Legendärer Boxkampf vor 45 Jahren

Als Ali Foreman k.o. schlug - diese Legenden über den Rumble in the Jungle sind Humbug

Muhammad Ali re gegen George Foreman beide USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY ARK197410
© imago/UPI Photo, imago sportfotodienst

02. November 2019 - 14:33 Uhr

Von Martin Armbruster

30. Oktober 1974, Kinshasa/Zaire, Rumble in the Jungle, Runde 8: Mit einer Kombination aus linkem Haken und rechter Gerade schlägt Muhammad Ali den haushohen Favoriten George Foreman k.o., eine der größten Sensationen der Boxgeschichte. Das Jahrhundert-Ereignis ist in den vergangenen 45 Jahren dutzende Male erzählt, neu erzählt, nacherzählt, ja sogar verfilmt worden. Bis heute ranken sich zahlreiche Legenden um die Dschungel-Keilerei, die einfach nicht stimmen. Zeit, die Faustkampf-Fake-News dahin zu schicken, wo sie hingehören: In die Mythen-Mottenkiste.

Die Legende vom einseitigen Kampf

Die Mär vom hoffnungslos unterlegenen Ali, der acht Runden lang von Foreman verdroschen wird, bis diesem die Luft ausgeht, steckt in so ziemlich jeder Geschichte zum Rumble in the Jungle. Richtig ist, dass Foreman in der schwülen Kongo-Hitze bisweilen tatsächlich wie von Sinnen auf den an den Ringseilen lehnenden Ali einprügelte und sich dabei völlig verausgabte.

Einseitig war der Kampf in den acht Runden aber keineswegs. Vom ersten Gongschlag an traf Ali seinen Rivalen immer wieder mit dem linken Jab, überrumpelte 'Big George' zudem mit ansatzlos geschlagenen rechten Führhänden (lead right hands) zum Kopf. Selbst mit dem Rücken zur Wand konterte Ali seinen Gegner mit schnellen Kombinationen immer wieder aus.

Ein Blick auf die Punktzettel entlarvt die Legende vom einseitigen Kampf. Sowohl die zwei Punktrichter als auch Ringrichter Zach Clayton hatten Ali nach sieben Runden mit mindesten zwei Punkten in Front. Von einem "very even fight", einem sehr ausgeglichenen Kampf, sprachen auch HBO-Kommentator Bob Sheridan und Box-Experte Joe Frazier (der sowohl mit Ali als auch Foreman im Ring stand) die ganze Zeit.

Warum immer erzählt wird, der Kampf sei bis zum Knockout eine klare Nummer zugunsten Foremans gewesen, bleibt ein Rätsel.

Die Legende vom schnellen Count

Seit 45 Jahren verbreiten nicht wenige Boxfans die Version, Ringrichter Clayton habe Foreman in Runde 8 zu schnell ausgezählt, die Kongo-Keilerei hätte weitergehen müssen. Der nüchterne Sekundenzeiger widerlegt diese Legende mit der Präzision, die ihm vorgeschrieben ist.

Als Foremans Hinterteil den Ringboden küsst, springt die Rundenuhr gerade von 11 auf 10 Sekunden um, die in Durchgang 8 noch zu boxen sind. Clayton zählt danach im genau richtigen Takt herauf, während die Uhr heruntertickt. Als sie 0 anzeigt, ist Clayton folgerichtig bei 10 und winkt zum Feierabend. Foreman ist da zwar schon dabei sich aufzurichten, erhebt sich aber einen Bruchteil zu spät aus dem Ringstaub. Alis K.o. ist nach allen Regeln der Mathematik sowie der Box-Gesetzbücher ordnungsgemäß.

George Foreman (l) richtet sich wieder auf, nachdem er von Muhammad Ali (r) in der achten Runde des Schwergewichts-Weltmeisterschaftskampfes am 29.10.1974 in Kinshasa K.O. geschlagen wurde. Foreman verlor damit seinen Schwergewichtstitel an Ali.
Als Ringrichter Zach Clayton 10 zählt, steht George Foreman noch nicht auf beiden Beinen
© picture alliance /, UPI

Die Legende von den schlaffen Ringseilen

Auch eine beliebte Geschichte: Alis Coach Angelo Dundee, so die Legende, habe die Ringseile lockern lassen. Zweck des vermeintlichen Trainer-Kniffs: Ali konnte sich so bei seinen Rope-a-Dope-Einlagen (in Deckung verharrend an den Ringseilen stehen, d. Red.) weit in die Ringseile zurücklehnen, während Foreman auf ihn eindrosch, und vielen Schlägen so die Wirkung nehmen.

Fakt ist: Dundee wollte nie, dass Ali dem K.o.-Monster Foreman ein stehendes Ziel bietet. Die TV-Bilder beweisen das: "Komm von den Seilen weg!", brüllen Dundee und sein Adjutant Bundini Brown jedes Mal, wenn sich Ali in sein Schneckenhaus verkriecht.

Der Trainerfuchs und seine Leute ließen also kein Schräubchen lockern, um Ali einen Vorteil schlaffer Ringseile zu geben. Die Rope-a-dope-Strategie, durch die Foreman sich auspowern sollte, war einzig und allein die Idee des 'Größten'.

Heavyweight champion George Foreman, left,  has Muhammad Ali on the ropes in the first round of their title bout early in Kinshasa, Zaire, October 30, 1974.    (AP Photo)
Rope a dope, nannte Ali seine Strategie, an den Ringseilen stehend, Foreman auf sich eindreschen zu lassen
© picture alliance / AP

Die Legende vom Succubus

Zugegeben: Diese Legende lässt sich weder widerlegen noch bestätigen: Im oscargekrönten Dokumentarfilm "When we were Kings" (Einst waren wir Könige) erzählt der amerikanische Schriftsteller George Plimpton die Geschichte eines afrikanischen Hexendoktors. Dieser prophezeite, dass eine Frau mit zitternden Händen, ein Succubus, von Foreman Besitz ergreifen und all seiner Kräfte berauben werde, um Ali den Sieg zu schenken.

In der Mythologie ist ein Succubus eine lüsternde Frau, die Sex mit schlafenden Männern hat, bis diese ermüden. Der Legende nach machte Foreman gegen Ali also wegen des Succubus schlapp.

Hält man sich aber an die schlichten Box-Fakten, gewann Ali, weil er der bessere, reifere und schlauere Boxer war. Mit seiner Rope-a-dope-Strategie entnervte der damals 32-Jährige seinen acht Jahre jüngeren Gegner. Dank seiner unglaublichen physischen Verfassung steckte er Foremans K.o.-Keulen weg, bis diesem die Arme schwer wurden. Und mit seinen schnellen Fäusten schlug 'The Greatest' den als unbesiegbar geltenden Weltmeister schließlich k.o. So 'einfach'.