Am 24. März 2016 schlug sein Herz zum letzten MalZehn Jahre ohne Roger Cicero – doch seine Stimme bleibt für immer!

Roger Cicero vertrat Deutschland beim ESC 2007
Ein Bild für die Ewigkeit: Roger Cicero vertrat Deutschland beim ESC 2007
picture-alliance/ dpa | Jörg Carstensen

Seine Musik lebt weiter.
Der Tod von Roger Cicero (†45) kam plötzlich und unerwartet. Vor zehn Jahren erlag der Jazzsänger einem Hirninfarkt. Er hinterließ einen damals siebenjährigen Sohn, seine Lebensgefährtin Kathrin und Millionen trauernder Fans. Der Jazzsänger hatte eine besondere Aura, die ich erst als ESC-Bloggerin und später auch bei Konzertbesuchen einige Male erleben durfte.

Roger Cicero: Die samtige Jazzstimme verstummt

„Und als einer von Millionen, steh ich hier und schau nach oben. Frag mich, wo du gerade bist und wie es da wohl ist“, sang Roger Cicero 2011 in seinem Song „In diesem Moment“. Ein Song, der nach seinem Tod so häufig gespielt wurde wie kein zweiter.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich hörte, dass Roger Cicero nicht mehr lebt. Wir saßen im Büro, es war um die Mittagszeit, ein Kollege kam zum Spätdienst herein und sagte diesen Satz, der mich erstarren ließ: „Und jetzt ist auch noch Roger Cicero tot.“ Ich glaubte zunächst an einen schlechten Scherz. Doch es war die Wahrheit, wie verschiedene Portale online meldeten. Draußen strahlte die Sonne vom Himmel, in mir erfror etwas und ich versuchte, die Tränen zurückzuhalten.

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Schon Ende November 2015 musste seine Tournee abgesagt werden. Wegen akuter Erschöpfung mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung. Am 29. März 2016, fünf Tage nach seinem Tod, gab das Management auf der Facebook-Seite bekannt: „Einen Tag nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen traten plötzlich akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarktes auf. Im Krankenhaus verschlechterte sich sein Zustand rapide. Roger Cicero verstarb am Abend des 24. März im Kreise seiner Lieben ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben.“

Roger Cicero beim ESC in Helsinki

Ich möchte nicht behaupten, Roger Cicero nahegestanden zu haben. Doch ich habe die vielleicht außergewöhnlichsten zehn Tage zu Beginn seiner Karriere in Helsinki 2007 mit ihm erlebt. Ein paar Freunde und ich führten eine Art Blog über die Proben, Partys und Pressekonferenzen des Eurovision Song Contests. Vom NDR erhielten wir dafür Akkreditierungen. Cicero gewann relativ überraschend den deutschen Vorentscheid gegen Monrose und Heinz-Rudolf Kunze. Ausgerechnet am 8. März, dem Weltfrauentag, sang er seinen ESC-Song „Frauen regier’n die Welt“ und löste damit das Ticket nach Finnland. Sein Stern am Musikhimmel war erst ein knappes Jahr zuvor aufgegangen. Die Teilnahme beim Eurovision Song Contest, mit teils bis zu 200 Millionen Menschen an den Bildschirmen, eine riesige Chance.

Roger Cicero ist im Alter von 45 Jahren verstorben
Roger Cicero starb am 24. März 2016
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Anfang Mai 2007 ging es nach Helsinki. Pressezentrum, Halle, Euroclub wurden (für meine Mit-Blogger und mich) zum zweiten Zuhause. Der finnische Sender YLE hatte alles perfekt organisiert. Nach den beiden Einzelproben im Abstand weniger Tage gab es jeweils eine Pressekonferenz. Hier zeigte sich Roger Cicero weltoffen, charmant, beantwortete alle Fragen geduldig in perfektem Englisch und ließ unzählige Fotos von sich machen. Und hier hatten wir auch die Möglichkeit, nach der Pressekonferenz mit „unserem“ deutschen Vertreter ins Gespräch zu kommen. Er stand so vor uns, wie er in Helsinki auf die Bühne ging: weißer Anzug, weißer Hut. Strahlte uns an. Dieses Bild werde ich niemals vergessen.

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Für seinen ESC-Song wurde er zum „Pascha des Monats” gewählt

Während sich deutsche Teilnehmer anderer Jahre komplett abschirmen ließen, war bei ihm keine Rede davon. Er wollte wissen, was wir von seinem Auftritt in der Probe hielten; war ehrlich interessiert an unserer Meinung. Beim traditionellen Botschaftsempfang gab er ein kleines Konzert und freute sich über alle Gäste, die der Einladung gefolgt waren. In der ganzen Zeit vor Ort, die für die Künstler anstrengend ist und wenig Schlaf bedeutet, verlor er nie seine Entspanntheit. Auch wenn das deutsche Ergebnis uns eher traurig machte (nur der 19. Platz), war es für ihn ein Erfolg, denn in den nächsten Jahren verschwand er nicht etwa in der Versenkung. Man unterschätzt es oft: Ein Auftritt vor der ganzen Welt pusht immens und er bleibt für immer Teil der ESC-Familie.

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Das Frauenmagazin „Emma” verlieh ihm für seinen ESC-Song übrigens den Preis „Pascha des Monats”. Dabei sang er ein Loblied auf Frauen und was Männer alles machen, um ihre Angebetete zu erobern. In der Vorentscheidung in Hamburg hatte er den Titel komplett auf Deutsch präsentiert, für Helsinki gab es auch eine englische Version. Im Finale sang er den Titel zunächst auf Deutsch, wechselte in den letzten 45 Sekunden zu Englisch. Damit riss er buchstäblich alle von den Stühlen. Für lange Zeit das letzte Mal, dass Deutschland auf Deutsch sang – bis 2025 Abor&Tynna mit „Baller” nach Basel fuhren.

Sein Vater starb ebenfalls nach einem Hirninfarkt

Nach Helsinki bildete sich eine Fan-Community, die gemeinsam seine Konzerte besuchte. Eine Weile war ich Teil davon, doch man verändert sich ja mit den Jahren. Und denkt, dass man einfach zur nächsten Tour gehen kann. Falsch gedacht. Neben seinem viel zu frühen Tod machte seine Sache nachdenklich: Roger Ciceros Vater, der Jazzpianist Eugen Cicero, starb im Dezember 1997 mit nur 57 Jahren. Vater und Sohn erlitten beide einen Hirninfarkt und überlebten diesen nicht.

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Bei seinem letzten Auftritt im Bayerischen Rundfunk, wenige Stunden vor seinem Hirninfarkt, sang er unter anderem das Lied „The Best Is Yet To Come” („Das Beste kommt erst noch”). Schaut man sich den Auftritt an, wirkte Roger Cicero sehr angestrengt und abgekämpft. Ein Vorzeichen?

Seine Fans vermissen Roger Cicero noch heute. Doch mit jedem Song ist er für einen Augenblick wieder bei uns. Oder um noch einmal an den Anfang zurückzukehren: „Und als einer von Millionen, der an Erinnerungen hängt, fühl ich, dass du gerade hier bist, in diesem Moment.”

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Facebook, Emma