So entschlüsseln Sie den Code der Arbeitgeber

Arbeitszeugnis-Formulierungen: Das bedeuten die Floskeln wirklich

Das bedeuten Arbeitszeugnis-Floskeln wirklich Schmeichelhafte Formulierungen?
01:15 min
Schmeichelhafte Formulierungen?
Das bedeuten Arbeitszeugnis-Floskeln wirklich

30 weitere Videos

Bewirbt man sich um einen neuen Job, will der zukünftige Chef nahezu immer vor allem eins sehen: Arbeitszeugnisse. Diese belegen, wie sich der Arbeitnehmer zuvor angestellt hat - und je besser das Zeugnis ist, desto größer sind die Chancen auf den Traumjob. Leider sind für Unerfahrene die Formulierungen leicht falsch zu verstehen. Nicht alles, was schmeichelhaft klingt, ist das auch wirklich. Im Video haben wir für Sie einige der häufigsten Arbeitszeugnis-Formulierungen gesammelt und erklären, was sie wirklich bedeuten.

Lese-Tipp: Reif für den Jobwechsel? Wann eine Kündigung sinnvoll ist – und wann nicht

Sehr gutes Arbeitszeugnis: Diese Formulierungen sind positiv gemeint

Auch wenn die Formulierungen im Arbeitszeugnis häufig wie ein Geheimcode wirken, wohnt nicht jeder positiv klingenden Umschreibung gleich eine versteckte negative Bedeutung inne. Diese Formulierungen zum Beispiel sind genauso schmeichelhaft gemeint, wie sie klingen:

  • „Frau/Herr XY arbeitete stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ - diese Formulierung ist genauso positiv, wie sie klingt und entspricht der Schulnote „sehr gut“.
  • „Frau/Herr XY arbeitete jederzeit absolut zuverlässig, zielstrebig und zügig“ - diese Umschreibung ist positiv gemeint und wortwörtlich zu verstehen.
  • „Frau/Herr XYs Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich“ - das ist eine ehrlich gemeinte Umschreibung und kommt der Note „sehr gut“ gleich.
  • „Das Ausscheiden nehmen wir mit großem Bedauern zur Kenntnis“ - der Arbeitgeber sagt hiermit, dass er den Mitarbeiter gerne in der Firma behalten hätte.

"Stets oder "insgesamt"? Wenn kleine Details den Unterschied machen

Arbeitszeugnis-Formulierungen: Das bedeuten die Floskeln wirklich
Jeder Arbeitnehmer hat das Recht auf ein Arbeitszeugnis
dpa, Jens Büttner

Positive Formulierungen auf dem Arbeitszeugnis sehen immer gut aus. Hier ist allerdings Vorsicht geboten: Nicht alle Floskeln, die auf den ersten Blick lobend klingen, sind auch so gemeint. Häufig machen bereits kleine Einzelheiten in der Formulierung den Unterschied zwischen guter und mittelmäßiger Beurteilung. Diese Formulierungen zum Beispiel sind zwar nicht wirklich schlecht, heben aber einige Schwächen des Arbeitnehmers hervor:

  • „Frau/Herr XY arbeitete zu unserer vollen Zufriedenheit“ - diese Aussage entspricht der Schulnote 3, also „befriedigend“. Der einzige Unterschied zu einer Formulierung, die der Note „sehr gut“ entsprechen würde: Statt „stets“ und „vollsten“ taucht in dieser Floskel lediglich die Umschreibung „vollen“ auf.
  • „Frau/Herr XY hat alle ihm übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß erledigt“ - heißt so viel wie: „Frau/Herr XY machte Dienst nach Vorschrift, aber zeigte keine Eigeninitiative.“
Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Schlechte Formulierungen auf dem Arbeitszeugnis: Vorsicht bei diesen Floskeln!

Auch wenn die Beurteilung des Arbeitgebers wirklich schlecht ausfallen sollte, ist dies für das ungeschulte Auge nicht immer sofort zu erkennen. Manchmal kann es zum Beispiel helfen, beim Lesen nicht nur darauf zu achten, was im Zeugnis steht, sondern auch zu schauen, was nicht erwähnt wurde. Diese Umschreibungen können zum Beispiel auf eine schlechte Beurteilung des Angestellten hindeuten:

  • „Frau/Herr XY bemühte sich, die Ihr übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen“ - damit will der Arbeitgeber sagen, dass die Bemühungen wenig erfolgreich waren. Als Schulnote wäre das eine glatte 6.
  • „Frau/Herr XY hatte die Gelegenheit, sich das notwendige Fachwissen anzueignen“ - hört sich zwar gut an, bedeutet aber, dass der Mitarbeiter diese Gelegenheit nicht wahrgenommen hat.

Unzulässige Formulierungen

Darüber hinaus konnten früher auch andere negativ gemeinte Formulierungen im Arbeitszeugnis auftauchen, die allerdings mittlerweile unzulässig sind:

  • „Frau/Herr XY trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ - damit will der Arbeitgeber sagen: „Sie/Er schaute öfter mal zu tief ins Glas.“
  • „Frau/Herr XY hat für alle Arbeiten Verständnis gezeigt“ - bedeutet, dass der Arbeitnehmer faul war.
  • „Frau/Herr XY war kontaktfreudig und bei den Kollegen sehr beliebt“ - heißt, sie/er hat lieber getratscht als zu arbeiten.