Band WISBORG mit neuem Album „Phantomschmerz”Sänger Konstantin Michaely: „Ein Denkmal unseres gemeinsamen Schaffens”

Neues Album, neue Besetzung!
Am 6. Februar erscheint das neue Studioalbum der Band WISBORG. Mit „Phantomschmerz” kommt auch eine große Veränderung: Der langjährige Gitarrist und Gründungsmitglied Nikolas Eckstein hat die Band verlassen. Im Interview mit RTL sprach Sänger Konstantin Michaely über die Zukunft der Band, dystopische Zeiten und religiöse Motive.
Am 6. Februar erscheint euer neues Album „Phantomschmerz“. Warum habt ihr euch für diesen Titel entschieden?
Wir leben in dystopischen Zeiten. Schmerz und Niedergang sind allgegenwärtig, zeitgleich wird das Individuum im Spätkapitalismus zunehmend isoliert und entmenschlicht. Neben der Lexikonbedeutung steht Phantomschmerz in diesem Zusammenhang darum auch für den Schmerz der oder des Einzelnen.
Ein Track auf dem Album heißt „Melancholia“. Würdet ihr euch als melancholische Menschen beschreiben?
Teils teils. Ich würde mich eher als getrieben beschreiben. Ich habe ADHS und es fällt mir unheimlich schwer, mich zu entspannen und Dinge ruhen zu lassen. Mein Kopf kreist immer um laufende Projekte und rotiert, auch wenn ich versuche, eine Weile Abstand von ihnen zu nehmen. Momente der stillen Reflexion, wie sie in „Melancholia“ beschrieben werden, würde ich mir öfter wünschen.

Wie schon beim vergangenen Album singst du auf dem Album wieder auf Deutsch. Warum habt ihr euch dafür entschieden?
Deutsch ist meine Muttersprache. Ich spiele gerne mit Konnotationen und mehreren Bedeutungsebenen und auf Deutsch kann ich mich einfach am präzisesten ausdrücken. Zeitgleich reizt mich die Herausforderung. Viele deutsche Bands verstecken sich hinter englischen Texten, weil das hiesige Publikum dann nicht so genau auf den Inhalt achtet. Ihre Worte sind austauschbar und blutleer. Ich möchte verstanden werden. Das birgt natürlich das Risiko, vereinzelt als pathetisch wahrgenommen zu werden, aber davor darf man als Texter keine Angst haben. Die Grenzen zwischen Kunst und Kitsch sind fließend, und wer nicht bereit ist, sich emotional zu entblößen und angreifbar zu machen, kann auch nicht erwarten, irgendjemanden mit seinen Worten zu berühren.
Es sind bereits drei Singles erschienen, zwei davon mit Videos. Wo habt ihr die Clips zu „Kreatur der Nacht“ und „Totentanz“ gedreht?
Unser Schlagzeuger Luc hat gemeinsam mit zwei Bekannten ein denkmalgeschütztes altes Haus gekauft, das sie nun gemeinsam renovieren. „Kreatur der Nacht“ wurde dort auf dem Dachboden gedreht. Das Video zu „Totentanz“ wurde in St. Lorenz aufgenommen, einer 900 Jahre alten Kirche im niedersächsischen Schöningen. Eine absolut atemberaubende Location, die einen demütig macht. Auch wenn ich Atheist bin, nutze ich gern sprachliche Bilder aus der Bibel. „Totentanz“ etwa beschreibt das drohende Ende der Welt und nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes. Da passte diese Kulisse natürlich ideal.

Woher kommt diese Faszination für religiöse Motive?
Meine Eltern machen beide beruflich Kirchenmusik, ich habe darum von klein auf viel Zeit in diesem Kontext verbracht. Christliche Symbolik hat mein ästhetisches Empfinden massiv geprägt. Ich muss nicht an eine höhere Macht glauben, um in historischen Kulissen prunkvoller Sakralbauten von Demut erfüllt zu sein und mir meiner eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden.
Wie schon der Vorgänger wurde auch „Phantomschmerz“ von Chris Harms produziert, dem Sänger von Lord Of The Lost. Warum war er der richtige für den Job?
KM: Die Arbeit mit Chris und seinem Team in den Hamburger Chameleon Studios ist unheimlich angenehm und familiär. Er versteht unseren Sound und hilft uns dabei, ihn auf die nächste Stufe zu heben, ohne dabei zu versuchen, uns zu verbiegen oder in irgendeine Form zu pressen. Wir sind ihm sehr dankbar, dass er uns so fördert – auch über die Produzententätigkeit hinaus.
Gründungsmitglied Nikolas Eckstein hat zum Jahresende die Band verlassen. Was bedeutet das für die Zukunft von WISBORG?
Zunächst einmal eine Menge interner Veränderungen. Nikolas und ich haben WISBORG 2017 zu zweit gegründet und seitdem gemeinsam aufgebaut. Nach und nach sind wir zwar zu einer vierköpfigen Band herangewachsen, trotzdem wurden alle Kreativentscheidungen bis zuletzt von uns beiden getroffen. Auch „Phantomschmerz“ haben wir noch zu zweit geschrieben. Obwohl beim Songwriting nicht klar war, dass er die Band verlassen würde, fühlt sich das Album für mich an wie die Essenz unserer Diskografie und ein Denkmal unseres gemeinsamen Schaffens.

Ist bereits einen Nachfolger für Nikolas in Aussicht?
Unser zweiter Gitarrist Peter ist nachgerückt und zum Leadgitarristen befördert worden. Die Rhythmusgitarre spielt bei den kommenden Shows erstmal unser Kumpel Niko von Bloodfang – wie der Posten langfristig besetzt wird, wird die Zukunft zeigen.
Ihr seid 2026 viel live unterwegs. Worauf freut ihr euch ganz besonders?
Das Highlight wird definitiv unsere „Phantomschmerz“ Headliner Tour im Herbst! Erstmal stehen jetzt aber 13 Shows in Deutschland und Österreich mit Manntra an, außerdem sind wir wieder bei einigen Festivals am Start. No rest for the wicked!
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche


