Verkehrsunternehmen für dauerhaften Nachfolger des günstigen Fahrscheins

Kommt nach dem 9-Euro-Ticket bald das 69-Euro-Ticket?

10.07.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Ein Bus und eine Straßenbahn der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) stehen an der Haltestelle Neumarkt. Gestiegene Corona-Inzidenzen ausgerechnet während der Ferienzeit machen Verkehrsunternehmen in Nordrhein-Westfal
Nahverkehr in Köln
tb cul, dpa, Thomas Banneyer

Es ist ein großer Erfolg – das 9-Euro-Ticket, das vor allem zur Entlastung in der Krise dienen sollte. Der Erfolg der günstigen Fahrkarte ist allerdings so groß, dass die Diskussion über eine Fortsetzung in vollem Gange ist. Geht es nach den Verkehrsunternehmen, soll es das Ticket auch nach dem August geben, allerdings zu einem deutlich höheren Preis!

Für welche Bereiche soll das 69-Euro-Ticket gelten?

Es könnte der Nachfolger des 9-Euro-Tickets sein – das 69-Euro-Ticket! Als dauerhafte Fahrkarte hat sich der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) jetzt dafür ausgesprochen. Die Fahrkarte soll bundesweit für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten. Auch aus der SPD kamen Forderungen nach einem Nachfolgeangebot. Zunächst müsse aber die nachhaltige Finanzierung geklärt sein.

„Ausgehend von der Prämisse, dass die ÖPNV-Tarife der Verkehrsverbünde für das Gros der Fahrgäste weiterhin attraktiv sein werden, schlagen wir insbesondere für diejenigen, die sich in der Marktforschung als relevante Zielgruppe erwiesen haben - zahlungswillige Autofahrerinnen und -fahrer - ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro pro Monat als einfache Fahrtberechtigung der 2. Klasse vor“, teilte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff am Donnerstagabend mit. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet.

Anders als das 9-Euro-Ticket würde die 69-Euro-Fahrkarte nicht automatisch für Abonnenten gelten, hieß es. Fahrgäste müssten vielmehr abwägen, welches Abo für sie am besten passe. „Die Branche ist in der Lage, ab dem 1. September ein solches Klimaticket anzubieten“, erklärte Wolff. „Dafür brauchten wir allerdings sehr schnell den entsprechenden Auftrag seitens der Politik.“ Die Kosten für ein solches Angebot bezifferte Wolff auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr.

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Für wen lohnt sich das 69-Euro-Ticket?

Für dieses Jahr ließen sich diese Kosten noch über den mit der Politik ausgehandelten Rettungsschirm für die Verkehrsunternehmen finanzieren. „Für das neue Jahr braucht es dann eine neue Regelung.“ SPD-Fraktionsvizechef Detlef Müller plädierte im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag) ebenfalls für eine Nachfolgeregelung. „Ob ein Anschlussticket dann 39, 49 oder 69 Euro kostet, ist zweitrangig“ sagte er. „Es muss aber in einem Rahmen sein, der psychologisch wirkt und sich für Menschen lohnt, ihr Auto stehen zu lassen.“

Müller schlug vor, bis zur Verkehrsministerkonferenz im Herbst einen Vorschlag für eine Fortsetzung des Tickets und deren Finanzierung zu entwickeln. „Ich fände es gut, wenn Bund und Länder sich auf ein dauerhaftes Modell verständigen könnten, an dem sich die Länder jedoch ähnlich beteiligen wie bei dem Corona-Rettungsschirm.“ Die Frage der Finanzierung sei wichtiger als die Frage, wann ein neues Angebot starte. „Denn klar ist, dass ein preiswertes Ticketangebot nicht zulasten des Ausbaus und des Betriebs im ÖPNV finanziert werden kann.“

Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste noch bis Ende August für 9 Euro pro Monat im ÖPNV durch ganz Deutschland fahren. Mit der dreimonatigen Aktion sollen Bürger entlastet werden. Zum anderen soll der Umstieg auf Busse und Bahnen attraktiver werden. (dpa/lwe)

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