Wer lag beim Triell vorn?

Triell-Talk bei Anne Will: Wenn sich die Ohrenfarbe der Krawatte annähert

Die Gäste der Anne-Will-Talkshow verfolgen das Triell.
Die Gäste der Anne-Will-Talkshow verfolgen das Triell.
© imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

14. September 2021 - 9:15 Uhr

Wie lief der Schlagabtausch?

von Friederike Zörner

In weniger als zwei Wochen sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Am 26. September entscheidet sich dann nicht nur, welche Partei stärkste Kraft wird, sondern auch, wer wahrscheinlich die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel antritt. Nach dem ersten Aufschlag bei RTL diskutierten am Sonntagabend im zweiten TV-Triell bei ARD und ZDF die Kandidatinnen und Kandidaten der CDU/CSU, SPD und Grünen. Im Anschluss wertete Talkmasterin Anne Will mit ihren Gästen den Schlagabtausch aus.

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Darüber wurde diskutiert:

Wer hat das Triell gewonnen? Annalena Baerbock, Armin Laschet oder Olaf Scholz? Die Talkgäste sind sich da nicht einig. Die einzelnen Vertreter der Parteien sehen natürlich ihren jeweiligen Kandidaten oder Kandidatin vorne. Als neutrale Beobachterin bewertet die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch den Auftritt von Annalena Baerbock am besten. Ihr sei es gelungen, sich aus den Streitigkeiten und Schuldzuweisungen ihrer Kontrahenten herauszuhalten. Gleichzeitig habe sie betont, dass es nicht um die Vergangenheit gehe, sondern die Zukunft. Die dann auftretenden Probleme gelte es lösen.

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen:

  • Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister: "Wenn wir genau hinschauen, ist Olaf Scholz auch das Feigenblatt für eine linke SPD, die eine ganz andere Politik will als die, die er gelegentlich verkörpert."
  • Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz: "Natürlich ist Olaf Scholz Olaf Scholz und nicht Angela Merkel."
  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Fraktionsvorsitzende im Bundestag: "Wir sind jetzt wirklich an einer Zeitenwende. (…) Wir können nicht mehr sagen: 'wir machen das, wie wir das schon immer gemacht haben'. Sondern jetzt ist der Moment, wo man sagen muss: 'Nee, dieser Satz gilt nicht mehr.'"
  • Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur der "Welt": "Diese ganze Teambildung bei der CDU, die sich ja auch ein bisschen überschlagen hat in den letzten Wochen, die ist ja nur der Erkenntnis geschuldet, dass er (Laschet, Anm. d. Red.) allein nicht durchkommt."
  • Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin: "Ich fand Frau Baerbock - auch schon beim ersten Triell - ausgesprochen überzeugend."

Das Fazit:

Ebenso wie beim eigentlichen Triell kommt es im Studio von Anne Will zu hitzigen Diskussionen. Zum Beispiel, als CDU-Politiker Spahn und SPD-Vertreterin Dreyer über die Rolle von Scholz bei diversen Finanzskandalen sprechen. Dabei geht es etwa um die Durchsuchungen im Bundesfinanzministerium im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen die Financial Intelligence Unit (FIU) des Zolls. Dort sollen Mitarbeiter nicht konsequent gegen Geldwäsche-Kriminalität vorgegangen sein. Scholz oder die Angestellten im Ministerium stehen dabei nicht im Verdacht. Trotzdem wirft der Vorgang ein schlechtes Licht auf den SPD-Minister. Dass dieser sich auch im Duell mit Laschet vehement gegen solche Vorwürfe verteidigen muss, sieht man ihm an. Spahn sagt über Scholz: "Die Ohrenfarbe hat sich der Krawattenfarbe angenähert." Genauso wie Laschet trug Scholz nämlich einen dunkelblauen Anzug und eine weinrote Krawatte.