Afghanistan: Wichtiges Taliban-Mitglied ermordet?

Machtkampf bei den Taliban: Führung offenbar heftig aneinandergeraten

15. September 2021 - 23:07 Uhr

Erbitterter Machtkampf in der Taliban-Führung

Nach der Machtübernahme in Afghanistan herrscht innerhalb der Führung der Taliban offenbar ein erbitterter Machtkampf. Hinter den Kulissen soll es zu heftigen Szenen gekommen sein. Sogar über die Ermordung eines wichtigen Führungsmitglieds wird spekuliert.

Gerüchte über Tod von Mullah Baradar

Mullah Baradar, Führer des als vergleichsweise moderat geltenden Flügels, sei möglicherweise bei einer Schießerei mit konkurrierenden Anhängern innerhalb der Taliban getötet worden, so manches Gerücht aus Afghanistan. Gerüchte, die die Taliban entschieden dementieren. Diese seien "unbegründet und nicht wahr", erklärte Taliban-Sprecher Suhail Schahin.

Als vermeintlichen Beweis für das Wohlergehen Baradars veröffentlichte die radikal-islamische Gruppe kürzlich eine Audiobotschaft, in der dieser erklärt, er befinde sich "auf einer Reise außerhalb Kabuls und es geht mir gut, Gott sei Dank." Wann und wo die Aufnahme entstanden ist, ist allerdings unklar.

FILE PHOTO: Mullah Abdul Ghani Baradar, the Taliban's deputy leader and negotiator, and other delegation members attend the Afghan peace conference in Moscow, Russia March 18, 2021. Alexander Zemlianichenko/Pool via REUTERS/File Photo/File Photo
Mullah Baradar hat den Machtkampf bei den Taliban offenbar verloren.
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Taliban: Anführer sollen sich mit Thermoskannen beworfen haben

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Afghanistan, Taliban in Kandahar 210902 -- KANDAHAR, Sept. 2, 2021 -- Taliban members are seen on a military vehicle on the street in Kandahar city, southern Afghanistan, Sept. 1, 2021. Photo by /Xinhua AFGHANISTAN-KANDAHAR-TALIBAN SanaullahxSeaim PU
© imago images/Xinhua, Sanaullah Seaim via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Tatsächlich spricht nicht viel für die Gerüchte, dass der Konflikt hinter den Kulissen wirklich so sehr eskaliert ist, dass es zu Waffengewalt und Toten unter den Führern der Gruppierung kam. In Afghanistan ist es nach wie vor vergleichsweise ruhig. Gefechte wie sie nach dem Tod eines Gruppenführers wahrscheinlich wären, blieben bislang aus.

Und doch gilt die Stimmung im inneren Führungszirkel der Taliban als äußerst angespannt. Der "Spiegel" berichtet, dass es in den internen Verhandlungsrunden zu "massiven Auseinandersetzungen" gekommen sei. In einem Streit hätten sich demnach mehrere der konkurrierenden Anführer mit Thermoskannen beworfen.

Afghanistan: Radikale Kräfte gewinnen Machtkampf

Dass Baradar den Machtkampf innerhalb der Taliban-Führung verloren hat, wurde bereits in den letzten Tagen deutlich. Zum einen wurde der Chefdiplomat der Taliban nicht zum neuen Regierungschef ernannt – anders als viele Beobachter angenommen hatten. Stattdessen musste Baradar sich mit dem Posten des Vizepremiers zufriedengeben.

Darüber hinaus konnte sich der eher moderate Baradar mit seinem Kurs intern offenbar überhaupt nicht durchsetzen, das wurde bei der Vorstellung des neuen Kabinetts Afghanistans deutlich. Die neue Führung des Landes setzt sich ausschließlich aus Paschtunen zusammen, andere Kräfte oder gar eine Frau sucht man unter den Regierungsvertretern vergebens.

Die führende Kraft innerhalb der Taliban ist somit nun sehr wahrscheinlich das deutlich radikalere Haqqani-Netzwerk. Der Fraktion werden sehr gute Verbindungen nach Pakistan nachgesagt, zudem soll ein Großteil der Taliban-Kämpfer dem Haqqani-Netzwerk folgen. (jda)