Dortmund wacht spät auf - grenzenloser Jubel in Stuttgart

Abstiegs-Drama in letzter Sekunde: Auch Haaland rettet den VfB - Hertha muss in die Relegation

Erling Haaland traf in seinem letzten Spiel im BVB-Dress - und verhalf damit auch dem VfB Stuttgart zum Klassenerhalt
Erling Haaland traf in seinem letzten Spiel im BVB-Dress - und verhalf damit auch dem VfB Stuttgart zum Klassenerhalt
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14. Mai 2022 - 20:54 Uhr

Dieser letzte Bundesliga-Spieltag war der reine WAHNSINN! Kurz vor Schluss hat sich der VfB Stuttgart doch noch auf Platz 15 gerettet und bleibt auch in der kommenden Saison erstklassig. Matchwinner war Endo mit seinem 2:1-Siegtreffer gegen Köln in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Bedanken können sich die Schwaben auch beim BVB, der dank einer Leistungssteigerung gegen Hertha BSC mit 2:1 gewann. Haaland in seinem letzten BVB-Spiel sowie Joker Moukoko trafen für die Schwarz-Gelben, die die Berliner damit auf den Relegationsplatz ballerten.

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Dortmund musste erst mal alle Abschiede verdauen

Felix Magath und Hertha BSC müssen für die Rettung vor dem Bundesliga-Abstieg in die Strafrunde. Der Meistertrainer verlor mit den Berlinern zum Saisonfinale bei Borussia Dortmund 1:2 (1:0), Hertha rutschte dadurch noch hinter den VfB Stuttgart, der in der Nachspielzeit gegen den 1. FC Köln gewann (2:1), auf den 16. Tabellenplatz ab. Am 19. und 23. Mai geht es für die Berliner um den Klassenerhalt am Ende einer missratenen Chaos-Saison.

Ishak Belfodil (19.) störte mit seinem Foulelfmeter zunächst die harmonische Dortmunder Abschiedsparty. Der BVB ging das Spiel vor 81.365 Zuschauern als lauen Sommerkick an, raffte sich aber in der zweiten Halbzeit auf. Erling Haaland gelang der Ausgleich in seinem letzten Spiel für den BVB per Handelfmeter (68.), Youssoufa Moukoko (84.) erzielte das 2:1.

Kurz vor dem Anpfiff hätten alle Dortmunder eigentlich heimgehen können - es ließ sich angesichts der emotionalen Abschiede wunderbar vergessen, dass noch ein Fußballspiel stattfindet. Die Südtribüne zeigte eine riesige Choreographie zu Ehren von Sportdirektor Michael Zorc, der nach 44 Jahren im Verein, 20 als Spieler und 24 im Management, stürmisch gefeiert wurde - wie auch der langjährige Spieler Marcel Schmelzer nach 17 Jahren.

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Haaland bekam einen freundlichen Sonderapplaus vor dem Wechsel zu Manchester City, und auch die Aufstellung war eine besondere: Roman Bürki im Tor und Dan-Axel Zagadou oder Axel Witsel in der Innenverteidigung durften ein letztes Mal für den BVB spielen.

Doch, Moment: Zumindest für die Hertha ging es um einiges! Rauchschwaden zogen durch den blau-weißen Gästeblock, Böller explodierten, als die Berliner den letzten Schritt zur erhofften Rettung in Angriff nahmen. Ein Ohr war immer in Stuttgart, denn erst eine VfB-Führung würde die Hertha in Gefahr bringen. Sie kam schnell - doch sofort folgte in Dortmund der Hertha-Elfmeter nach Videobeweis. Belfodil verwandelte sicher.

Der BVB war in der Pflicht, selbst offensiver zu werden, um sich nichts vorwerfen lassen zu können - er hatte allerdings in der ersten halben Stunde keine Torchance. Viele Unkonzentriertheiten und schlampige Pässe verhinderten ein geordnetes Spielen in die Tiefe. Zur Halbzeit gab es Pfiffe.

Zudem standen die Berliner gut, sie gingen mit Wucht in die Zweikämpfe. Ihr Torhüter Marcel Lotka, um den sich Hertha und der BVB ein kurioses Tauziehen liefern, bekam wenig zu tun, bis sich ein langer Ball gen Winkel senkte und Lotka bei der Abwehr gegen den Pfosten prallte (45.+2).

Später, als der BVB sich zu etwas mehr Leidenschaft entschieden hatte, rettete Lotka gegen den heranstürmenden Marco Reus (51.). Hertha versuchte, sich über die Ziellinie zu schleppen, Plattenhardts Handspiel brachte noch einmal die Spannung zurück.

Magath sieht noch keinen Worst Case

"Die Jungs sind total fertig und aufgearbeitet", sagte Herthas Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic nach der bitteren Pleite: "Sie müssen jetzt den Glauben haben, es in diesen zwei Spielen zu reißen."

Die Mannschaft müsse sich unbedingt "aufbauen für Donnerstag", forderte Bobic - dann empfangen die Berliner im Olympiastadion schon den Tabellendritten der 2. Liga zum Hinspiel. Wer der Gegner ist, erfährt die Hertha erst am Sonntag beim Zweitliga-Saisonfinale vor dem Fernseher. Im Rückspiel am 23. Mai (beide 20.30 Uhr) hat der Zweitligist Heimrecht.

"Jetzt haben wir zweimal die Chance zu zeigen, dass wir ein Erstligist sind", sagte Trainer Felix Magath. "Ich kann mich jetzt aufregen oder das einfach abhaken - zu Letzterem neige ich. Das ist nicht der Worst Case, sondern wir haben ja von Platz 17 aus den direkten Abstieg vermeiden können." (sid/mli)