Metal aus der UkraineBand Jinjer über ihr Album Duél, Techno und den „McDonald’s-Ansatz”

Wenn sie auf die Bühne gehen, wird’s richtig laut.
Die ukrainische Metal-Band Jinjer ist aus der Szene seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken. Im Interview mit RTL sprach Bassist Eugene Abdukhanov darüber, warum Geld verdienen kein erstrebenswertes Ziel für ihn ist und was für ihn an erster Stelle steht.
Euer aktuelles Album heißt „Duél”. Warum habt ihr euch für diesen Albumtitel entschieden?
Es war Tatianas Idee, das Album „Duél“ zu nennen. Soweit ich weiß, ließ sie sich von der Kultur des 19. Jahrhunderts inspirieren. Duelle waren ein charakteristisches Merkmal des Adels des 19. Jahrhunderts. Sie stellen ein eindrucksvolles Bild des Konflikts dar, der eines der Hauptthemen des Albums ist.
In einem Interview habt ihr gesagt, dass ihr euch musikalisch immer weiterentwickeln wollt. Könnt ihr euch auch einen Ausflug in den Pop- oder Techno-Bereich vorstellen?
Ein Ausflug in Pop oder Techno wäre eher ein Rückschritt als eine musikalische Weiterentwicklung. Außerdem gibt es heutzutage genug Pop-Acts, die sich als „Metal“ tarnen – wozu also das Ganze?

Ihr kombiniert in euren Songs verschiedene Musikstile. Wer bringt den außergewöhnlichsten Stil ein und welcher ist das?
Ehrlich gesagt, bin ich es leid, überhaupt über Stile zu reden. Wir sind Künstler; wir erschaffen Kunst. Das hier ist kein Produkt und ich hasse es, mich als Teil der sogenannten Industrie zu bezeichnen. Denn: Damit akzeptieren wir den „McDonald’s-Ansatz“, den diese Band nicht verfolgt. Mir scheint, dass wir, indem wir Kunst einem bestimmten Stil oder einer Stilmischung zuordnen, nur eine Speisekarte in diesem McDonald’s der billigen Musikprodukte erstellen, in der Industrie der „Fast-Food“-Musik. Und vor allem: Wozu? Um Social-Media-Algorithmen zu optimieren und ein neues Produkt an eine Zielgruppe zu vermarkten, indem wir diese sogenannten Stile als Hashtags verwenden?
Ihr wart letztes Jahr auf Asientour. Was für tolle Erlebnisse hattet ihr dort?
Es war nicht unser erster Besuch in Asien. Wir waren vor Jahren schon in Japan und haben auf den Philippinen und den Vereinigten Arabischen Emiraten gespielt, und es war wunderbar, wieder dort zu sein. Dieses Mal haben wir zum ersten Mal in China, Korea und Indien gespielt, und das war eine fantastische Erfahrung. Mir ist es eigentlich egal, wo wir spielen, denn die Menschen sind überall gleich. Wenn man, wie ich, schon ein paar Mal um die Welt gereist ist, sieht man sie nicht mehr als Europa, Amerika, Afrika, Asien und Australien. Man sieht sie als einen einzigen Planeten. Und wo auch immer wir hinkommen, es ist immer ein großartiges Erlebnis.
„Geldverdienen sollte kein erstrebenswertes Ziel sein“ – so zitiert dich das Ox-Fanzine. Was würdest du tun, wenn du mit Musik nicht deinen Lebensunterhalt verdienen könntest?
Ja, das habe ich schon einmal gesagt und ich sage es wieder. Es ist so einfach, wie es klingt, und hängt direkt mit dem zusammen, was ich bereits über die „Industrie“ gesagt habe. Mir scheint es ziemlich offensichtlich: Wenn man etwas hauptsächlich des Geldes wegen tut, ist das keine Kunst, sondern Geschäft. Die Priorität verschiebt sich dann von Künstlern, die sich selbst mit ihrer Kunst erfreuen, hin zu Produktherstellern, die Konsumenten mit den von ihnen nachgefragten Produkten zufriedenstellen. Ich selbst habe schon viele Jobs gemacht, vom Wachmann und Bauarbeiter bis zum Übersetzer und Lehrer, daher mache ich mir keine großen Sorgen, meinen Ruhm zu verlieren oder mit Musik kein Geld mehr zu verdienen. Irgendwann hat alles ein Ende; jeder wird vergessen sein, und das ganze Geld wird weg sein. Am Ende gehen wir alle und du kannst dein Geld nicht mit ins Grab nehmen. Aber ein bisschen Selbstachtung, das Wissen, dass ich mich nie selbst verraten habe, wird die Bitterkeit wohl etwas lindern, nicht wahr?

Ihr geht 2026 auf Headliner-Tournee durch Europa. Worauf freut ihr euch am meisten?
Wir freuen uns auf die Konzerte selbst. Der Moment, in dem ich auf die Bühne gehe und loslege, ist unbezahlbar. Außerdem ist das unsere erste Headliner-Tournee in Europa seit 2019. Es ist großartig, nach so vielen Jahren wieder voll da zu sein. Manche Bands haben es geschafft, in dieser Zeit aufzutauchen, gehypt zu werden und wieder zu verschwinden.
Ihr konntet bisher viele Erfolge feiern. Welche großen Ziele habt ihr noch?
Ich glaube, das ist eine ziemlich ungewöhnliche Einstellung für Westler, aber ob ihr es glaubt oder nicht, diese Band hat sich nie andere Ziele gesetzt, als gute Musik zu machen. Wir genießen den Prozess, wir genießen es, diesen Weg zu gehen, anstatt Erfolge zu feiern. Letztere sind natürlich auch toll. Ich will nicht heuchlerisch sein und sagen, dass mir Anerkennung, Ruhm oder Erfolge völlig egal sind, aber sie waren nie unsere Ziele.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche


