Bluttest soll Aufschluss geben

Antikörpertest: Bin ich immun gegen Corona?

Ein Antikörpertest könnte für Gewissheit bei vielen Menschen sorgen
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31. März 2020 - 17:23 Uhr

Hatte ich bereits eine Covid-19-Infektion?

Die Zahlen der Corona-Infektionen in Deutschland und auf der ganzen Welt steigen stetig an.
Für jeden einzelnen stellt sich deshalb die Frage: Hatte ich vielleicht schon Corona? Da vier von fünf Covod 19 Infektionen milde verlaufen, wissen viele Menschen unter Umständen gar nicht, dass sie bereits an Covid-19 erkrankt sind. Antikörpertests sollen nun darüber Aufschluss geben, ob ein Mensch bereits eine Covid-19-Infektion durchlaufen hat.

Aber wie funktioniert so ein Antikörpertest, wieviel kostet er und kann jeder den Test machen?

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Mit dem Antikörpertest testen, ob man Corona hatte

Um im Nachhinein festzustellen, ob Sie sich bereits unbemerkt mit dem Coronavirus infiziert haben, bedarf es eines Antikörpertests. Bisher sind diese auf dem freien Markt allerdings kaum verfügbar. Das kann sich aber bald ändern, schätzt Virologe Christian Drosten. Bereits jetzt gebe es einen Test-Automaten im Institut für Virologie an der Berliner Charité. Auch US-Forscher haben bereits einen Antikörpertest entwickelt, wie das Ärzteblatt berichtet. Und in Deutschland seien die ersten Labore nach eigenen Angaben schon in der Lage, Antikörpertests auf durchgemachte Coronavirusinfektionen durchzuführen, wie das Westfalen Blatt berichtet.

Das Ziel: Mit den neuen Tests kann festgestellt werden, ob der Untersuchte bereits eine Corona-Infektion durchlaufen hat und damit zumindest für eine gewisse Zeit immun gegen das Virus ist.

Wie funktioniert so ein Antikörpertest?

Ein bis zwei Wochen nach einer Infektion mit dem Coronavirus beginnt das Immunsystem, Antikörper zu bilden. Danach sind die im Blut nachzuweisen.

"Bei dem Antikörpertest handelt sich um eine einfache Blutentnahme, und man schaut, ob sich Antikörper gebildet haben", erklärt Dr. Georg-Christian Zinn, der Direktor des Hygienezentrum Bioscientia. Dabei ist das Prinzip ähnlich wie bei einem herkömmlichen Schwangerschaftstest: Die Probenlösung wird auf einen Streifen aufgetragen. Eine farbliche Markierung zeigt dann innerhalb von Minuten, ob der Proband eine Corona-Infektion hatte. Wichtig ist dabei: Der Antikörpertest schlägt erst nach ein paar Tagen an, wenn sich nämlich Antikörper im Blut gebildet haben. Zum Nachweis einer aktiven Infektion ist er daher nicht geeignet.

Für wen ist der Test interessant?

Die Antikörpertests können dabei helfen, weitere Informationen über das Virus und seine Verbreitung zu erhalten. Beispielsweise darüber, wie hoch die Dunkelziffer ist. Denn eine bestimmte Anzahl von Menschen, die infiziert werden, werden gar nicht krank. "Durch die Antikörpertests können wir eine Aussage darüber machen wie viele Menschen schon infiziert wurden und wie viele die Krankheit schon überstanden haben", so der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler. Dadurch könnte unter anderem besser eingeschätzt werden, wie hoch die Rate der Todesfälle tatsächlich ist. Das könnte zum Beispiel die Planung für die Krankenhäuser vereinfachen. Und es könnten Aussagen darüber getroffen werden, wie immun die Bevölkerung insgesamt ist. Dies wiederum kann bei der Einschätzung helfen, ob und wann die Maßnahmen wieder gelockert werden können.

Besonders für Menschen in Gesundheitsberufen könnte so zudem eine Testung ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Denn Krankenschwestern oder Altenpfleger können anders eingesetzt werden, wenn man weiß, dass sie bereits erkrankt waren und sich erst einmal nicht mehr anstecken und dadurch auch niemanden mehr infizieren können.

Antikörpertestung ist nicht unumstritten

Aber die Antikörpertestung hat einen Haken: Im Moment lasse sich noch nicht eindeutig sagen, wie lange Menschen, die positiv getestet wurden, im Anschluss tatsächlich immun sind, so Lothar Wieler. "Man weiß bislang noch nicht, wie lange die Immunität hält. Das dauert auch noch eine Weile, bis man das handfest sagen kann."

Und das zweite Problem: Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich noch nicht genau sagen, wie zuverlässig diese Antikörper-Tests wirklich sind. Denn es fehlen umfangreiche Daten oder Studien. "Es sind in Deutschland einige Studien geplant und einige werden durchgeführt", so der RKI-Chef. "Aber die Güte hängt sehr stark von der Qualität der Tests ab, die verwendet werden." Denn viele der entwickelten Tests sind noch nicht genau genug, um Sars-CoV-2 eindeutig zu identifizieren und schlagen manchmal noch bei anderen, harmloseren Coronaviren an.

15 Euro Laborkosten für den Test

Das Großlabor Krone in Bad Salzuflen (NRW), das mit derzeit bis zu 2500 Corona-Abstrichanalysen pro Tag eines der größten Labore in Deutschland ist, führt bereits die ersten Antikörpertests durch. Prof. Dr. Carsten Tiemann, Leiter Molekulare Diagnostik bei Krone, sagte dem Westfalen-Blatt, man könne künftig bis zu 2000 Antikörpertests am Tag analysieren. Ein Ergebnis gibt es nach 24 Stunden. Für den Antikörper-Nachweis ist jedoch Blut nötig, dass zuvor von einem Arzt entnommen werden muss. Der entscheidet dann auch, wer den Test machen kann und wer nicht. Die Laborkosten von rund 15 Euro sind keine Kassenleistung und müssen vom Patient selbst getragen werden.

Derzeit kommen zur Corona-Testung nur sogenannte PCR-Tests zum Einsatz. Mit dieser Testmethode lassen sich aktive Infektionen nachweisen. Wie ein solcher Corona-Test abläuft und wer ihn machen kann, erfahren Sie hier.

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