Was steckt dahinter?

Alles nur ein Mythos? Studie zeigt: Die allermeisten Wachstumsschmerzen sind gar keine

Mädchen erzählt Arzt von ihren Wachstumsschmerzen.
Wenn Kinder wachsen, kann das auch mal richtig weh tun. Oder nicht? Eine neue Studie zweifelt nun nämlich an, ob Wachstumsschmerzen tatsächlich existieren
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Wenn Kinder wachsen, kann das auch mal weh tun. Oder nicht? Eine neue Studie zeigt jetzt nämlich: Die allermeisten Wachstumsschmerzen sind gar keine.

Die Studienergebnisse sind "eigentlich besorgniserregend"

„Plötzlich auftretende Schmerzen in den Gliedmaßen sind ein typisches Anzeichen für Wachstumsschmerzen“, sagt Dr. Brigitte Dietz, Kinder- und Jugendärztin aus München, gegenüber der „Apotheken Umschau“. „Etwa 30 Prozent aller Kinder leiden immer mal wieder darunter.“ Betroffen seien vor allem Kinder zwischen vier und sechs Jahren.

Das klingt nach einer prägnanten Erklärung, was allgemein hin unter Wachstumsschmerzen zu verstehen ist – oder nicht? Doch ein Forscherteam aus Australien hat nun in einer neuen Studie gezeigt: Die allermeisten dieser Schmerzen sind gar keine Wachstumsschmerzen. Das Team rund um Professor Mary O’Keeffe und Steven Kamper untersuchte bis Januar 2021 insgesamt 145 Studien, die sich mit Wachstumsschmerzen befassen.

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„Was wir herausgefunden haben, ist eigentlich besorgniserregend“, sagt Studienautor Steven Kamper gegenüber der Fachzeitschrift „Pediatrics“. Denn dem Team ist aufgefallen: Die Definitionen von Wachstumsschmerzen gehen ziemlich weit auseinander! Die Definitionen seien sehr vage und widersprechen sich teilweise stark, so Kamper. Manche sagen, die Schmerzen treten im unteren Teil des Beines auf, die anderen sagen im oberen Teil. Manche sagen, die Schmerzen kommen von den Muskeln, andere sie kommen von den Knochen.

Und: „Nur sieben der in Studien erwähnten den Schmerz in Verbindung mit dem Wachstum“, sagt Kamper. Das seien weniger als zehn Prozent der Studien. 80 Prozent der Studien wiederum haben das Alter der Kinder überhaupt nicht berücksichtigt. Heißt: „Wir haben keine Ahnung, was Wachstumsschmerzen eigentlich sind, wie sie definiert werden oder wie sie behandelt werden sollten.“ Kamper sagt jetzt, dass man keine Krankheit diagnostizieren und behandeln sollte, die nicht fest definiert sei. Der nächste Schritt müsste demnach sein, ein Team aus Forschern und Mediziner zusammenzustellen, die untersuchen, inwiefern die Schmerzen mit dem Wachstum zusammenhängen. (jbü)

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