Dutzende Frauen verklagen Pornhub!

Leigh Nicols (25) wurde gehackt - jetzt ist ihr Sex-Video bei Pornhub zu finden

Leigh Nicol ist eine der betroffenen Frauen, die gegen Pornhub vor Gericht ziehen.
Leigh Nicol ist eine der betroffenen Frauen, die gegen Pornhub vor Gericht ziehen.
© MI News/NurPhoto, MI News

19. Juni 2021 - 10:00 Uhr

Auch private Sex-Videos im Internet zu finden

Seit Jahren steht "Pornhub" wegen sexueller Ausbeutung in der Kritik. Die Sex-Plattform wirbt mit Hunderttausenden Clips, die schnelle Lust versprechen, verschweigt aber undurchsichtige Umstände beim Drehen und Hochladen der Videos. Jetzt ziehen mehr als 30 Frauen gemeinsam gegen den Porno-Riesen in den USA vor Gericht. Sie beschuldigen den Mutterkonzern MindGeek, Sexvideos ohne die Zustimmung der Betroffenen veröffentlicht zu haben. Eine der Klägerinnen ist Leigh Nicols – die junge Frau schildert eindrucksvoll, was sie seit einem Hacker-Angriff erleidet.

Anwalt: Zeit für eine Abrechnung mit der Pornoindustrie

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Seit Jahren steht „Pornhub“ wegen sexueller Ausbeutung in der Kritik.
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Die insgesamt 34 Frauen klagen auf Schadensersatz, sagte Anwalt Michael Bowe dem britischen Portal "Sky News". Im Erfolgsfall könnte sich die Summe auf "Hunderte Millionen Dollar" belaufen. Es sei der richtige Moment für eine "Abrechnung mit der Pornoindustrie", so ehemalige Anwalt von US-Präsident Donald Trump. 14 betroffene Frauen gaben an, auf den Videos minderjährig gewesen zu sein. Weitere 14 seien Opfer von sexueller Gewalt gewesen, schreibt "Sky News".

Für Bowe ist der Fall größer und ernster als die "MeToo"-Bewegung. Es sei eine Handvoll Männer, die mit der Ausbeutung von Hunderttausenden Frauen viel Geld macht. "Du kommst damit durch, bis nicht die Augen der Welt auf dich gerichtet sind", warnt der Anwalt.

Privates Sex-Video im Internet: Leigh Nicols iCloud sei gehackt worden

Eine der betroffenen Frauen ist Leigh Nicol aus Schottland. Vor einiger Zeit sei die iCloud der 25-jährigen Profifußballerin von Englands Zweitligist Crystal Palace gehackt worden. Fremde hätten plötzlich Zugriff auf alle ihre Bilder und Videos gehabt, der reinste Horror! Darunter sei auch ein Sex-Video der damals 18-Jährigen gewesen.

Kurz nach dem Hackerangriff tauchte es auf den Plattformen von MindGeek auf, erzählt sie. "Mir wird noch immer schlecht, wenn ich mich im Spiegel anschaue und an das Video denke", so Nicol. "Viele Menschen haben etwas gesehen, was sie niemals hätten sehen dürfen." Sie empfindet Scham und Ekel, wenn sie das Video sieht. "Ich habe das Gefühl, dass niemals jemand mein Ehemann werden möchte, weil dieses Video an mir hängt", sagt die 25-jährige Fußballspielerin.

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Video tauchte immer wieder auf Pornoseiten auf

Vorwürfe gegen Pornhub und Co.
Das Unternehmen MindGeek, mit Sitz in Luxemburg, habe auf Anfrage versprochen, den Fall zu untersuchen.
© deutsche presse agentur

Nicol behauptet, sie hätte wiederholt versucht, das Video von Pornhub entfernen zu lassen. Doch kurz nach der Löschung tauche es auf irgendeiner anderen Plattform oder bei Pornhub selbst erneut auf. "Das ist nicht legal. Ich habe das nicht veröffentlicht und bin trotzdem auf einer der größten Website für Erwachsene unter den Trends zu finden. Wie kann das sein?", fragt sie.

Das Unternehmen MindGeek, mit Sitz in Luxemburg, habe auf Anfrage versprochen, den Fall zu untersuchen. "Pornhub toleriert keine illegalen Inhalte und untersucht jede Beschwerde oder Anschuldigungen zu Inhalten unf unseren Plattformen", teilte das Unternehmen mit. Weiter heißt es, man habe umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen, die Uploads von nicht verifizierten Videos zu verhindern.

Mindgeek hat ein Porno-Monopol aufgebaut

Der Umgang mit Pornografie im Netz ist besonders komplex, auch wegen kaum durchsichtiger Firmenstrukturen. Pornhub hat über 1.000 Mitarbeiter und zieht mit Dutzenden ähnlichen Angeboten täglich Millionen Klicks an.

Mindgeek betreibt dabei aber nicht nur Seiten wie Pornhub oder YouPorn, die wie Youtube als Katalog funktionieren, und wo die Videos oft illegal und ohne geklärte Rechte hochgeladen werden. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren immer mehr in Finanznot geratene Produktionsstudios und deren Internetseiten aufgekauft. So kann es passieren, dass ein Video gleich auf mehreren Plattformen zu finden ist. "Es ist, als gehöre Warner Brothers auch Pirate Bay", beschreibt die Medienseite "Slate" das Modell, bei dem sich ein Hersteller nicht wegen Piraterie sorgt, weil er auch mit dieser Verwertungsform gut verdient.

Am Ende, so die Kritik, litten vor allem die Darsteller, weil ihre Gagen kleiner ausfielen und sie es sich schlicht nicht leisten könnten, sich öffentlich über den Monopolisten und Arbeitsbedingungen zu beschweren. (mor)

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