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Zahnzusatzversicherung für Kieferorthopädie: Kosten, KIG-Einstufung und Tarife

Zwischen KIG 2 und KIG 3 liegt der Unterschied zwischen null Kassenleistung und einer vollständig finanzierten Zahnspange, und genau diese Stufe entscheidet auch über Ihren Zusatztarif.

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Eine Zahnzusatzversicherung für Kieferorthopädie schließt die Lücke, die entsteht, weil die gesetzliche Krankenkasse eine Zahnspange erst ab der kieferorthopädischen Indikationsgruppe (KIG) 3 übernimmt und die Stufen darunter komplett den Eltern überlässt. Die Einstufung nimmt die Praxis vor, verhandeln lässt sie sich nicht; der Zeitpunkt Ihres Vertrags dagegen schon, und er entscheidet, ob überhaupt ein Tarif einspringt. Für Erwachsene liegt der Fall anders: Die Kasse leistet im Regelfall nicht, und die meisten Tarife zahlen nur dann, wenn sie es doch tut oder ein Unfall vorausgegangen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kassenschwelle: Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine Zahnspange erst ab der kieferorthopädischen Indikationsgruppe KIG 3, bei KIG 1 und KIG 2 zahlt sie nichts.
  • Eigenanteil: Bei KIG 3 bis 5 tragen Eltern laufend 20 Prozent selbst und erhalten diesen Anteil nach nachgewiesenem, erfolgreichem Abschluss der Behandlung von der Kasse zurück; werden zwei Kinder gleichzeitig behandelt, sinkt der Satz für das zweite Kind auf 10 Prozent.
  • Behandlungskosten: Eine feste Zahnspange für ein Kind kostet insgesamt 2.500 bis 8.000 Euro, je nach Schweregrad und Technik.
  • KFO-Budget: DFV leistet in allen vier Tarifen ab KIG 1 mit 1.000 bis 2.000 Euro, und zwar zusätzlich zum Anteil der gesetzlichen Kasse.

Zahnzusatzversicherung für Kieferorthopädie: vier Tarife mit KFO-Leistung

Ein Tarif nützt Ihnen bei Kieferorthopädie nur, wenn er auch unterhalb der Kassenschwelle zahlt und wenn sein KFO-Budget zu den tatsächlichen Behandlungskosten passt. Danach sortiert sieht das Feld so aus.

DFV: zahlt von KIG 1 bis KIG 5

DFV deckt die kieferorthopädischen Indikationsgruppen 1 bis 5 ab und schließt damit genau die beiden Stufen ein, an denen die Kasse aussteigt. Breiter deckt in diesem Feld niemand ab; gleichauf liegt allein ottonova in der First Class. Der Unterschied zwischen den beiden liegt nicht in der Skala, sondern im Zugang: Bei DFV gilt KIG 1 in jedem der vier Tarife und ohne eine einzige Gesundheitsfrage, bei ottonova nur in der teuersten Klasse und nach drei Fragen im Antrag. Das KFO-Budget staffelt sich nach Tarif: 1.000 Euro im Basis, 1.400 Euro im Komfort, 1.600 Euro im Premium und 2.000 Euro im Exklusiv, jeweils ohne den Anteil der gesetzlichen Kasse, also zusätzlich zu dem, was die GKV bei KIG 3 bis 5 ohnehin trägt. Die Beiträge liegen bei 9,10 Euro (Basis), 12,60 Euro (Komfort), 14,30 Euro (Premium) und 17,80 Euro (Exklusiv) monatlich, die Erstattungssätze bei 50, 70, 80 und 100 Prozent.

Gesundheitsfragen stellt DFV in keinem der vier Tarife, die Annahme ist garantiert, auch bei Zahnlücken und Vorbehandlungen. Ab dem ersten Vertragstag können Sie Leistungen abrufen, binden lässt DFV Sie dafür 24 Monate. Aufgenommen werden Sie also in jedem Fall. Erstattet wird deshalb aber nicht jede Behandlung: Behandlungen, die bei Vertragsabschluss bereits begonnen oder vom Zahnarzt angeraten wurden, nimmt DFV ausdrücklich heraus. Steht die Spange schon im Plan, hilft Ihnen die garantierte Annahme für diese Behandlung nicht mehr. Wir halten DFV trotzdem für die erste Wahl, solange bei Ihrem Kind noch keine Einstufung dokumentiert ist: Die Leistung greift über die gesamte KIG-Skala, sie tut das in jeder der vier Preisstufen und nicht nur in der teuersten, und das Budget kommt zum Kassenanteil hinzu, statt ihn anzurechnen.

DFV Zahnzusatzversicherung: KFO-Leistung ab KIG 1
Vier Tarife ohne Gesundheitsfragen, KFO-Budget von 1.000 bis 2.000 Euro zusätzlich zum Kassenanteil, ab 9,10 Euro monatlich.

DA Direkt: Kinder ab KIG 1, Erwachsene nur nach Kassenleistung

Auch DA Direkt leistet bei Kindern ab KIG 1, allerdings nur in den Tarifen Premium und Premium Plus; der Komfort-Tarif ist für den KFO-Fall die falsche Stufe. Bei Erwachsenen zahlt der Versicherer erst, wenn die gesetzliche Kasse eine Vorleistung erbracht hat, dann bis 1.800 Euro im Premium und bis 2.000 Euro im Premium Plus. Ein eigener Euro-Deckel für die Kinder-Kieferorthopädie ist nicht ausgewiesen. Was in den ersten Jahren insgesamt erstattet wird, begrenzt die Zahnstaffel des Tarifs: im ersten Jahr 750 Euro (Komfort), 1.100 Euro (Premium) und 1.500 Euro (Premium Plus), über die ersten vier Jahre kumuliert 3.000, 4.400 und 6.000 Euro, ab dem fünften Jahr unbegrenzt.

Die Beiträge starten bei 6,90 Euro im Komfort, 13,90 Euro im Premium und 16,90 Euro im Premium Plus. Als Beispiele nennt der Versicherer 16,90 Euro für ein 7-jähriges Kind, 10,90 Euro mit 25 und 27,90 Euro mit 40 Jahren. Für Kinder führt DA Direkt eine eigene Tariflinie, die Zahnversicherung für Kinder, statt einer Mitversicherung im Elternvertrag. Gesundheitsfragen entfallen in den Haupttarifen, eine Wartezeit gibt es nicht. Wenn Sie für ein Kind abschließen und zugleich Ihren eigenen Zahnersatz mitdenken, ist das die Kombination mit der klarsten Preisstruktur.

DA Direkt Zahnschutz Premium: KFO für Kinder ab KIG 1
Premium und Premium Plus leisten bei Kindern ab KIG 1, für Erwachsene bis 1.800 beziehungsweise 2.000 Euro nach Vorleistung der Kasse.

NÜRNBERGER: Kinder-Kieferorthopädie immer eingeschlossen, Erwachsene nur nach Unfall

Bei NÜRNBERGER ist die Kieferorthopädie für Kinder in jedem Fall abgedeckt, ohne Rückfrage nach der KIG-Stufe. Für Erwachsene gilt das Gegenteil: gezahlt wird ausschließlich nach einem Unfall, dann 80 bis 100 Prozent bis zu einem Budget von 2.000 Euro. Die Gesundheitsprüfung entfällt vollständig, und Ihr Kind ist ab Vertragsbeginn versichert.

Die Komfort-Stufen erstatten 80, 90 oder 100 Prozent, dazu kommt ein Basis-Tarif, der den Festzuschuss der Kasse verdoppelt und in den ersten drei Versicherungsjahren bei 500 Euro gedeckelt ist. In den Komfort-Stufen liegt die Obergrenze im ersten Versicherungsjahr bei 800, 900 oder 1.000 Euro und über die ersten vier Versicherungsjahre zusammen bei 3.200, 3.600 oder 4.000 Euro; vom fünften Jahr an entfällt sie, Unfallbehandlungen nimmt der Versicherer ohnehin davon aus. Für eine Spange, die über mehrere Jahre läuft, ist die Vierjahressumme deshalb die Zahl, mit der Sie rechnen, nicht der Betrag des ersten Jahres.

Eine Einstiegszahl zum Vergleichen gibt der Versicherer nicht heraus. Welchen Monatsbeitrag Sie für Ihr Kind zahlen, ergibt sich aus Alter und Tarifstufe und steht erst nach einer Berechnung fest. Für Familien ist das der pragmatischste Tarif im Set, weil die Diskussion über die Einstufung des Kindes für den Versicherer keine Rolle spielt.

NÜRNBERGER Zahnzusatzversicherung: Kinder-KFO ohne Gesundheitsprüfung
Kieferorthopädie für Kinder immer eingeschlossen, keine Gesundheitsfragen, keine Wartezeit; der Beitrag hängt von Alter und Tarifstufe ab.

ottonova: ab KIG 3 in der Business Class, ab KIG 1 in der First Class

Bei ottonova entscheidet die Klasse über die Schwelle. Business Class erstattet bei Kindern 85 Prozent ab KIG 3, mit bis zu 1.500 Euro über zehn Versicherungsjahre; First Class erstattet 100 Prozent bereits ab KIG 1, mit bis zu 2.000 Euro über zehn Versicherungsjahre. Wer die untere oder mittlere Klasse wählt, kauft also einen Tarif, der erst dort einsetzt, wo die gesetzliche Kasse schon zahlt, und den Eigenanteil aufstockt. Erwachsene erhalten nur eine Leistung, wenn die gesetzliche Kasse zahlt oder ein Unfall vorlag. Anders als die drei Anbieter darüber ist ottonova nicht fragefrei: drei Gesundheitsfragen gehören zum Antrag, und bereits laufende oder angeratene Behandlungen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Im ersten Jahr erhalten Sie zwischen 800 und 1.250 Euro erstattet, gestaffelt nach Klasse, über die ersten vier Jahre zusammen zwischen 3.200 und 5.000 Euro; ab dem fünften Jahr entfällt der Deckel.

Für ein Kind, bei dem noch nichts feststeht, ist die First Class damit die zweite Adresse neben DFV: 2.000 Euro über zehn Jahre, und die leichten Stufen sind eingeschlossen. Die Bedingung dafür sind drei ehrlich beantwortbare Gesundheitsfragen. Wer stattdessen die Economy oder die Business Class nimmt, verlässt sich darauf, dass die Einstufung später mindestens KIG 3 lautet, und wettet damit auf einen Befund, der noch nicht erhoben ist.

ottonova Zahnzusatz: First Class leistet ab KIG 1
Bis zu 2.000 Euro über zehn Versicherungsjahre und 100 Prozent Erstattung ab KIG 1, dafür drei Gesundheitsfragen im Antrag.

Ab KIG 3 zahlt die Kasse, darunter zahlen Sie

Die kieferorthopädischen Indikationsgruppen sind eine Verwaltungsentscheidung mit finanzieller Konsequenz. Rechtsgrundlage sind die Richtlinien für die kieferorthopädische Behandlung des Gemeinsamen Bundesausschusses, in Kraft seit 2004; ihre Anlage 1 definiert die fünf Gruppen. Die Kieferorthopädin ordnet den Befund Ihres Kindes einer dieser Gruppen zu, und diese Zuordnung steht danach in jedem Antrag.

Die Schwelle liegt bei Stufe 3. Nach Angaben der Verbraucherzentrale zahlt die gesetzliche Krankenkasse nur bei KIG 3, 4 und 5, Eltern tragen dabei einen Eigenanteil von 20 Prozent, den die Kasse nach nachgewiesenem, erfolgreichem Abschluss der Behandlung zurückerstattet. Werden zwei Kinder gleichzeitig behandelt, sinkt der Eigenanteil für das zweite auf 10 Prozent. Die Übernahme läuft bis zum 18. Lebensjahr.

AusgangslageWas die Einstufung bedeutetWer die Behandlung trägt
Kind, KIG 1 oder 2leichte bis geringfügige Fehlstellung, in der Bewertung überwiegend ästhetischvollständig Sie, es sei denn, Ihr Tarif leistet ab KIG 1
Kind, KIG 3 bis 5ausreichend schwere Fehlstellung, KassenleistungKasse 80 Prozent laufend, 20 Prozent Eigenanteil zurück nach Abschluss, private Mehrkosten bleiben bei Ihnen
Erwachsenekeine Regelleistung der GKVvollständig Sie, sofern die Kasse nicht doch leistet oder ein Unfall vorlag

Zwei Punkte daran werden regelmäßig übersehen. Erstens ist der zurückerstattete Eigenanteil an den erfolgreichen Abschluss geknüpft: bricht die Behandlung ab oder wechselt die Praxis mitten im Verlauf, wird die Rückzahlung zur Frage der Nachweise. Zweitens deckt die Kassenleistung nur die Regelversorgung ab. Alles, was darüber hinausgeht, etwa Brackets aus Keramik oder eine Aligner-Schiene anstelle der festen Apparatur, läuft über eine Mehrkostenvereinbarung und ist genau der Betrag, für den Sie eine Zusatzversicherung überhaupt brauchen.

Der Bedarf ist verbreiteter als viele Eltern erwarten. Eine KZBV-Studie aus dem Jahr 2022 beziffert den Anteil der 8- bis 9-Jährigen in Deutschland mit kieferorthopädischem Behandlungsbedarf nach den KIG-Leitlinien auf 40 Prozent; der Wert ist seit Jahren stabil, und die Versorgung entspricht laut KZBV dem Bedarf. Rechnen Sie also nicht damit, dass Ihr Kind die Ausnahme ist.

Unser Rat: Bitten Sie die Praxis, die Stufe schriftlich in den Behandlungsplan aufzunehmen und Ihnen eine Kopie mitzugeben, bevor Sie irgendetwas unterschreiben. Diese eine Zeile entscheidet über den Kassenantrag und über jede Erstattung des Zusatzversicherers.

Was eine Zahnspange kostet und was ein Budget davon übrig lässt

Die Behandlung ist kein einzelner Rechnungsbetrag, sondern läuft über mehrere Jahre und über Quartalsrechnungen. Als Größenordnung für die Gesamtbehandlung gilt:

BehandlungTypische GesamtkostenAnmerkung
Feste Zahnspange, Kind2.500 bis 8.000 EuroSpanne je nach Schweregrad und Technik
Aligner oder Invisalign, Erwachsene3.500 bis 6.500 Eurofast immer keine Kassenleistung
Professionelle Zahnreinigung während der Spangenzeit80 bis 200 Euro je Sitzungin vielen Tarifen mit eigenem Jahresbudget

Stellen Sie diese Beträge neben die KFO-Budgets aus dem Abschnitt oben, und die Lücke wird sichtbar. Angenommen, bei Ihrem Kind steht KIG 2 im Plan und die feste Spange kostet 4.000 Euro, also etwa die Mitte der Bandbreite: die Kasse zahlt nichts, das DFV-Exklusiv-Budget von 2.000 Euro deckt die Hälfte, und 2.000 Euro zahlen Sie selbst. Im Basis-Tarif mit 1.000 Euro Budget bleiben 3.000 Euro bei Ihnen.

Wichtig: Bei KIG 1 und 2 nimmt Ihnen kein Tarif die Rechnung ab. Er halbiert sie im besten Fall.

Bei KIG 3 bis 5 ist die Rechnung eine andere, weil die Kasse die Regelversorgung trägt. Dann geht das Budget des Zusatztarifs in die Mehrkosten und in den Eigenanteil, und ein Rahmen von 1.500 bis 2.000 Euro reicht dafür in vielen Fällen aus.

Wichtig: Prüfen Sie vor dem Abschluss, ob der genannte Euro-Betrag zusätzlich zum Kassenanteil gilt oder ob er ihn einschließt. Das ist derselbe Betrag mit zwei völlig verschiedenen Bedeutungen.

DFV weist sein KFO-Budget ausdrücklich ohne den GKV-Anteil aus, es kommt also obendrauf. ottonova nennt einen Prozentsatz mit einem Deckel über zehn Jahre, was bei einer Behandlung, die sich über mehrere Kalenderjahre zieht, die praktisch relevante Größe ist. Fragen Sie zusätzlich, ob die KFO-Leistung in die Zahnstaffel einbezogen wird oder daneben steht. Das entscheidet darüber, was im Jahr der ersten großen Rechnung wirklich bei Ihnen ankommt. Die Tarifstufen nebeneinander finden Sie in unserem Vergleich der Zahnzusatzversicherungen.

Für Erwachsene zahlt kaum ein Tarif ohne Vorleistung der Kasse

Hier wird die meiste Zeit verschenkt, deshalb die klare Antwort zuerst: eine Zahnzusatzversicherung finanziert Erwachsenen im Regelfall keine Zahnspange und keine Aligner-Behandlung. Kieferorthopädie ist bei der gesetzlichen Kasse eine Leistung für Kinder und Jugendliche, und die Tarife knüpfen ihre Erwachsenenleistung genau daran.

Die Bedingungen im Vergleichsfeld sehen so aus. Bei DA Direkt bekommen Sie als Erwachsener bis 1.800 Euro (Premium) beziehungsweise bis 2.000 Euro (Premium Plus), aber erst nach einer Vorleistung der gesetzlichen Kasse. ottonova leistet nur, wenn die GKV zahlt oder ein Unfall vorausging. NÜRNBERGER beschränkt die Erwachsenen-Kieferorthopädie vollständig auf Unfälle, dann mit 80 bis 100 Prozent bis 2.000 Euro. DFV nennt in der Tarifübersicht die Stufen KIG 1 bis 5 und ein Budget je Tarif, ohne eine eigene Erwachsenenregel auszuweisen.

Achtung: Lassen Sie sich diesen Punkt vor dem Abschluss schriftlich bestätigen, statt ihn aus der Stufenangabe zu schließen. Eine Budgetzeile ohne Altersbezug ist keine Zusage für Erwachsene.

Wenn Sie als Erwachsener über eine Spange nachdenken, ist der Zusatzschutz deshalb selten das passende Instrument für diese Behandlung. Sinnvoll wird er in zwei Konstellationen: Ihre Kasse hat im Einzelfall eine Kostenübernahme zugesagt, dann ist die Vorleistungsbedingung erfüllt und der Tarif stockt auf; oder die Fehlstellung geht auf einen Unfall zurück, den Sie belegen können. In allen anderen Fällen sollten Sie den Tarif nach dem beurteilen, was Sie später mit hoher Wahrscheinlichkeit brauchen, nämlich Zahnersatz, Wurzelbehandlungen und Prophylaxe, und die KFO-Zeile schlicht ignorieren. Ein Vertrag, den Sie wegen der Aligner abschließen und der genau dafür nicht zahlt, ist der ärgerlichste Fehlkauf in diesem Bereich.

Was medizinisch möglich ist, welche Apparaturen für Erwachsene infrage kommen und wie lange eine Korrektur dauert, steht in unserem Ratgeber zur Kieferorthopädie für Erwachsene. Diese Seite hier beantwortet nur die Versicherungsfrage.

Wenn die Spange schon angeraten ist

Ein Detail entscheidet in dieser Lage mehr als jeder Erstattungssatz. Die Soforthilfe von DA Direkt im Tarif Zahnschutz Akut, die eine bereits angeratene oder begonnene Behandlung im ersten Versicherungsjahr mit bis zu 750 Euro und bei Folgebehandlungen im zweiten Jahr mit insgesamt bis zu 1.500 Euro bezuschusst, gilt ausdrücklich nicht für kieferorthopädische Maßnahmen. Das einzige Produkt im Vergleichsfeld, das für den schon feststehenden Behandlungsfall gebaut ist, ist bei der Zahnspange also geschlossen. Wenn Sie mit einem KFO-Behandlungsplan in der Hand nach einem Tarif suchen, der genau diesen Plan noch bezahlt, ist die Suche an dieser Stelle beendet.

Die anderen Tarife führen zum gleichen Ergebnis, nur über den allgemeinen Ausschluss: DFV nimmt Behandlungen, die bei Vertragsabschluss bereits begonnen oder vom Zahnarzt angeraten wurden, ausdrücklich heraus, ottonova ebenso. Die garantierte Annahme ohne Gesundheitsfragen ändert daran nichts, sie betrifft nur die Aufnahme in den Vertrag.

Trotzdem ist der Abschluss in dieser Situation nicht sinnlos, er muss nur ehrlich begründet sein. Der Vertrag deckt alles, was nach Abschluss neu entsteht: die Behandlung des Geschwisterkindes, Füllungen, die professionelle Zahnreinigung, die Retainer-Versorgung nach einer späteren, neuen Indikation und irgendwann den Zahnersatz desselben Kindes. Geht es Ihnen dagegen um rein ästhetische Korrekturen, gelten andere Regeln: Was Tarife bei Veneers und Bleaching leisten, steht auf einer eigenen Seite.

Unser Rat: Lassen Sie sich vom Versicherer schriftlich geben, welches Ereignis als Behandlungsbeginn gilt. Ein Beratungsgespräch, ein Röntgenbild und ein unterschriebener Behandlungsplan sind drei verschiedene Zeitpunkte.

Wie Versicherer von einer Behandlung erfahren und welche Zähne im neuen Vertrag außen vor bleiben, steht ausführlich auf unserer Seite zur Zahnzusatzversicherung trotz Vorschäden; die Bedingungen der Soforthilfe im Detail finden Sie in der Bewertung von DA Direkt.

Der richtige Zeitpunkt für den Abschluss

Bei Kieferorthopädie ist der Abschlusszeitpunkt die eine Entscheidung, die Sie wirklich in der Hand haben, und sie ist wichtiger als der Erstattungssatz.

Faustregel: Der Stichtag ist nicht das Alter Ihres Kindes, sondern der erste dokumentierte kieferorthopädische Befund. Sobald eine KIG-Stufe im Behandlungsplan steht, gilt die Behandlung als angeraten, und angeratene Behandlungen sind bei DFV und ottonova ausgeschlossen.

Praktisch heißt das für die Reihenfolge:

  1. Schließen Sie ab, bevor Sie den ersten Termin in der kieferorthopädischen Praxis vereinbaren, nicht danach. Auch die Überweisung des Hauszahnarztes mit dem Hinweis auf eine Fehlstellung kann bereits als angeratene Behandlung gewertet werden.
  2. Orientieren Sie sich am Zahnwechsel, nicht am Schuleintritt. Der Behandlungsbedarf wird typischerweise dann sichtbar, wenn die bleibenden Zähne durchkommen, und die KZBV-Zahl oben bezieht sich auf genau diese 8- bis 9-Jährigen. Ein Vertrag, der vor dieser Phase steht, ist der Diagnose sicher voraus.
  3. Wenn Sie mehrere Kinder haben, schließen Sie die Verträge gemeinsam ab, bevor eines von ihnen beim Kieferorthopäden war. Der reduzierte Eigenanteil von 10 Prozent gilt bei gleichzeitiger Behandlung, und Ihre eigene Absicherung sollte dieser Logik folgen und nicht der Reihenfolge der Termine.

Eine Wartezeit steht dem schnellen Abschluss bei DFV, DA Direkt und NÜRNBERGER nicht im Weg, alle drei verzichten darauf. Was bleibt, sind die anfänglichen Summenbegrenzungen: die Zahnstaffel gibt das volle Budget erst über die ersten Jahre frei, ausführlich erklärt auf unserer Seite zur Zahnzusatzversicherung ohne Wartezeit. Für eine Behandlung, die drei Jahre nach Vertragsbeginn startet, spielt die Zahnstaffel keine Rolle; beginnt die Spange im nächsten Frühjahr, ist sie die entscheidende Zahl. Bei DFV kommt die Mindestlaufzeit von 24 Monaten hinzu. Auf der Kassenseite endet die Übernahme mit dem 18. Lebensjahr, danach fällt Ihr Kind in die Erwachsenenregeln, die eine Stufe weiter oben beschrieben sind. Wenn Sie noch grundsätzlich für ein Kind auswählen, hilft der Überblick zur Zahnzusatzversicherung für Kinder.

So kommt das Geld tatsächlich bei Ihnen an

Der beste Tarif zahlt nichts, wenn die Unterlagen in der falschen Reihenfolge eintreffen. Bei einer kieferorthopädischen Behandlung hängen zwei Erstattungswege aneinander, der der Kasse und der des Zusatzversicherers, und beide wollen ihre Nachweise.

  1. Lassen Sie sich den kieferorthopädischen Behandlungsplan mit der KIG-Stufe aushändigen. Die Praxis reicht ihn bei der gesetzlichen Kasse ein, und die Genehmigung muss vor dem Behandlungsbeginn vorliegen.
  2. Senden Sie denselben Plan an den Zusatzversicherer, bevor die Behandlung startet, und bitten Sie um eine schriftliche Antwort zum Leistungsumfang. Eine mündliche Zusage aus der Hotline hilft Ihnen bei einer Rechnung in zwei Jahren nicht.
  3. Prüfen Sie die Mehrkostenvereinbarung Position für Position, bevor Sie sie unterschreiben. Hier stehen die privaten Zusatzleistungen, die die Kasse nie übernimmt, und genau diese Positionen muss Ihr Tarif abdecken, damit das Budget etwas bewirkt.
  4. Legen Sie die Belege über Ihren 20-prozentigen Eigenanteil ab und fordern Sie am Ende die Abschlussbescheinigung der Praxis an. Ohne den Nachweis des erfolgreichen Abschlusses gibt es die Rückerstattung der Kasse nicht.
  5. Reichen Sie die Quartalsrechnungen laufend ein, nicht gesammelt am Ende. Die Einreichungsfrist steht in den Versicherungsbedingungen, und bei einer Behandlung über mehrere Jahre ist eine verfallene Frist der häufigste vermeidbare Verlust.

Achtung: Fragen Sie beim ersten Beratungsgespräch, ob die Abrechnung über die Kassenleistung oder rein privat läuft. Ein rein privater Behandlungsvertrag kann auch bei einem Kind mit KIG 4 dazu führen, dass die Kasse ihren Anteil nicht zahlt, und dann fehlt Ihrem Zusatztarif genau die Vorleistung, an die er seine Erstattung knüpft.

Häufige Fragen zur Zahnzusatzversicherung für Kieferorthopädie

Was bedeutet KIG und ab welcher Stufe zahlt die Kasse?

KIG steht für kieferorthopädische Indikationsgruppen, fünf Stufen, die die Anlage 1 der G-BA-Richtlinie zur kieferorthopädischen Behandlung definiert. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt eine Zahnspange nur ab KIG 3; bei KIG 1 oder 2 zahlt sie nichts, und Eltern tragen eine feste Spange mit 2.500 bis 8.000 Euro Gesamtkosten allein. Die Einstufung nimmt die behandelnde Praxis vor, sie steht im Behandlungsplan, und sie ist der Ausgangspunkt für jede Erstattung, auch beim Zusatzversicherer.

Übernimmt die Zahnzusatzversicherung Kieferorthopädie für Erwachsene?

Nur unter einer Bedingung, und die tritt selten ein. DA Direkt zahlt bis 1.800 Euro (Premium) oder 2.000 Euro (Premium Plus), aber erst nach einer Vorleistung der gesetzlichen Kasse. ottonova leistet, wenn die GKV zahlt oder ein Unfall vorausging, NÜRNBERGER ausschließlich nach einem Unfall mit 80 bis 100 Prozent bis 2.000 Euro. Da Kieferorthopädie bei der GKV eine Leistung für Kinder und Jugendliche ist, bleibt für die meisten Erwachsenen keine Erstattung übrig.

Lohnt sich der Abschluss noch, wenn die Zahnspange schon angeraten ist?

Für diese Behandlung nicht, für alles danach schon. Angeratene und begonnene Behandlungen sind bei DFV und ottonova ausdrücklich ausgeschlossen, und die Soforthilfe von DA Direkt, die sonst genau solche Fälle bezuschusst, gilt nicht für kieferorthopädische Maßnahmen. Der Vertrag deckt dann Füllungen, Prophylaxe, spätere neue Indikationen und in einigen Jahren den Zahnersatz. Für ein Geschwisterkind ohne Diagnose ist der Abschluss dagegen sofort sinnvoll.

Zahlt eine Zahnzusatzversicherung Invisalign oder andere Aligner?

Bei Kindern mit KIG 3 bis 5 zählen Aligner nur selten zur Regelversorgung der Kasse; sie laufen als private Mehrkosten über eine Mehrkostenvereinbarung, und genau dort greift das KFO-Budget des Zusatztarifs, sofern der Tarif diese Positionen einschließt. Bei Erwachsenen scheitert die Erstattung meist an der Vorleistungs- oder Unfallbedingung: eine Aligner-Behandlung mit 3.500 bis 6.500 Euro zahlen Sie im Normalfall selbst.

Welcher Tarif hat das höchste Budget für Kieferorthopädie?

Zwei Tarife liegen gleichauf: DFV Exklusiv mit 2.000 Euro ohne Anrechnung des Kassenanteils und ottonova First Class mit bis zu 2.000 Euro über zehn Versicherungsjahre, beide ab KIG 1. DA Direkt kommt im Premium Plus ebenfalls auf bis zu 2.000 Euro, das gilt dort aber für Erwachsene nach Vorleistung der Kasse. Entscheidend ist neben dem Betrag der Geltungsbereich: ein Budget von 1.400 Euro, das schon ab KIG 1 zahlt, bringt Ihnen bei einer Stufe 2 mehr als eines, das erst ab KIG 3 greift.