HandballBierdusche und Glückseligkeit: Magdeburg feiert Meistertitel

Bennet Wiegert führte den SC Magdeburg zum Meistertitel.
Bennet Wiegert führte den SC Magdeburg zum Meistertitel.
Jan Woitas/dpa

Der SC Magdeburg feiert ausgiebig den Gewinn der deutschen Meisterschaft. Der Architekt des Erfolges bleibt im Moment des Triumphs bescheiden.

Erst gab es eine Bierdusche für Erfolgstrainer Bennet Wiegert, dann ließen es die Meister-Handballer des SC Magdeburg richtig krachen. Bis tief in die Nacht wurde der vorzeitige Titelgewinn mit diversen Kaltgetränken ausgiebig gefeiert. „Diese Meisterschaft steht über allem“, jubelte Wiegert. „Das ist ein fantastisches Erlebnis. Darauf können wir stolz sein.“

Der Coach selbst hatte den Spielern direkt nach dem dramatischen 31:30-Sieg gegen Verfolger SG Flensburg-Handewitt den Party-Befehl erteilt. „Die Jungs sollen richtig die Sau rauslassen. Ich lasse mich leiten und überallhin mitnehmen“, verkündete Wiegert in den Arena-Katakomben.

Auch wenn es angesichts des komfortablen Vorsprungs am Titelgewinn kaum noch Zweifel gegeben hatte, war der 44-Jährige erleichtert, das Ziel auf Anhieb erreicht zu haben. „Dass wir gleich den ersten Matchball verwandeln konnten, ist nicht selbstverständlich. Wir wollten das unbedingt durchdrücken. Es ist schön, dass es von der Dramaturgie her so gelaufen ist. Ich bin super happy, dass sich die Mannschaft mit der Meisterschaft belohnen konnte“, frohlockte Wiegert.

Magdeburg thront über allen

Die Magdeburger um ihre isländischen Rückraum-Asse Gisli Kristjansson und Omar Ingi Magnusson dominierten mit ihrem gefürchteten Tempo-Handball in dieser Saison die Bundesliga und distanzierten die Konkurrenz um den entthronten Titelverteidiger Füchse Berlin deutlich.

Zwei Remis und nur eine Niederlage beim 29:31 in Kiel sind Ausdruck der Konstanz, mit der das Team zu Werke ging. „Wir haben das über die Saison richtig gut gemacht. Diese Mannschaft macht alles aus voller Überzeugung und will jedes Spiel gewinnen“, lobte Wiegert.

Trainer als Erfolgsgarant

Großen Anteil daran hat er selbst. Seit Wiegert im Dezember 2015 das Traineramt beim SCM übernahm, erlebt der zehnmalige DDR-Meister eine Renaissance. Der ehemalige Profi, der auch als Sport-Geschäftsführer fungiert, führte den Verein aus dem grauen Mittelmaß wieder ganz nach oben.

Elf Titel gab es in den vergangenen zehn Jahren. „Ich bin tagtäglich immer noch am Staunen, was wir hier gerade für eine Welle reiten, und hoffe, sie hält viele weitere Jahre an“, sagte Co-Trainer Yves Grafenhorst bereits anlässlich des Jubiläums über seinen Chef.

Der hat nun dafür gesorgt, dass sich der Trophäenschrank des Vereins weiter füllt. „Genau diese Momente treiben mich an und lassen uns alle nicht müde werden. Mit den Jungs hier stehen zu dürfen, hält mich jung. Ich genieße das“, sagte Wiegert über den vierten gesamtdeutschen Titelgewinn nach 2001, 2022 und 2024. Er schickte einen speziellen Gruß an alle Mitarbeiter und Fans: „Hinter mir stehen so viele tolle Leute, die so fleißig arbeiten am Produkt SC Magdeburg. Danke, danke, danke!“

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Schafft der SCM das Double?

Auch Routinier Tim Hornke, der seine Karriere Ende Juni beendet, wurde im Moment des Triumphs emotional. „Ich bin froh und erleichtert. Jeder Titel fühlt sich gut an. Aber für mich war es die letzte Chance, noch einmal deutscher Meister zu werden. Deshalb ist es etwas Besonderes“, sagte der 35 Jahre alte Rechtsaußen und fügte mit Blick auf das Champions-League-Finalturnier Mitte Juni in Köln hinzu: „Vielleicht gelingt uns da noch ein weiterer Titel. Dafür werden wir alles geben.“

Wiegert wollte sich mit dem Kampf um den vierten Königsklassen-Triumph nach 2002, 2023 und 2025 dagegen noch nicht beschäftigen. „Ich werde in den nächsten zwei Wochen keinen Gedanken daran verschwenden. Die Champions League ist erst wieder nach der Bundesligasaison dran“, sagte er. Die hält für den SCM noch drei - allerdings bedeutungslose - Spiele bereit: am kommenden Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen, am 3. Juni beim VfL Gummersbach und zum Abschluss am 7. Juni bei der HSG Wetzlar.

Danach geht es dann nach Köln, wo es im Champions-League-Halbfinale zur Neuauflage des Vorjahresendspiels gegen die Füchse Berlin kommt. „Wir werden uns zu gegebener Zeit darauf freuen und vorbereiten“, versprach Wiegert. Seine Mannschaft wird dann längst wieder aus dem Party- in den Wettkampfmodus geschaltet haben.