Neue Studie der Bertelsmann-Stiftung

Kein Job wegen Corona: Drei Viertel der Jugendlichen haben Angst davor

29. April 2021 - 23:03 Uhr

Kaum Ausbildungsstellen wegen Corona

Noch immer sind Hotels und Gaststätten geschlossen, viele Einzelhändler ebenso - kein Wunder also, dass viele Jugendliche um ihre Zukunft fürchten. Denn viele Betriebe kämpfen ums Überleben und haben somit keine Möglichkeit, Ausbildungstellen anzubieten. Wie gravierend die Situation in Deutschland tatsächlich ist, hat eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung untersucht. Dafür wurden von Februar bis März mehr als 1.700 Schüler zwischen 14 bis 20 Jahren befragt – mit besorgniserregendem Ergebnis.

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Drei Viertel der Jugendlichen besorgt über ihre Zukunft

Schon Ende 2020 deutete sich an, was eine Studie nun belegt: Die Situation für Schülerinnen und Schüler, die kurz vor dem Schulabschluss stehen, ist schlecht – sehr schlecht. 71 Prozent der Jugendlichen in Deutschland glauben, dass sich ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz durch Corona verschlechtert haben. "Das ist ein besorgniserregendes Ergebnis", sagt Clemens Wieland, Co-Autor der Studie. Im Vergleich: Zu Beginn der Pandemie waren es noch 61 Prozent.

Grund für die schlechte Stimmung bei der deutschen Jugend ist vor allem die niedrige Vermittlungsquote von Schulabgängern in Ausbildungsberufe. Um teilweise 14 Prozent war die im Laufe der Pandemie gesunken. Das wiederum liegt vor allem daran, dass einige klassische Ausbildungsberufe wegen des Lockdowns schlicht keine Arbeit haben und somit auch keine Auszubildenden beschäftigen können.

Hinzu kommt – so die Studie – dass weniger als 20 Prozent der deutschen Betriebe überhaupt noch ausbilden. Da sei es nicht verwunderlich, dass die Zahl der unzufriedenen Jugendlichen so hoch sei.

Studie der Bertelmann-.Stiftung zu Zukunftsängsten bei Jugendlichen
Drei von vier Jugendlichen glauben, dass die Pandemie ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verschlechtert hat.
© Bertelsmann-Stiftung

Gastronomie- und Hotelbranche besonders betroffen

Besonders schlimm sei die Situation vor allem für die Abschlussschüler, die einen eher schwachen Abschluss mitbringen. "Gerade für schwächere Jugendliche ist es besonders schwierig geworden, weil die häufig in Berufen der Gastronomie oder im Hotelgewerbe eine Ausbildung gefunden haben und da bricht jetzt Einiges weg", so Studien-Autor Wieland im RTL-Interview. Das mache es für viele Jugendliche schwer überhaupt einen Ausbildungsplatz zu finden.

Das Argument, dass sie sich einfach einen anderen Beruf aussuchen könnten, lässt Wieland dabei nicht gelten. "Es ist wichtig, dass Jugendliche bei der Ausbildungsplatzwahl flexibel sind, aber er muss schon den persönlichen Neigungen entsprechen. Hinzu kommt, dass für die unterschiedlichen Berufe auch unterschiedliche Noten oder Abschlüsse gefordert sind. Nicht jeder hat den Zugang zu jedem Ausbildungsberuf."

Studienanfänger nicht betroffen

Aber nicht überall ist die Ausbildunglage so dramatisch. Denn die Zukunftsängste beschränken sich laut der neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung hauptsächlich auf die klassischen Ausbildungsberufe. Potenzielle Studienanfänger haben kaum Ängste um ihre Zukunft. Nur knapp ein Viertel der befragten Jugendlichen gaben an, dass sich die Chancen auf einen Studienplatz verschlechtert hätten. "Nicht verwunderlich, denn Studienplätze sind nicht weggefallen. Nur das Studium selbst ist mühsamer, da es in Pandemie-Zeiten komplett online läuft", schreiben die Autoren der Studie.

Das spiegelt sich auch im aktuellen Trend wieder. Denn Trotz der Pandemie und einem rein digitalen Studium verzeichnen einige Unis sogar Rekord-Zahlen bei den Einschreibungen.

Studie der Bertelsmann-Stiftung
Drei Viertel der Jugendlichen finden, dass die Politik nicht genug tut, um sie bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen
© Bertelsmann-Stiftung

Jugendlichen stellen Politik schlechtes Zeugnis aus

Droht uns also nach der Pandemie ein akuter Fachkräftemangel, weil wir mindestens einen Ausbildungsjahrgang komplett verlieren? Eher unwahrscheinlich, so Wieland. "Einen ganzen Ausbildungsjahrgang verlieren wir wohl nicht, denn zum Glück kann ja die Mehrheit der Ausbildungen immer noch durchgeführt werden. Aber es bedeutet natürlich für einige Jugendliche, dass sie riskieren auf der Strecke zu bleiben und für die müssen wir Lösungen finden."

Dass ihnen die Politik solche Lösungen präsentieren könnte, sehen die Jugendlichen mehrheitlich aber eher nicht. Denn drei Viertel (73 Prozent) finden, dass die Politik nicht genug tut, um sie bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu unterstützen. Auch das vorhandene Informationsangebot zur Berufswahl ist dabei offensichtlich nicht hilfreich. Zwar sagen fast 80 Prozent der Jugendlichen, dass es viele Informationen zur Berufswahl gebe. Mehr als die Hälfte finden das aber zu unübersichtlich geben an sich im Dschungel der Informationen nur schwer zurechtzufinden. "Die Infos kommen also nicht dort an, wo sie gebraucht werden", so die Studie.

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