Schon zwei ZusammenbrücheOlympiasieger dient erkranktem Bayern-Star Musiala als Vorbild

Die Aufregung um Jamal Musiala ist nach dessen Zusammenbrüchen auf dem Fußballfeld groß. Der Star des FC Bayern macht eine „neurologische Dysfunktion“ öffentlich, aufgrund der er „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen“ hat. Dies bedeutet nicht das Karriereende, beruhigen Experten. Es gibt in der Vergangenheit andere Sportler, die eine Form von Epilepsie haben.
Jay Bothroyd: Bewusstlos bei Autofahrt
2010 machte Jay Bothroyd sein einziges Fußball-Länderspiel für die Three Lions. Was damals niemand wusste: Der gebürtige Nordlondoner aus dem Arsenal-Nachwuchs litt an Epilepsie. „Ich wünschte, ich hätte früher über meine Epilepsie gesprochen, aber ich habe es nicht getan, weil ich befürchtete, man würde mir nur einen Kurzzeitvertrag oder eine Bezahlung nach Einsatzzeit anbieten“, sagte Bothroyd nach seinem Karriereende in einem Interview der „Mail on Sunday“.

Zudem berichtete der heute 44-Jährige von einer Autofahrt, während der er das Bewusstsein verlor und einen Unfall verursachte. „Blutverschmiert“ sei er im Gefängnis gelandet. Negative Folgen gab es auch auf dem Platz: „Die Epilepsie hat meine Leistung beeinträchtigt. Es gab unzählige Male, bei denen ich deswegen schlechte Spiele hatte, weil ich nicht voll konzentriert war oder im Hinterkopf die Sorge hatte: ‚Mist, ich habe meine Tabletten nicht genommen.‘“
Isco: Seit einem schweren Anfall jede Nacht eine Tablette
Der spanische Fußball-Star, der mit Real Madrid viermal die Champions League gewann, ging 2024 mit seiner Epilepsie-Erkrankung an die Öffentlichkeit. „Es passierte, als ich schlief, ich glaube, es war im Jahr 2022. Ich hatte nie Anfälle, als ich Kind oder etwas älter war, aber dieser eine Anfall war ziemlich heftig.“ Seit vier Jahren nehme er nachts eine Tablette, erzählte er im Oktober 2024 in der Sendung „Salud y Betis“ des spanischen Klubs Betis Sevilla, für den er seit 2023 spielt. Weitere Anfälle habe er nicht mehr gehabt.

Mit seinem Gang an die Öffentlichkeit wolle er Betroffenen Mut machen, sagte Isco damals. „Menschen, die solche Anfälle haben, sollen wissen, dass das normal ist, dass es heilbar ist und behandelt werden kann und dass man solche Dinge ganz normal nehmen sollte.“
Uwe Haas: Pokalsieger beendet Profikarriere früh
An Epilepsie litten auch weitere Fußballer wie der frühere Kölner Bundesligaprofi Uwe Haas. Mit dem FC gewann der Mittelfeldspieler 1983 als 19-Jähriger zwar den DFB-Pokal, musste seine Profikarriere aber nur vier Jahre später beenden. Einen offenen Umgang mit der Krankheit gab es damals nicht. Just dafür machte sich Haas später stark.

Severin Freund: „Und dann war helle Aufruhr“
Nach seiner aktiven Karriere machte Skispringer Severin Freund in einem Interview der „Welt am Sonntag“ im November 2024 öffentlich, dass er an fokaler Epilepsie leidet. „Ich hatte meinen ersten Anfall im Sommer 2004, nachts, mit 16 Jahren. Meine Eltern und mein Bruder bekamen es mit, und dann war helle Aufruhr. Keiner wusste, was los war“, erzählte er. „Meine größte Angst war, dass mir der Sport genommen wird.“
Freund hatte trotz weiterer Anfälle Glück. Im Dezember 2006 kam er in ein Epilepsiezentrum. Nach umfangreichen Tests, mehrtägigen Aufenthalten und einer Umstellung der Medikation wurde festgestellt, „dass ein Anfall bei mir tagsüber sehr unwahrscheinlich sei und ich auch wieder Sport machen dürfe - und auch sonst alles“. In seiner Karriere gewann der inzwischen 38-Jährige unter anderem 2014 Olympia-Gold im Team und 2015 den Gesamtweltcup.
Weitere Sportler: Gunn, Greene, Fischer, Clignet
Auch die frühere US-Eishockey-Nationalkeeperin Chanda Gunn, der ehemalige walisische 400-Meter-Hürdenläufer David Greene, Ex-Kunstturner Lucas Fischer aus der Schweiz oder Frankreichs Ex-Radsportlerin Marion Clignet litten an Epilepsie. Sportlichen Erfolg hatten sie alle: Clignet holte zweimal Olympia-Silber und sechs WM-Titel, Fischer EM-Silber, Greene den WM- und EM-Titel und Gunn unter anderem Olympia-Bronze.
Verwendete Quellen: David Joram, dpa


