DFB-Legende wird deutlichSammer fordert „Typen, keine Ja-Sager“ im deutschen Fußball

Was braucht der deutsche Fußball, um sich aus dem Sumpf der Mittelmäßigkeit zu ziehen? Laut Matthias Sammer vor allem eines: eine andere Mentalität.
Europameister Matthias Sammer fordert nach dem schwachen WM-Auftritt der DFB-Auswahl einen generellen Mentalitätswechsel im deutschen Fußball. „Es muss wieder mehr um die A-Note gehen und weniger um die B-Note. Das Ergebnis ist wichtiger als die Schönheit. Du kannst mit sechs Künstlern kein Spiel gewinnen“, sagte der heutige Berater von Borussia Dortmund und TV-Experte bei einer Podiumsdiskussion auf dem Internationalen Trainerkongress in Mainz.
Um Widerstände in einem Spiel zu überwinden, brauche man „Typen, keine Ja-Sager“, bekräftigte der frühere Nationalspieler. Es gehe um „Wille, Fleiß und Ehrgeiz“. Ähnlich äußerte sich Florian Kohfeldt, Trainer des Zweitligisten Darmstadt 98: „Wir brauchen eine Mentalität, unbedingt gewinnen zu wollen und die Verantwortung dafür zu übernehmen.“
Beim vom Deutschen Fußball-Bund nach dem dritten vorzeitigen WM-Aus in Serie ausgerufenen Erneuerungsprozess bedürfe es nach Ansicht von Sammer eines ganzheitlichen Konzepts. „Und der DFB muss die Führung übernehmen. Von da müssen die Leitlinien und die Richtung definiert und bestimmt werden.“ Statt über Eventualitäten zu sprechen, müssten Klarheiten geschaffen werden. Dabei dürfe man aber nicht über das Ziel hinausschießen. „Innovation ja, aber bitte nicht die normalsten Grundlagen des Leistungssports vergessen“, mahnte Sammer.
Für dringend erforderlich hält er zudem eine andere Kritik-Kultur. „Wenn wir gewisse Schwächen feststellen, müssen wir auch den Mut haben, diese zu benennen“, sagte er. Wenn man Veränderungen nur zu den Bedingungen herbeiführen wolle, die der Gegenüber hören wolle, werde dies „nicht funktionieren“.
Sebastian Hoeneß, Trainer des Bundesligisten VfB Stuttgart, setzt bei dem Prozess auch auf den neuen Bundestrainer. „Ich verbinde eine große Hoffnung mit Jürgen Klopp. Er ist in der Lage, viele Dinge in die Wege zu leiten“, sagte der 44-Jährige.
Klopp war am vergangenen Freitag als Nachfolger von Julian Nagelsmann offiziell vorgestellt worden und legt am 15. August mit der Arbeit los. Wie Hoeneß ist auch Kohfeldt zuversichtlich, dass es unter dem 59-Jährigen bergauf gehe: „Die Begeisterung um den deutschen Fußball ist weiter riesengroß. Ich glaube, es braucht nur einen kleinen Funken, um das wieder ins Rollen zu bringen.“
Verwendete Quellen: mar/dpa



