Mehr Rechte für Adoptivkinder mit dem neuen Adoptionshilfegesetz

"Ich wusste nicht, dass ich adoptiert bin" - ein Betroffener erzählt

03. April 2021 - 10:16 Uhr

"Meine Eltern wussten nicht, wie sie es mir sagen sollen"

Jan Klein war sechs, als ihn die Kinder in seiner Schule begannen zu hänseln. "Heimkind" riefen sie. Als er mit seinen Eltern darüber sprach, erzählten sie ihm die Wahrheit: sie hatten Jan adoptiert als Baby er ein Baby war. Die späte Offenbarung war ein Schock für den Sechsjährigen: "Da ist für mich eine heile Welt zusammengebrochen. Dieser Vertrauensbruch, den man selber empfindet, dass man hart gesagt, sich anfühlt, als wenn man jahrelang belogen worden ist", beschreibt der heute 40jährige im RTL-Interview. Es dauerte Jahre, bis er dieses Trauma überwunden hatte. Heute bietet er anderen Betroffenen Hilfe an.

Über seine Geschichte berichtet Jan Klein im Video.

Neues Adoptionshilfegesetz soll die Rechte von Adoptivkindern stärken

Jan ist sich sicher: Hätten ihm seine Eltern von Anfang an gesagt, dass er adoptiert ist, wäre ihm viel Unsicherheit in seinem späteren Leben erspart geblieben. Trotzdem hat er Verständnis für seine Adoptiveltern, die er nach wie vor sehr liebt und zu denen er ein gutes Verhältnis hat, wie er sagt. Schließlich hatten auch sie vorher noch keine Erfahrung mit Adoptionen gemacht: "Meine Eltern haben nicht gewusst, wie sie mir das rüberbringen sollten", sagt Jan.

Das neue Adoptionshilfegesetz, das seit dem 1. April in Kraft ist, will Familien vor und nach der Adoption bessere Beratungen geben und die Familien unterstützen, auch den Kontakt mit den leiblichen Eltern zu fördern.

Wie die Rechte von Adoptivkindern durch das Gesetzt gestärkt werden sollen, erklärt die zuständige Ministerin Franziska Giffey im Video.

Verbot von unbegleiteten Auslandsadoptionen

Mit dem neuen Gesetz sollen erstmals unbegleitete Auslandsadoptionen verboten werden. Damit soll internationalem Kinderhandel vorgebeugt werden. Erik Baus vom Bundesverband anerkannter Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft e.V., bezeichnet das als einen ganz positiven Aspekt des neuen Gesetzes. Unbegleitete Auslandsadoptionen waren bisher noch mit Unsicherheiten verbunden. "Wird er geschmiert? Ist das Kind wirklich verlassen? Sind die Bewerber wirklich für dieses Kind geeignet? Dass diese Dinge jetzt tatsächlich endlich im deutschen Gesetz auch ausdrücklich untersagt sind."

Baus, der selber im Gesetzgebungsprozess als Experte angehört wurde, kritisiert das Gesetz trotzdem. Mehr Betreuung sei mit mehr Bürokratie verbunden, erfordere zudem mehr Personal. Doch die Mittel für mehr Personal wurden mit dem Gesetz nicht bereit gestellt. Dafür seien die Länder zuständig, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Video.