„Ich wurde von ihnen schikaniert und belästigt”Tränen im Vergewaltigungsprozess – jetzt sagt Marius Borg Høiby aus

Im Prozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, steht die erste ausführliche Aussage an.
Marius Borg Høiby sagt erstmals im Vergewaltigungsprozess aus. (Archivbild)
dpa/Vegard Wivestad Grott/NTB SCANPI

Dieser Moment wurde mit Spannung erwartet!
Im Vergewaltigungsprozess gegen Marius Borg Høiby läuft der zweite Verhandlungstag. Nach Aussagen eines mutmaßlichen Opfers sagt seit 12.45 Uhr der Angeklagte zum ersten Mal vor Gericht in Oslo aus. Gleich zu Beginn kämpft der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit mit den Tränen und übt scharfe Kritik an der Presse.

Er sei schikaniert und belästigt worden

„Ich finde es wahnsinnig schwierig, vor so vielen Menschen zu sprechen“, sagt er. Laut dem norwegischen Medium Verdens Gang bricht dabei seine Stimme und er weint. Dann sagt er: „Ich werde seit meinem dritten Lebensjahr von der Presse verfolgt. Ich wurde von ihnen schikaniert und belästigt. Dass sie hier im Saal sitzen müssen, finde ich ganz schrecklich.“

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„Ich habe ein Leben gelebt, in das sich wohl die wenigsten hineinversetzen können”, fährt der 29-Jährige fort. „Mit vielen Partys, Alkohol, Drogen.” Sex und Rausch seien Teil dieses Lebens gewesen. Grund dafür sei sein „extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung”. Vor Gericht erscheint der Norweger am zweiten Prozesstag in einem dunkelgrauen Pullover und Jeans und trägt Brille. Zu Beginn seiner Aussage nimmt er sich zunächst ein Stück Snus aus dem Mund – ein in Skandinavien verbreiteter Oraltabak.

Er beruft sich auf Erinnerungslücken

Bevor der Angeklagte selbst in den Zeugenstand trat, hatte der zweite Verhandlungstag mit der Aussage eines mutmaßlichen Opfers begonnen. Während einer Party in der Residenz des norwegischen Kronprinzenpaars, Schloss Skaugum, soll Høiby 2018 ohne ihr Einverständnis sexuelle Handlungen an der Frau vorgenommen haben, während sie mutmaßlich betäubt war, diese hatte er auch gefilmt.
Zu diesen Aussagen bezog Høiby anschließend Stellung. Der besagte Abend sei nur einer von vielen Partyabenden gewesen, so der Kronprinzessinnen-Sohn. Er habe die Klägerin und weitere Gäste unbemerkt von seiner Familie in den Keller von Schloss Skaugum gebracht. Entgegen ihrer Aussage habe er dort wie schon Jahre zuvor einvernehmlichen Sex mit der Frau bei Bewusstsein gehabt, die zuvor schon mit ihm geflirtet und ihm sexuelle Nachrichten geschrieben habe. An die ihm vorgeworfenen Handlungen sowie weitere Details zum Abend konnte er sich auch nach mehrfachem Nachfragen „nicht erinnern”, er habe Alkohol und Kokain konsumiert.

Dass er in seinem Leben generell kompromittierende Filme und Fotos angefertigt hatte, bestritt Høiby nicht. Er habe sie jedoch nie geteilt, betonte er. Ebenso wenig habe seine Mutter Mette-Marit, die er in seinen Aussagen „Mama” nennt, entgegen der Spekulationen eine SIM-Karte mit belastendem Material verschwinden lassen.

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„Es gab noch nie einen einzigen positiven Artikel über mich”

Im Laufe seiner Aussage ging Marius Borg Høiby auch noch ein weiteres Mal auf die Bedeutung der Medien für sein Leben ein. Es falle ihm schwer, reale Erinnerungen von jenen abzugrenzen, die er in der Presse über sich gelesen habe. „Ich lese jede einzelne der Hunderttausenden von Geschichten, die es gibt. Ich verbringe meine Zeit mit kaum etwas anderem”, erklärte er. Allerdings nutze ihm das in Bezug auf seine Unschuld nicht viel: „Es gab noch nie einen einzigen positiven Artikel über mich.”

Im Video: Marius Borg Høiby muss vor Gericht

Høiby wird sich am 10. Februar wieder äußern

Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin ist in 38 Punkten angeklagt, darunter wegen vier Vergewaltigungen nach norwegischem Recht – eine davon mit Geschlechtsverkehr. Außerdem soll er die Frauen gefilmt haben.

Um 15:30 Uhr war der zweite Prozesstag in Oslo beendet. Høiby war auch beim Auftakt bereits vor Ort gewesen und bekannte sich in allen Fällen von mutmaßlicher Vergewaltigung nicht schuldig. Seine Verteidigerin Ellen Holager Andenæs hatte bereits erklärt, alle vier Frauen hätten einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Høiby gehabt.

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Seine Schuld bezüglich schwerer Körperverletzung, rücksichtslosem Verhalten sowie Beleidigungen räumte er teilweise aber ein. Auch bei schwerem Drogenmissbrauch, Verstößen gegen verhängte Kontaktverbote und mehreren Verkehrsdelikten bekannte er sich schuldig. Høiby wird sich am 10. Februar wieder äußern, der gesamte Prozess ist auf sieben Wochen angelegt.

Mette-Marit teilte derweil mit, eine geplante private Reise ins Ausland verschoben zu haben. Eigentlich hatte sie vorgehabt, zum Auftakt des Prozesses zu verreisen. Auch Norwegens Kronprinz Haakon (52) will nicht zur Verhandlung gegen seinen Stiefsohn kommen.

(abl/dpa/afp/spot on)

Verwendete Quellen: Verdens Gang, dpa, afp, Spot On News