Von Muttermilch zu normaler Nahrung

Abstillen: Wie Sie Ihr Baby am besten von der Brust entwöhnen

5. Februar 2019 - 14:57 Uhr

Gründe für das Abstillen

Stillen ist eine sehr intime und wunderschöne Art, sein Baby zu ernähren. Doch irgendwann ist die Stillzeit vorbei und das Baby wechselt zu anderer Nahrung. Wie lang eine Frau stillt, ist dabei von Baby zu Baby und von Mutter zu Mutter unterschiedlich. Dann muss abgestillt werden. Aber wie funktioniert das Abstillen eigentlich richtig?

Die Gründe für das Abstillen sind vielfältig. Es kann sein, dass das Baby selbst nicht mehr gestillt werden möchte, mehr Hunger hat und die Muttermilch nur noch als Zusatzkost möchte. Es kann auch andere zwingende Gründe geben, das Kind von der Brust zu entwöhnen. So kann zum Beispiel die berufliche Situation ein Abstillen notwendig machen. Auch ernsthafte Erkrankungen und Medikamenteneinnahme können der Grund für die Entscheidung sein, die Stillzeit zu beenden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen?

Einen "richtigen" Zeitpunkt zum Abstillen gibt es nicht. Zwar raten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Nationale Stillkommission, ein Baby mindestens sechs Monate voll zu stillen und es dann langsam an Gemüse- und Obstbrei zu gewöhnen, doch ist letztendlich das Gefühl der Mutter und des Babys entscheidend. Keine Frau sollte sich rechtfertigen müssen, wenn sie sich entscheidet mit dem Stillen aufzuhören.

Langzeitstillen, ist das normal?

Wer in Deutschland länger als ein halbes Jahr sein Baby stillt, wird schnell schräg beäugt. Menschen hierzulande finden das Stillen von Kleinkindern "nicht normal". Doch sprechen sogar medizinische Gründe für ein langes Stillen. Das Brustkrebsrisiko und Eierstockkrebsrisiko der Mutter nimmt mit der Dauer des Stillens immer mehr ab. Auch ihr Osteoporose-Risiko sinkt durch langes Stillen.

Studien haben zudem bewiesen, dass Kinder, die länger als sechs Monate gestillt wurden, später weniger an Diabetes und an Mittelohrentzündungen leiden. Es gibt also viele Argumente, mit dem Abstillen auch länger als sechs Monate zu warten.

So klappt das Abstillen

Müttern fällt der Abschied vom Stillen nicht immer leicht. Manchmal empfinden sie diesen Abschied sogar als traurig. Das ist normal und nicht merkwürdig. Immerhin haben Mutter und Kind diese Art des einzigartigen Miteinanders stark verbunden. Nur allein durch die Mutter konnte das Kind existieren - ein unbeschreibliches Gefühl, das durch das Abstillen beendet wird.

Wenn es klar ist, dass kein weiteres Kind kommen wird oder die Stillbeziehung unfreiwillig beendet wird, kann der erste Schritt des Babys in die Unabhängigkeit ein schwerer Prozess werden. Wir erklären, wie das Abstillen sanft geschehen kann.

Natürlich Abstillen

Bei der einfachsten Art des Abstillens entscheidet das Kind, wann der Zeitpunkt gekommen ist: Es stillt sich sozusagen selbst ab. Das kann nach fünf Monaten sein oder nach drei Jahren. Es verliert immer mehr die Lust und die Milchproduktion wird sich nach der sinkenden Nachfrage richten und langsam zurückgehen. Meist dauert das natürliche Abstillen einige Wochen.

Sanftes Abstillen

Ähnlich wie beim natürlichen Abstillen wird das Kind langsam an immer weniger "Brust" und Muttermilch gewöhnt. Nur bestimmt hier nicht das Kind, sondern die Mutter die Länge der Stillzeit und somit den Zeitpunkt der Entwöhnung. Je mehr Zeit Sie sich geben, desto unkomplizierter wird es sein, bis das Kind ganz entwöhnt ist. Genauso wie beim natürlichen Abstillen wird die Milchproduktion langsam reduziert. Überschüssige Milch wird vom Körper resorbiert und der Verdauungstrakt des Kindes kann sich ganz allmählich auf die neue Nahrung umstellen.

Bei dieser sanften Methode ist es am einfachsten, die Mittags- oder Nachmittag-Mahlzeit langsam durch Beikost zu ersetzen. Ist das Baby noch klein, hat es genügend Zeit, die neue Nahrung zu verdauen und wird nicht durch Blähungen in der Nacht wachgehalten. Wenn Sie über mehrere Wochen hinweg das Baby an eine neue Mahlzeit gewöhnen, ist der Weg frei, weitere Mahlzeiten zu ersetzen. Hat sich das Baby daran gewöhnt, kann die Mutter frei entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt ist, ganz auf das Stillen zu verzichten.

Schnelles Abstillen

Wenn abrupt abgestillt werden muss, sind Nebenwirkungen meist unvermeidlich. Doch gibt es immer wieder zwingende Gründe, die ein schnelles oder sofortiges Abstillen notwendig machen, beispielsweise weil die Mutter länger Medikamente einnehmen muss oder sie eine ernsthafte Krankheit hat.

Das Baby benötigt jetzt besonders viel Zuwendung und Körperkontakt. Vielleicht kann der Vater beim Füttern unterstützen oder Freiraum schaffen, damit sich die Mutter dem verunsicherten Baby widmen kann.

Abstillen: Probleme und Hilfsmittel

Baby wird von seiner Mutter an der Brust gestillt und schaut mit großen Augen in die Kamera
Abstillen: Probleme und Hilfsmittel
© iStockphoto, NataliaDeriabina

Beim Abstillen kann die Frau mit unterschiedlichen Hürden konfrontiert werden. Für mögliche Probleme finden Sie hier Lösungen und passende Hilfsmittel.

Milchstau und Brustentzündung

Besonders wenn schnell abgestillt wird, sind Probleme wie Milchstau und Brustentzündungen möglich. Enge BHs unterstützen während der Zeit des Abstillens. Vorbeugend können Sie mit Kühlkompressen aus der Apotheke die Brust kühlen. Auch Quarkkompressen können bei einer gestauten und entzündeten Brust wahre Wunder bewirken.

Massagen helfen, Milchstaus zu verhindern. Ist der Druck zu groß, hilft es sich hinzuknien und die Brust langsam nach unten auszustreichen, so kann etwas Milch abfließen. Wenn gar nichts mehr hilft und die Milch zu sehr drückt, lieber ein bisschen abpumpen. Aber nicht zu viel, denn pumpt man die Brust leer, wird ordentlich nachproduziert.

Schmerzt die Brust zu sehr oder bekommt die Mutter gar Fieber, muss sofort der Arzt aufgesucht werden. Um einem Milchstau vorzubeugen, kann man auch nach dem Abstillen des Kindes weiter Milch abpumpen - allmählich immer weniger. Diese Milch sollte aber nicht mehr verwendet werden.

Hilfsmittel Medikament

Es gibt auch Medikamente, die beim Abstillen helfen. Sie verhindern die Bildung des Stillhormons Prolaktin und damit die Milchbildung. In den USA wurden diese Mittel schon verboten, da sie als umstritten gelten und bei vielen Frauen starke Kreislaufbeschwerden verursacht haben.

Es gibt jedoch auch homöopathische und Naturheilmittel, die beim Abstillen helfen. Mittel mit dem Wirkstoff der Kermesbeere (Phytolacca decandra) verringern zum Beispiel die Milchbildung. Nach dem Abstillen Tee zu trinken, wird ebenfalls von Hebammen empfohlen. Und dabei ist nicht irgendein Tee, sondern abstillender Pfefferminz- und Salbeitee gemeint.