"Ich will mein altes Leben zurück"

Babyfrust: Wenn der Alltag mit Baby nervt

Frustriert vom Alltag mit dem eigenen Kind? Viele frischgebackene Mütter machen diese Erfahrung in den Monaten nach der Geburt. Wir verraten, was Sie gegen den sogenannten "Babyfrust" tun können.
© iStockphoto, SVETLANA DAMJANAC

29. Juni 2020 - 11:43 Uhr

Babyfrust: Genervt vom eigenen Baby

Endlich halten Sie Ihr ersehntes Wunschkind im Arm... doch Sie sind nicht permanent glücklich? Manchmal sind Sie regelrecht genervt von allem und würden am liebsten wegrennen? Sie wünschen sich manchmal Ihr altes Leben zurück? Machen Sie sich deshalb nicht grundlos Sorgen, denn dies heißt nicht, dass Sie eine schlechte Mutter sind. Sie empfinden vielmehr das, was viele frischgebackene Mütter durchmachen: Babyfrust. Aber warum kann Frust überhaupt aufkommen, wenn Sie sich doch auf das Kind gefreut haben? Und was hilft kann gegen dieses schlechte Gefühl helfen?

Wunschkind, Frustkind – wenn nicht alles rosarot ist

Babyfrust kann sich jederzeit einstellen. Gerade in den ersten Tagen nach der Geburt kann es durch einen starken und plötzlichen Hormonabfall zum sogenannten Babyblues kommen. Frisch gebackene Mütter können für einige Tage seelisch labil sein, grundlos weinen und in traurige Stimmung verfallen. Das vergeht meist nach einigen Tagen von selbst.

Doch auch danach ist das neue Leben mit einem Kind eine neue Herausforderung: hielten Sie zuvor alle Zügel fest in der Hand, so bestimmt nun ein kleines Wesen Ihren ganzen Alltag. Auch die immer gleichen Abläufe können dazu führen, dass Sie sich plötzlich unnütz fühlen und sich ihre alten Aufgaben zurückwünschen. Ganz gleich, wie Sie sich fühlen: Sie sind damit nicht allein und Sie sind deshalb kein schlechterer Mensch.

Warum leiden Sie an Babyfrust?

Beinahe jede Mutter ist gelegentlich des Babys wegen frustriert oder genervt. Gerade die Veränderung des Alltags sowie die neue Monotonie können dazu führen. Sie stecken jetzt in einer Art Pflegeberuf, ohne die Anerkennung dafür zu erhalten. Stattdessen sind Sie wahrscheinlich den ganzen Tag allein mit dem Baby, vielleicht umgeben von anderen Müttern bei Kursen oder Krabbelkreisen.

Manche Frauen blühen darin auf, andere vermissen ihr altes Leben. Manche stellen fest, dass sie keine Babymütter sind, sondern eher mit älteren Kindern etwas anfangen können. Sie finden keinen Spaß an ihren Aufgaben als Mutter eines Babys und freuen sich auf die Zeit danach.

Regretting Motherhood – was ist das?

In manchen Fällen geht der Babyfrust sogar so weit, dass Mütter die Entscheidung bereuen, jemals ein Kind bekommen zu haben. Das Phänomen war in den letzten Jahren Thema einer Forschungsreihe der israelischen Forscherin Orna Donath. Erstmals thematisierte sie, dass es Mütter gibt, die über das Babyalter hinaus die Mutterschaft bereuen. Dabei lieben sie aber ihre Kinder – nur wieder bekommen würden sie sie nicht, wenn sie noch einmal vor der Wahl stünden. Diese Gefühle sind selten, aber normal. Scheuen Sie sich nicht, darüber auch einmal mit einer guten Freundin zu reden.

Was hilft gegen miese Stimmung und Babyfrust?

Gerade andere Mütter können es nachvollziehen, wenn eine frustrierte Frau ihren Kummer loswerden möchte. Sie stecken in der gleichen Situation, haben vielleicht ähnliche Gefühle oder haben einen Weg gefunden, diese in eine neue Lebensfreude umzuwandeln. Es kann schon helfen, den Frust einmal aufzuschreiben und dadurch den Austausch mit Gleichgesinnten zu suchen, um Tipps zu erhalten oder einfach nur ein offenes Ohr zu finden.

Die Angst, eine schlechte Mutter zu sein kann weichen, wenn Sie erfahren, dass es vielen Müttern ebenso ergangen ist. Auch Ihr Partner sollte Sie unterstützen: Sprechen Sie gerade mit ihm über Ihre Gefühle. Er kann sie bei den täglichen Aufgaben entlasten.