RTL-Box-Experte präsentiert

Andreas von Thiens Top 10: Die größten Boxkämpfe der Geschichte

Anthony Joshua und Andreas von Thien
© RTL Interactive

21. April 2020 - 13:36 Uhr

Ali macht das Rennen, Lewis und Tyson runden ab

In der Corona-Krise blicken viele Sportfans auf die größten Momente 'ihres' Lieblings-Sports zurück. So auch unser RTL-Aktuell-Moderator Andreas von Thien - bekennender Boxfan. In einer Top 10 listet von Thien die aus seiner Sicht größten Faustkämpfe der Geschichte auf. Von Max Schmeling über Muhammad Ali bis zu Wladimir Klitschko und Anthony Joshua.

Platz 1: Muhammad Ali vs. George Foreman, 1974, „Rumble in the Jungle”

Der epische Fight! Foreman hämmert rundenlang auf Ali ein. Der hängt in den Seilen, steckt Treffer um Treffer ein, leidet dabei Höllenqualen. Aber seine Taktik geht auf. Foreman hat seine Bärenkräfte verpulvert. In Runde 8 schlägt Alis Stunde. Die legendäre Links-Rechts-Kombination, eine Salve an Kopftreffern. Foreman fällt. Ali ist und bleibt der Größte!

Ich erinnere mich, wie wir als Kinder auf dem Schulhof diese Szene nachgespielt haben. Diese Faszination hält ewig.

Platz 2: Muhammad Ali vs. Joe Frazier, 1975, „Thrilla in Manila“

USA-Schwergewichtsboxer Muhammad Ali (l) trifft mit einer Linken seinen Kontrahenten Joe Frazier am Kopf. Frazier verliert am 30.09.1975 im "Philippine Coliseum" in Manila als Herausforderer den WM-Schwergewichtskampf am Ende durch Technischen K.o. i
Muhammad Ali und Joe Frazier prügelten 1975 in Manila 14 Runden lang aufeinander ein
© picture-alliance/ dpa, upi

Boxen brutal. Faszination und Schrecken zugleich. 14 Runden lang schlagen die beiden wie wild aufeinander ein. Dann gibt Fraziers Ecke auf, sie fürchtet um das Leben ihres Schützlings. Ali wird zum Sieger erklärt – und bricht nach der Schlacht ebenfalls zusammen. Wenn ich heute Bilder dieses Fights sehe, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken.

Platz 3: Joe Louis vs. Max Schmeling, 1936, New York

Schon während ihrer Zeit als Ringrivalen bauen Max Schmeling (r) und Joe Louis eine innige Freundschaft auf.
Joe Louis und Max Schmeling verband nach ihrer Karriere ein freundschaftliches Verhältnis
© DPA

Der "Braune Bomber" galt als unschlagbar. Aber der "Schwarze Ulan vom Rhein" hatte da was gesehen. Nach dem Schlag ließ Louis seine Linke immer hängen. Showtime Runde 12: Mit seiner gefürchteten Rechten streckte Max Schmeling den jungen Amerikaner brachial zu Boden. Sensationell, eine Weltsensation! Einer der größten Außenseiter-Siege der Geschichte.

Platz 4: Evander Holyfield vs. Mike Tyson, 1996, Las Vegas

US-Schwergewichtsboxer Mike Tyson (r) kassiert eine linke Gerade seines Landsmannes Evander Holyfield am 28.6.1997 in der 2. Runde des WBA-Weltmeisterschaftskampfes in der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas. Evander Holyfield verteidigt seinen Titel
Evander Holyfield gab Mike Tyson 1996 Saures
© picture-alliance / dpa, afp

Holyfield ist als Verlierer eingekauft – und macht den Kampf seines Lebens. Er zähmt das Biest Tyson und schlägt ihn in Runde 11 k.o. Was für ein Spektakel, wir saßen bei Bier und Chips am Sonntagmorgen am TV und konnten es kaum glauben. Was für ein unfassbarer Fighter, dieser bibelfeste Holyfield.

Dass dieses Box-Wunder möglich wurde, kann ich bis heute nicht glauben. Genauso wenig wie diesen irren Ohrenbiss von Tyson ein paar Monate später beim zweiten Duell. Es war wie in einem Horrorfilm. Aber unvergesslich.

Platz 5: Marvin Hagler vs. Sugar Ray Leonard, 1987, Las Vegas

Auch Kampfmaschine Hagler war haushoher Favorit, immerhin war er zehn Jahre lang ungeschlagen. Er marschiert nach vorn, jagt Leonard. Der ist beweglicher, kontert geschickt. Die atemberaubendste Schlacht im Mittelgewicht. Dieses Tempo. Leonard siegt nach Punkten. Umstritten. Ich glaube heute noch, dass der Sieger Hagler hätte heißen müssen.

Platz 6: Wladimir Klitschko vs. Anthony Joshua, 2017, Wembley

Britain Boxing - Anthony Joshua v Wladimir Klitschko IBF, IBO & WBA Super World Heavyweight Title s - Wembley Stadium, London, England - 29/4/17 Anthony Joshua in action with Wladimir Klitschko BOXE : Anthony Joshua vs Wladimir Klitschko - Wembley -
Dieser Uppercut leitete Wladimir Klitschkos Niederlage gegen Anthony Joshua in Runde 11 ein
© imago/PanoramiC, Andrew Couldridge, imago sportfotodienst

Ein absolutes Highlight meiner Reporter-Karriere. Ein Fight der Superlative. 100.000 Fans in London singen "Sweet Caroline". Dann geht die Post im Ring ab. Schlagabtausch, beide wackeln, wir stehen auf den Stühlen, Wembley kocht. Klitschko verliert durch K.o. Es ist sein letzter Kampf. Und ich frage mich bis heute: Was wäre passiert, wenn er in Runde 6 entscheidender nachgesetzt hätte als AJ angeschlagen war?

Platz 7: Lennox Lewis vs. Vitali Kitschko, 2003, Los Angeles

Lennox Lewis (l) und Vitali Klitschko standen sich im Dezember 2004 im Ring gegenüber.
Trotz Riesen-Cut lag Vitali Klitschko zum Zeitpunkt des Abbruchs gegen Lennox Lewis in Front
© DPA

Was für ein Duell, was für eine Schlacht. Es ging hin und her, ich stand mit meinem Vater vor dem Fernseher und wir kämpften mit. Jede Sekunde Hochspannung. Der K.o. immer möglich. Klitschko bärenstark, Lewis beeindruckt. Dann dieser mörderische Aufwärtshaken von Lewis, Klitschko zuckt nur kurz. Dr. Eisenfaust mit Eisen-Kinn. In Runde 6 wird das Spektakel abgebrochen. Klitschko ist blutüberströmt. Bis dahin ist Klitschko auf allen Punktzetteln vorn. Ich hätte gerne gesehen, wie es weitergeht und wer der wahre Sieger ist. Mein Sieger der Herzen ist Vitali!

Platz 8: Mike Tyson vs. Trevor Berbick, 1986, Las Vegas

Mit diesem Fight ging der Stern von "Iron Mike" auf. Volle Pulle, volle Power. Es war wie ein Überfall. Für den armen Berbick ging das alles zu schnell. Legendär, wie er nach den Volltreffern in der 2. Runde versucht weiterzumachen. Aber er taumelt nur noch. Mit 20 Jahren und 144 Tagen ist Mike Tyson der jüngste Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten. Tyson ist und bleibt für mich eine der größten Attraktionen überhaupt. Trotz aller Skandale.

Platz 9: Arthur Abraham vs. Edison Miranda, 2006, „Die Blut-Schlacht von Wetzlar“

Titelverteidiger Arthur Abraham (r) aus Deutschland trifft seinen Gegner Edison Miranda aus Kolumbien in der Nacht zum Sonntag (24.09.2006) im Kampf um die IBF-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht in der Rittal-Arena in Wetzlar mit seiner Rechten. Abra
Arthur Abraham bezwang Edison Miranda trotz Kieferbruchs über 12 Runden nach Punkten
© dpa, A3399 Arne Dedert

König Arthur kämpft trotz gebrochenen Kiefers weiter. Unmengen von Blut sprudeln aus seinem Mund. Grauenvoll. Die Schmerzen müssen unerträglich gewesen sein. Es war übermenschlich, heldenhaft und auch wahnsinnig. Was hätte alles passieren können. Coach Ulli Wegner übernimmt die Verantwortung, doch er hat sicher bis heute Albträume, wenn er an diese Extremsituation denkt.

Platz 10: Lennox Lewis vs. Mike Tyson, 2002, Memphis

Mehr Spektakel geht nicht. Erst die Massenschlägerei vor dem Kampf. Tyson beißt Lewis in den Oberschenkel. Dann das Feuerwerk im Ring. Anfangs ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, dann geht Tyson die Puste aus. Lewis kennt keine Gnade und macht in Runde 8 kurzen Prozess. Ich ziehen den Hut vor Lennox, einer der Größten aller Zeiten!