe besessen haben. Das Verlesen und Übersetzen der Anklage auf Albanisch - beide Männer wurden den Angaben nach im Kosovo geboren - nahm am Mittwochmorgen mehrere Stunden in Anspruch. Im Anschluss sind zahlreiche Fortsetzungstermine bis Ende Februar geplant. (dpa/sju/mba)