Radprofi nicht zu stoppenTim Merlier rast zum Hattrick! Dritter Tour-Sieg in Frankreich

Cycling - Tour de France - Stage 12 - Circuit Nevers Magny-Cours to Chalon-sur-Saone - Chalon-sur-Saone , France - July 16, 2026 Soudal - Quick Step's Tim Merlier celebrates winning stage 12 REUTERS/Gonzalo Fuentes
Tim Merlier ließ der Konkurrenz im Sprint keine Chance.
REUTERS

Die 12. Etappe der Tour de France bietet den Sprintern die letzte Chance, etwas zu reißen. Entsprechend nervös geht es zu, ein heftiger Massensturz überschattet das Finale. Belgiens Sprintkönig macht seinen Hattrick klar.

Der belgische Radprofi Tim Merlier hat seinen Siegeszug bei der Tour de France fortgesetzt. Der 33-Jährige vom Team Soudal Quick-Step gewann die 179,1 km lange 12. Etappe in die Burgunderstadt Chalon-sur-Saone und feierte bereits seinen dritten Tagessieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt.

Im Massensprint ließ Ex-Europameister Merlier der Konkurrenz keine Chance, die noch sieglosen deutschen Sprint-Hoffnungen um Max Kanter dürften nach der mutmaßlich letzten Sprintentscheidung bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt leer ausgehen. Zweiter wurde der Niederländer Olav Kooij (Decathlon-CMA CGM) vor Jasper Philipsen (Belgien/Alpecin-Premier Tech). Kanter (Cottbus/XDS Astana) kam auf Rang sieben.

Das Gelbe Trikot von Spitzenreiter Tadej Pogacar geriet erneut nicht in Gefahr. Der viermalige Gesamtsieger aus Slowenien (UAE Emirates-XRG) hat 3:36 Minuten Vorsprung auf Verfolger Jonas Vingegaard (Dänemark/Visma-Lease a Bike). Der Vorjahresdritte Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe) ist Sechster (+4:44).

Nach dem Start auf dem ehemaligen Formel-1-Kurs in Magny-Cours, auf dem Michael Schumacher den Streckenrekord hält, stellte sich zunächst das Wunschszenario für die Sprinterteams und Klassementfahrer ein: Ein einzelner Ausreißer - der Franzose Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché) - stellte keine Gefahr für das erwartete Sprintfinale dar. Obwohl später ein Trio zu Veistroffer aufschloss, wartete auf Pogacar und die restlichen Spitzenfahrer eine erneut flotte, aber vermeintlich ruhige Überführungsetappe in Richtung der nächsten Berge.

Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz erlaubte sich dabei ein Späßchen. Der 25-Jährige vom deutschen Red-Bull-Team zielte mit einer Trinkflasche auf eine am Straßenrand aufgestellte Zielscheibe - und verfehlte: „Das ist der Grund, warum ich mit Biathlon aufgehört habe“, scherzte der frühere Biathlet in Richtung des TV-Motorrads. Pogacar-Verfolger Vingegaard wurde zwischenzeitlich von einem Defekt zurückgeworfen, schaffte aber schnell den Anschluss und büßte keine Zeit ein.

In Sicherheit wiegen durften sich die Sprinterteams jedoch nicht: Auf den diversen Wellen im Schlussabschnitt des Rennes rissen tempoharte Fahrer wie der frühere Zeitfahrweltmeister Filippo Ganna Lücken an der Spitze des Feldes. Auch Georg Steinhauser beteiligte sich an der letztlich erfolglosen Attacke. An der Cote de Montagny-lès-Buxy, einem der drei gewerteten Anstiege (4. Kategorie) rund 20 km vor dem Ziel, scheiterten weitere Fluchtversuche.

Das Tempo blieb hoch, das Rennen hektisch und nervös. Letztlich bekamen die Sprintteams die Lage aber unter Kontrolle. Das Finale wurde von einem schweren Massensturz überschattet, die Spitze um Merlier blieb davon verschont und fuhr den Sieg aus. „Der Sturz war direkt neben mir. Ich zittere jetzt noch, weil ich gerade noch so durchgekommen bin“, sagte Pascal Ackermann, der 15. wurde, am ARD-Mikrofon: „Ich war vorher schon zweimal ganz knapp an der Bande und musste bremsen. Für mich war das Rennen eigentlich schon einen Kilometer vor dem Ziel vorbei.“

Nach zwei Flachetappen geht es am Freitag zurück ins Gebirge, wenngleich auf der 13. Etappe die ganz großen Anstiege fehlen. Auf dem 205,8 km langen Ritt nach Belfort - der längsten Etappe der diesjährigen Tour - stehen ein Anstieg der dritten sowie mit dem Ballon d’Alsace einer der ersten Kategorie auf dem Plan. Ausreißer werden sich große Hoffnungen auf einen Tagessieg machen.

Verwendete Quellen: mar/sid