Unfassbares Urteil in der Schweiz

Vergewaltiger bekommt Strafminderung - weil "Übergriffe auf das Opfer waren relativ kurz"

Eine Frau wurde auf dem Heimweg von einer Party in Basel vergewaltigt. (Symbolbild)
Eine Frau wurde auf dem Heimweg von einer Party in Basel vergewaltigt. (Symbolbild)
© picture alliance / dpa, Julian Stratenschulte

03. August 2021 - 12:46 Uhr

Nach Vergewaltigung: Richterin aus der Schweiz stuft das Strafmaß herab

Dieses Urteil einer Schweizer Richterin sorgt für Empörung. Laut eines Berichts der Zeitung "BZ Basel" wurde das Strafmaß eines bereits verurteilten Vergewaltigers von vier Jahren und drei Monaten auf anderthalb Jahre Haft heruntergesetzt. Einer der angeführten Gründe: Die Übergriffe auf das Opfer sollen relativ kurz gewesen sein.

Der Portugiese João P. wurde in der Schweiz zu einer mehr als vierjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er in Basel eine 33-jährige Frau vergewaltigt haben soll.
Der Portugiese João P. wurde in der Schweiz zu einer mehr als vierjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er in Basel eine 33-jährige Frau vergewaltigt haben soll.
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33-Jährige besuchte eine Party in Basel

Der Portugiese João P. wurde in der Schweiz zu einer mehr als vierjährigen Haftstrafe verurteilt, weil er in Basel eine 33-jährige Frau vergewaltigt haben soll, das berichtet "BZ Basel". Nach einer gemeinsamen Partynacht sollen er und ein 17-Jähriger die Frau nach Hause gebracht und vor ihrer Haustür gegen ihren Willen Sex mit ihr gehabt haben. Der Angriff habe elf Minuten gedauert, das geht aus einer Anklageschrift hervor, auf die sich die Zeitung beruft.

Das Basler Strafgericht schickte ihn wegen Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung und sexueller Nötigung offenbar vier Jahre und drei Monate in Haft. Hinzu gekommen seien eine sogenannte Genugtuungszahlung und ein Landesverweis von acht Jahren.

Nur "mittleres Verschulden" des Vergewaltigers

Doch jetzt die Kehrtwende. Der Vergewaltiger legte Berufung ein und bekam Recht. Sein Strafmaß wurde auf drei Jahre gekürzt. Die Hälfte der drei Jahre wiederum seien zur Bewährung ausgesetzt. Auch die Genugtuungszahlung für das Opfer soll herabgesetzt worden sein. Demnach sehe Gerichtspräsidentin Liselotte Henz nur ein "mittleres Verschulden" im Rahmen von Sexualstrafdelikten, das schreibt "BZ Basel".

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Opfer soll Sex auf der Toilette gehabt haben - mit anderem Mann

Die Vergewaltigung werde durch das vorangegangene Verhalten der Frau relativiert, wird Henz zitiert. Denn sie habe "Signale" auf Männer ausgesendet. Konkret meint sie damit offenbar, dass das spätere Opfer Sex auf einer Toilette gehabt haben soll – allerdings mit einem anderen Mann. Es läge außerdem kein Bericht darüber vor, ob das Opfer heute noch unter dem Vorfall leide, da es nicht in psychologischer Behandlung sei. Außerdem sollen die Übergriffe auf das Opfer auch relativ kurz gewesen sein und hätten zu keinen bleibenden physischen Verletzungen geführt, das schreibt die Schweizer Zeitung "Blick". Das wiederum soll zugunsten des Täters ausgelegt worden sein. (dky)

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