Drama am Wassergraben wiederholt sichAthletin Gesa Krause holt EM-Gold!

Diese Athletin ist unfassbar: Gesa Felicitas Krause gewinnt bei der Leichtathletik-EM in Birmingham Gold über 3000 m Hindernis und holt damit den ersten Titel für die deutschen Leichtathleten. Es ist Krauses dritter EM-Titel. Lea Meyer führt lange - und stürzt dann am letzten Wassergraben.
Gesa Krause breitete die Arme schon zehn Meter vor dem Ziel aus, schwebte lachend über die Ziellinie und stürmte dann für ein erstes Küsschen zu Töchterchen Lola Emilia in die Kurve. Mit 34 Jahren hat die Hindernis-Queen ihr Meisterstück abgeliefert und in Birmingham zum dritten Mal EM-Gold in ihrer Sahnedisziplin geholt. An einem brütend heißen Abend kochte Krause mit ihrem Zauberspurt alle ab - und zog Teamkollegin Olivia Gürth mit zu Bronze.
„Ich bin unfassbar dankbar. Ich muss niemanden mehr etwas beweisen. Es macht mir Spaß, es ist mein Leben“, sagte Krause, die ihr schieres Glück kaum fassen konnte - nach acht Jahren ist die schnellste Mama der Hindernis-Welt wieder die Königin Europas: „Dieses Gold nach acht Jahren ist wunderschön. Ich darf wieder die Hymne hören, vielleicht ist es das letzte Mal.“
In 9:12,69 Minuten setzte sich die Triererin vor Alice Finot (Frankreich/9:14,24) und Gürth (9:15,33) durch. Die dritte Deutsche wurde zum Pechvogel: Lea Meyer, im Vorlauf die Schnellste, stürzte klar auf Medaillenkurs liegend beim letzten Besuch am Wassergraben und wurde Vierte (9:17,07).
Meyer stürzt und reagiert angefressen
„Das war dämlich und doof, es ist aber nun mal so“, sagte die sichtlich angefressene EM-Zweite von 2024 im ZDF und ließ gleich eine Kampfansage folgen: „Bei Olympia 2028 in Los Angeles will ich als deutsche Rekordhalterin vorne mitlaufen.“ Die nationale Bestmarke hält Krause - und die will in L.A. ebenfalls noch weit vorne mitmischen.
Zuvor hatten in Birmingham Florian Bremm (5000 m ) Silber und Yemisi Mabry (Kugel) sowie Owen Ansah (100 m) Bronze gewonnen. Der von einer Vier-Jahres-Sperre wegen eines nicht zustandegekommenen Dopingtests bedrohte Ansah machte kurz vor Krauses Sieg am Donnerstag einen Schritt Richtung nächster Medaille, qualifizierte sich in 20,04 Sekunden als Schnellster für das 200-m-Finale am Freitag (22.25 Uhr) - nur zwei Hundertstel fehlten zum deutschen Rekord. „Die Medaille traue ich mir zu“, sagte Ansah.
Das galt mehr noch für Krause. „Eine Medaille ist das Ziel, sonst wäre ich doch sehr enttäuscht“, hatte sie gesagt. Eine Medaille als Mutter: das hatte Krause schon 2024 in Rom geschafft - ihre Tochter Lola Emilia war im April 2023 zur Welt gekommen.
Krause mit starkem Schlussspurt
„Mir hat das eine gewisse Lockerheit für den Sport gegeben“, sagte Krause der „Frankfurter Rundschau“: „Wenn ich früher ein schlechtes Training hatte, war der ganze Tag Mist. Jetzt legt man nicht mehr alles auf die Goldwaage.“ Im Training ließ die zweimalige WM-Dritte aber keine Lockerheit einkehren. „Ich fühle mich so gut wie nie zuvor“, sagte sie.
Im Finale bestimmten die Deutschen das Tempo. Meyer ging es sehr schnell an, Krause blieb ihr auf den Fersen, das Feld war früh weit auseinandergezogen. Auch Gürth blieb in der Spitzengruppe dabei. Nach gut zwei Kilometern wurde das Rennen vorne etwas langsamer und damit taktischer.
Auf der Schlussrunde drehte Krause dann richtig auf, erwischte im Gegensatz zu Meyer den Wassergraben bestens - der Rest ging in schierer Freude unter.
Verwendete Quellen: dbe/sid