Bundestrainer am EndeJulian Nagelsmann zoffte sich im ZDF mit Lili Engels – kostete ihn auch das Genervt-Interview den Job?

Ein Interview nach dem WM-Aus.
Tage später ist Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) seinen Job los. Im Rückblick wirkt das Interview wie ein Brennglas für alles, was bei Julian Nagelsmann und der deutschen Nationalmannschaft in diesen Tagen nicht mehr zusammenpasste. Im Fokus: ZDF-Reporterin Lili Engels (29), die Nagelsmann sezierte. Eine Analyse.
Wie Lili Engels Bundestrainer Julian Nagelsmann hartnäckig auseinandernahm

Nach dem bitteren WM-Aus gegen Paraguay stand der Bundestrainer im ZDF Rede und Antwort. Vor ihm: Reporterin Lili Engels. Die Fragen der 29-Jährigen waren wie aus dem Lehrbuch: sachlich und direkt. Unangenehm, aber fair. Nagelsmanns Antworten waren hingegen zunehmend gereizt.
„Das ist ein Vollskandal!“, schimpfte der Trainer vor einem enttäuschten Millionenpublikum über das aberkannte 2:1 gegen Paraguay. Von Demut, Selbstkritik gab es keine Spur. Doch Engels ließ nicht locker. Sie stellte die Frage, die ganz Fußball-Deutschland auf der Zunge hatte: Denkt Nagelsmann an Rücktritt? Nö. Er sei keiner, der weglaufe.
Engels blieb dran. Engels ließ nicht locker und bohrte weiter: Ob eine Mannschaft wie Deutschland nicht den Anspruch haben müsse, gar nicht erst von einer solchen Szene abhängig zu sein. Auch diese Frage stellte sie Nagelsmann – zurecht!
Lili Engels und Julian Nagelsmann: Die Fragen saßen, die Art der Antworten blieben hängen
Nicht, weil Engels besonders provokant auftrat. Sondern weil Nagelsmann in diesem Interview so wirkte, wie die gesamte DFB-Lage nach dem nächsten Turnierdebakel und eine überforderte Dreierkette auf dem Platz: dünnhäutig, angespannt, unter Druck. Die Reporterin fragte das, was viele Fans nach dem Aus wissen wollten. Warum war der Auftritt der Nationalmannschaft erneut nicht gut genug? Warum fehlten Tempo, Klarheit, Überzeugung? Und wie kann ein Bundestrainer nach so einem Scheitern einfach weitermachen wollen?
Unmittelbar nach dem Spiel hatte Nagelsmann einen freiwilligen Rücktritt noch ausgeschlossen. Er wolle weitermachen, stellte sich dem DFB zur Verfügung und betonte, er sei niemand, der weglaufe. HEUTE, Freitag, ist er weg. Das hatten RTL und Sky berichtet (hier zum Live-Ticker). Jetzt soll Jürgen Klopp kommen.
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Sorgten die Fragen von Lili Engels und Nagelsmanns genervte Antworten dafür, dass es jetzt zum Rücktritt kam?
So einfach ist es nicht. Ein TV-Interview stürzt in aller Regel keinen Bundestrainer. Erst recht nicht allein. Nagelsmanns Lage war schon vor diesem Gespräch dramatisch. Deutschland war bei der WM erneut früh ausgeschieden. Die sportliche Bilanz war enttäuschend. Seine Personalentscheidungen wurden diskutiert. Seine Spielidee wurde infrage gestellt. Und der DFB musste sich nach dem nächsten großen Rückschlag fragen, ob der Weg bis zur EM 2028 mit demselben Trainer noch glaubwürdig fortgesetzt werden kann. Eigentlich war die Antwort klar. Aber es brauchte wohl auch das Interview.
Denn es hatte eine Wirkung. Es machte öffentlich sichtbar, wie groß der Druck auf Nagelsmann geworden war. Seine Gereiztheit lieferte Bilder und Sätze, die hängen blieben. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Taktik, Elfmeter oder eine Schiedsrichterentscheidung. Es ging auch um Haltung. Um Souveränität. Um die Frage, ob der Bundestrainer in der Krise noch die Ruhe ausstrahlt, die er von seiner Mannschaft verlangt.

Lili Engels wurde dadurch selbst zum Gesprächsthema. Viele Zuschauer lobten sie dafür, ruhig geblieben zu sein und konsequent nachgefragt zu haben. Sie tat, was eine Reporterin in diesem Moment tun muss: Die 29-Jährige gab sich nicht mit Ausweichbewegungen zufrieden. Dass Nagelsmann darauf gereizt reagierte, war nicht ihr Fehler. Im Gegenteil: Lili Engels machte ihren Job einfach nur hervorragend.
Der mögliche Rücktritt ist deshalb nicht die Folge ihrer Fragen. Aber die Engels-Fragen haben dazu beigetragen, die Krise noch deutlicher zu machen.
Nagelsmann wollte nach außen Stärke zeigen. Im Interview entstand jedoch ein anderer Eindruck: ein Bundestrainer, der nach einem sportlichen Tiefschlag die Kontrolle über die Deutung nicht mehr vollständig hatte. Für den DFB dürfte nicht dieses eine Gespräch entscheidend gewesen sein, sondern die Gesamtlage. Doch das ZDF-Interview wurde zu einem Symbol dieser Lage.
Am Ende bleibt eine bittere Ironie: Nagelsmann sagte erst, er laufe nicht weg. Nun ist seine Zeit als Bundestrainer vorbei. Nicht, weil Lili Engels gefragt hat. Sondern weil ihre Fragen offenlegten, wie wenig überzeugende Antworten es nach diesem WM-Aus noch gab.
Verwendete Quelle: eigene RTL-Recherche/ stern/ ZDF/ dpa
Hinweise: Der Text wurde aktualisiert



