FußballItaliens „Kaiser Franz“ ist tot: Trauer um Franco Baresi

Traditionsclub AC Mailand und ganz Italien nehmen Abschied von Franco Baresi, einem der größten Liberos der Fußball-Geschichte. Die Milan-Legende starb im Alter von 66 Jahren.
Franco Baresi war in seinem Leben vieles. Italiens Antwort auf Kaiser Franz, Weltmeister, Europapokalsieger, Milanista des Jahrhunderts. Jetzt ist die italienische Abwehr-Ikone im Alter von 66 Jahren gestorben. „Es ist unglaublich schwer, den Verlust eines Menschen zu verkünden, der das Herz und die Seele des AC Mailand verkörperte“, teilte der Traditionsclub mit.
„Einen außergewöhnlichen Spieler“ nannte Italiens Fußball-Verbandspräsident Giovanni Malagò den ewigen Milan-Verteidiger Baresi. Der habe „in seiner gesamten Karriere nur zwei Trikots getragen: das von Milan und das blaue der italienischen Nationalmannschaft“, führte Malagò aus. „Eine romantische Entscheidung, die ihn zu Recht in die Herzen der Fans und von Millionen Italienern gebracht hat.“
Besonders emotional würdigte die „Gazzetta dello Sport“ Baresi. „Du bist für immer, auch wenn du nicht mehr unter uns bist“, hieß es in einem Nachruf. „Ein Leben in unverbrüchlicher Treue, beendet durch eine Krankheit, die Franco in den vergangenen Jahren zu einem unermüdlichen Kampf zwang - einem Kampf, den er erhobenen Hauptes führte.“
Baresi starb in der Nacht auf Freitag, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Sein letzter öffentlicher Auftritt sei bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele Anfang Februar im Mailänder San Siro gewesen.
Schon am Mittwoch hatten Falschmeldungen über sein Ableben die Runde gemacht. Sogar Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini war dabei den falschen Berichten aufgesessen und hatte auf X kondoliert. Die Rossoneri dementierten umgehend, schrieben aber, dass Baresi „eine schwierige und heikle Phase“ durchlebe. Wie die Zeitung „Gazzetta dello Sport“ unter Berufung auf sein Umfeld berichtete, wurde Baresi vergangenes Jahr wegen eines Lungenknotens operiert.
Der im norditalienischen Travagliato geborene Baresi war rund 20 Jahre eine Ikone im schwarz-roten Dress des stolzen Mailänder Clubs. Von 1978 bis 1997 stand er für den Verein auf dem Platz - in seiner gesamten Karriere spielte er für keinen anderen Club. Er gewann dreimal den Europapokal der Landesmeister beziehungsweise die Champions League und sechsmal die Meisterschaft. 719 Pflichtspiele bestritt er für Milan, nur Paolo Maldini hat mehr. Seine Rückennummer 6 wurde nach dem Ende seiner Karriere nicht mehr vergeben, in einer Umfrage wurde er zu Milans Spieler des Jahrhunderts gewählt. Baresi zählt zu den größten Liberos der Fußball-Geschichte.
Italienischer „Kaiser Franz“ - Vergleiche mit Beckenbauer
Mit der Nationalmannschaft gewann der Italiener 1982 den WM-Titel, auch wenn er nicht zum Einsatz kam. Nach Platz drei bei der Heim-WM 1990 stand er 1994 noch einmal mit Italien im WM-Finale gegen Brasilien. Im Elfmeterschießen war er der erste Schütze, doch sein Schuss ging über das Tor. Am Ende jubelte Brasilien, Baresi weinte bittere Tränen.
Wegen seiner technischen Finesse und seiner Spielintelligenz wurde Baresi oftmals mit Franz Beckenbauer - seinem großen Idol - verglichen. Er bekam deswegen den klangvollen Spitznamen „Kaiser Franz“. Seine größte Zeit hatte Baresi Ende der 80er Jahre, als er mit Maldini, Alessandro Costacurta und Mauro Tassotti eine legendäre Abwehrreihe bildete und unter Trainer Arrigo Sacchi Europas Fußball stark dominierte.
Stadtrivale Inter würdigt Baresi
Dabei wäre er beinahe beim Stadtrivalen Inter Mailand gelandet. Zusammen mit seinem älteren Bruder Giuseppe hatte er sich bei den Nerazzurri beworben. Giuseppe bekam einen Vertrag und spielte rund 15 Jahre für Inter. Franco wurde aber als zu schmächtig empfunden, woraufhin er sein Glück bei Milan suchte. Inter würdigte Baresi bei X als „Protagonisten der großen Duelle im Mailänder Derby und eine der Persönlichkeiten, die die Geschichte dieser Rivalität am stärksten geprägt haben“.
Nach seiner aktiven Profikarriere blieb Baresi Milan immer treu, wurde zunächst Jugendtrainer und bekleidete fortan weitere Posten im Club. Bis zuletzt war er Vizepräsident des Traditionsclubs.
