RTL News>Rtl Nord>

Aktivist Henning Jeschke klebte sich offenbar am Flugzeug fest: Verfahren am Amtsgericht Lübeck eingestellt

Aktivist vor dem Lübecker Amtsgericht

Er wollte sich mit Sekundenkleber am Flieger festkleben

Quelle: RTL Nord
Demonstranten haben sich am Montag vor dem Amtsgericht Lübeck eingefunden. Foto: RTL Nord
RTL Nord

Locker und gelassen marschiert Henning Jeschke am Montagmorgen in den Gerichtssaal. Er wird von seinen Anhängern mit einem Banner begrüßt und bejubelt. Der 22-Jährige muss sich vor dem Amtsgericht Lübeck wegen Nötigung verantworten: Er soll im August 2020 versucht haben, ein Flugzeug zu blockieren, indem er sich mit Sekundenkleber an der Maschine festkleben wollte. Henning Jeschke ist ein Aktivist der Gruppe "Extinction Rebellion" .

"Dieser Flughafen ist ein großes Unrecht!"

Mitten auf dem Flughafen
Im August 2020 protestierten die Anhänger gegen Kurzstreckenflüge.
DNF

Der 22-Jährige aus Greifswald räumt im Gerichtssaal selbst ein, dass er an der Aktion beteiligt war und rechtfertigt sein Verhalten wie folgt: „Unsere Ökosphäre wird gerade systematisch zerstört! Dieser Flughafen ist ein großes Unrecht. Es ist beschämend, Werbung dafür zu sehen, dass man einen kurzen Skiausflug mit dem Flieger für nur einen Tag machen kann.“ Mit der Aktion hätten er und die anderen Aktivisten von "Extinction Rebellion" gegen die Wiederaufnahme von Kurzstreckenflügen nach München und Stuttgart protestiert . Das Flug-Angebot sei extrem klimaschädlich und stehe im Widerspruch dazu, dass die Hansestadt Lübeck genau wie andere Städte im Bundesgebiet bereits im Mai 2019 den Klimanotstand ausgerufen haben, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Richter: "Auf mich wirkt es so, als würden Sie hier eine große Show machen!"

Der zuständige Amtsrichter Jörg Fricke forderte Henning Jeschke im Gericht auf, nicht zu weit auszuholen. „Auf mich wirkt es so, als würden sie hier eine große Show machen. Sie haben eine Straftat begangen, für die müssen Sie einstehen. So verlieren Sie die große Mehrheit. Sie wollen Klimaschutz haben – dann müssen Sie sich an Gesetze halten.“ Henning Jeschke hätte sich laut Richter an die Jugendgerichtshilfe wenden können, um den Prozess zu verhindern, aber das hätte der 22-Jährige gar nicht gewollt. Er habe bewusst die mediale Aufmerksamkeit gesucht, so die Jugendgerichtshilfe.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Flughafen Lübeck war in der Krise

Blick auf das Gelände eines Flughafens
Blick auf das Gelände des Flughafens Lübeck-Blankensee. Foto: Rainer Jensen/Archivbild
deutsche presse agentur

Als Militärflughafen wurde der Flughafen Lübeck am 6. August 1917 in Betrieb genommen - bis der zweite Weltkrieg begann: Blankensee wurde wieder Militärstandort, Torpedoflieger wurden erneut ausgebildet, Kampfeinsätze mit Düsenfliegern geflogen. Später war der Militärflughafen dann schnell Geschichte und Lübeck versuchte sich stattdessen an der Ferienfliegerei. Die Stadt pumpte Millionen in den Airport, Passagiere blieben aber aus, Investoren sprangen ab. Es folgten zwei Insolvenzen. 2016 ist es dann der umstrittene Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker, der den Pleiteflughafen aus der Krise holen will. Ein Plan, den die Klimaschützer im August 2020 mit Sekundenkleber verhindern wollten.

Kein Urteil gegen den Aktivisten

"Ich bin ein wenig traurig darüber, dass das Gericht sich nicht damit befasst hat, dass wir einen Klimanotstand haben", so Aktivist Henning Jeschke nach dem Prozess in Lübeck.
"Ich bin ein wenig traurig darüber, dass das Gericht sich nicht damit befasst hat, dass wir einen Klimanotstand haben", so Aktivist Henning Jeschke nach dem Prozess in Lübeck.
RTL Nord

Das Verfahren wurde am Montag komplett eingestellt. Normalerweise hätte es erzieherische Maßnahmen gegeben, erklärt ein Sprecher der Jugendgerichtshilfe. Da Henning Jeschke die Aktion aber bewusst geplant hat und solche aus Überzeugung auch immer wiederholen würde, würden diese zu keinem Erfolg führen, so der Sprecher weiter. Daher werde in diesem Fall darauf verzichtet. (dpa/fst/kst)