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Als Oma-Au-pair in die Welt: Die neue Generation 50+

Ab nach Namibia

Als Oma-Au-pair in die Welt: Die neue Generation 50+

Au-pair mit Lebenserfahrung - warum eigentlich nicht?

Mit wenig Geld in ein fremdes Land reisen – diesen Wunsch verwirklichen sich viele junge Menschen als Au-pair. Doch für Frauen ab 50 muss dieser Traum nicht ausgeträumt sein. Michaela Hansen hat eine Au-pair Agentur für Frauen mit Lebenserfahrung gegründet. Sabine Seyfert aus Köln hat sich auf das Abenteuer Granny-Au-pair eingelassen – und hat spannende Erfahrungen gemacht.

Von Lauren Ramoser

"Oma als Au-pair für Familie in Kanada gesucht"

Immer sonntags hat Michaela Hansen auf dem heimischen Sofa die Vox-Sendung „Auf und davon“ verfolgt und sehnsüchtig die jungen Mädchen gesehen, die als Au-pair ins Ausland gehen.

Sie selbst hat mit 18 Jahren geheiratet, früh Kinder bekommen und danach studiert – Zeit für andere Dinge blieb da nicht. Jetzt sind die Kinder aus dem Haus, der Job ist sicher, warum also nicht jetzt ins Ausland?

Nachdem sie eine erste interessierte Familie gefunden hat, startete sie einen Aufruf in den Hamburger Medien: "Oma als Au-Pair für Familie in Kanada gesucht". Das Interesse war riesig und aus dieser ersten Vermittlung sind mittlerweile mehrere Tausend entstanden.

Interessierte Familien und "Grannys" können sich auf dem Portal durch eine Gebühr freischalten und dann wie beim Online-Dating miteinander in Kontakt treten. "Das sind erwachsene Menschen auf beiden Seiten", erklärt Hansen. "Wir vermitteln den Erstkontakt, aber ab dann sind Familie und Granny auf sich gestellt."

Granny in Namibia: 30 statt 3 Kinder

"Granny" Sabine Seyfert auf ungewöhnlicher Mission in einem Kindergarten in Namibia.
Sabine Seyfert (h.r.) hat für mehrere Wochen in einem Montessori-Kindergarten gearbeitet.
Sabine Seyfert

Auch die Au-pair-Geschichte von Sabine Seyfert aus Köln beginnt im Fernsehen, als sie Gründerin Michaela Hansen in einer Talkshow sieht. Als Au-pair-Oma ins Ausland gehen? Das klingt für die reisebegeisterte 57-Jährige nach genau dem richtigen Abenteuer – das wusste auch ihre Familie.

"Wieder typisch!, hat meine Familie gesagt", lacht Sabine. "Die haben mich nur gefragt, ob das so mit den ganzen Kindern das Richtige für mich ist."

Sie selbst hat keine eigenen Kinder und wollte als Granny in eine Familie mit zwei oder drei Kindern. Doch dann kam der Anruf von Michaela Hansen: Es sei kurzfristig ein Platz in einem Montessori Kindergarten in Namibia freigeworden. "Hätten Sie Zeit?"

Bereits zwei Wochen später sitzt Sabine Seyfert im Flieger nach Windhuk. "Angst vor dem fremden Land hatte ich nicht, aber ich hatte schon Sorge, ob ich das mit den vielen Kindern schaffe."

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Neue Erfahrungen im fremden Land

Die Erzieherinnen und "Granny"-Sabine sind als Team zusammen gewachsen.
Sabine Seyfert hat auch neben dem Arbeitsalltag in Windhuk viel Zeit mit ihren Kolleginnen verbracht.
Sabine Seyfert

Sabine Seyfert war nicht die erste "Granny" im Kindergarten - für die Erzieherinnen vor Ort also keine große Umstellung. Für die Deutsche war die Situation im Kindergaren zunächst aber ungewohnt.

"Ich hatte mich ja auf eine Familie mit zwei oder drei Kindern eingestellt", erzählt sie. "Und diese intensivere Erfahrung bei einer Familie Zuhause zu sein, das hat mir schon gefehlt."

Ihre Kolleginnen haben versucht, diese Erfahrung wettzumachen und Sabine auch zu sich eingeladen. "Da hatte ich großen Respekt vor, wenn die aus den Townships kamen und morgens schon wie aus dem Ei gepellt waren, obwohl sie zum Beispiel keinen Strom Zuhause haben.", erinnert sich die Kölnerin.

"Au-pairs" können maximal 28 Jahre alt sein

Sobald eine "Granny" länger als drei oder in manchen Ländern sechs Monate bei einer Familie bleiben möchte, wird es kompliziert. Denn es gibt zwar ein Au-pair-Visum, allerdings können das nur Frauen beantragen, die nicht älter als 26 Jahre alt sind.

„Die Au-pair-Regelungen sind aus den 1960er Jahren und damals konnte man sich das wohl nicht vorstellen, dass man jenseits der 30, geschweige denn der 60 oder 70 nochmal als Au-pair arbeiten will“, erklärt sich Michaela Hansen die Schwierigkeiten mit den Visa.

Eine Anfrage beim Auswärtigen Amt und der EU waren bisher ergebnislos. Hansen vermutet, dass der Wunsch nach einer Änderung noch nicht groß genug ist. Bis die Richtlinien verändert werden, müssen sich Grannys in Ländern wie den USA oder Australien mit einem dreimonatigen Touristenvisum begnügen.

Die neue Generation 50+

Die Generationen befinden sich im Wandel. Die 50- oder 60-Jährigen gehören heute zu den Best Ager-Frauen, die mitten im Leben stehen und dieses in vollen Zügen genießen wollen. Finanzielle Unabhängigkeit, Abenteuerlust und Freiheit geben zusammen die perfekte Mischung für eine lehrreiche Zeit im Ausland ab.

Davon profitieren nicht nur die Grannys, sondern auch Familien, die sich für ein Au-pair mit Lebenserfahrung entscheiden. Mit diesem Plus an Erfahrung, auch im Umgang mit Kindern, wirbt auch Michaela Hansens Agentur.

Aus eigener Erfahrung sieht Sabine Seyfert diesen Punkt als durchaus problematisch an. Im Video erklärt sie, warum das für sie und andere Grannys die größte Herausforderung ist und erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen in Namibia. Würde sie wieder als Granny Au-pair verreisen?