EU-Verordnung beunruhigt Tattoo-Szene

Keine bunten Tattos mehr: Neues Gesetz ab Januar 2022

Aus für bunte Tattoos?
Aus für bunte Tattoos?
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30. November 2021 - 12:32 Uhr

Kaum noch legale Tattoo-Farben ab dem Jahreswechsel 2022?

Keine bunten Tattoos mehr! Das wird für die Tattoobranche ab dem 4. Januar 2022 bittere Realität. Auf fast allen Farbpackungen für Tatöwierungen steht, dass die Farben nur noch in diesem Jahr genutzt werden dürfen – danach nicht mehr. Die EU-Chemikalienverordnung REACH besagt, dass zwei wichtige Farbpigmente im Verdacht stehen, gesundheitsschädlich und krebserregend zu sein. Letztendlich sollen Anfang nächsten Jahres also rund zwei Drittel weniger Farben zulässig sein. Was das für die Tattoobranche bedeutet.

Chef des Bundesverbandes Tattoo kritisiert fehlende wissenschaftliche Grundlage

Die beiden betroffenen Pigmente "Blau 15" und "Grün 7" seien bereits für die Verwendung in Haarfärbemitteln verboten, heißt es in einem Statement des Bundesinstituts für Risikobewertung (BFR) auf dpa-Nachfrage. Weil Tattoo-Farben von der EU als Kosmetikprodukte gewertet werden, betrifft das Verbot nun auch Tattoofärbemittel.

Für eine tatsächliche Risikobewertung der Pigmente in Tattoofarben mangele es bislang jedoch noch an aussagekräftigen Studiendaten, sagt Urban Slamal, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Tattoo, im Gespräch mit RTL. "Man hat sich einfach überlegt, dass das, was auf die Haut nicht draufgehört, also als Inhaltsstoff für Kosmetika verboten ist, auch in der Haut nichts zu suchen hat. Das ist allerdings alles andere als zwingend", kritisiert der Tattoo-Experte. Für die Tätowierer und Fans bunter Tattoo sieht die Situation schlecht aus: "Im Augenblick ist es tatsächlich so, dass praktisch keine einzige auf dem Markt befindliche Tattoo-Farbe – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – diese Kriterien erfüllen würde", erklärt Urban Slamal. Eine weitere Rolle spielt auch die Tatsache, dass die Hersteller von Tattoo-Farben aktuell keinen Ersatz bieten können. "Das heißt, es gibt im Grunde ab dem Jahreswechsel 2022 für die deutschen und die europäischen Tattoostudios so gut wie keine legalen Farben mehr."

Welche Auswirkungen das Verbot auf die Tattooszene haben wird, wird sich also noch zeigen. All diejenigen, die sich ein schwarzes Motiv auf der Haut verewigen lassen wollen, sollten dies auch weiterhin ohne Probleme tun können. Aber all die Tattoofans, die es bunt mögen, müssen sich vermutlich gedulden, bis neue, weniger schädliche Farben vorhanden sind. (dpa/dhe/vdü)

Lese-Tipp: 9 von 10 Tattoofarben erfüllen nicht alle gesetzlichen Bestimmungen!