Endlich BundestrainerJürgen Klopp – Vom Rechtsverteidiger mit Nickelbrille auf den Olymp des Deutschen Fußballs

Seine Trainer-Karriere begann am Rosenmontag 2001.
Jürgen Klopp wurde beim 1. FSV Mainz 05 über Nacht vom aktiven Zweitliga-Profi zum Cheftrainer befördert. „In vielen Bereichen”, betonte Klopp Jahrzehnte später, „war ich davor schon Chef, ohne es sein zu wollen. Wenn die Jungs nicht genug gelaufen sind, habe ich es ihnen gesagt, als ich selbst noch das Trikot anhatte.” Nun war er wirklich Chef.
Alles begann in einer winzigen Trainerkabine in Mainz
Klopps früherer Mainzer Mitspieler Thorsten Lieberknecht erinnert sich an die Zeit, als der heutige Bundestrainer noch ein blonder Rechtsverteidiger mit Nickelbrille war. „Jürgen Klopp setzte sich hellwach auf einen gusseisernen Gartenstuhl - und alle wussten: Jetzt wird es verdammt zäh. Die Sitzungen um halb acht morgens waren gefürchtet”. Und dann diskutierten Klopp und sein damaliger Trainer Wolfgang Frank „stun-den-lang”. „In einem winzigen Raum schob Wolfgang Frank seine Videokassette in den Rekorder und fing an, vor- und zurückzuspulen.” Die Sitzungen „dauerten ewig”, klagte Lieberknecht. Denn ein wissbegieriger blonder Rechtsverteidiger mit Nickelbrille dachte als Spieler schon wie ein Trainer.

Klopps Mentor ist eine Legende
Klopps Taktikverständnis wurde maßgeblich von seinem Mainzer Trainer Wolfgang Frank geschärft. Der Name ist Fußball-Laien heute wenig bekannt, auch weil er nie eine Bundesliga-Mannschaft trainiert hat. Trotzdem gilt er in Fachkreisen als Erfinder des ballorientierten Spiel, der Raumdeckung und der Viererkette. „Elemente, die in Deutschland, dem Land der Dichter, Denker und (Mann)-Decker anno 1995 noch nicht allgegenwärtig sind, um es vorsichtig auszudrücken.” schreibt das Fußball-Magazin 11 Freunde.
Vom Spieler zum Trainer
In seinem letzten Spiel am 25. Februar 2001 verloren die Mainzer bei Greuther Fürth. Zwei Tage später, es war Rosenmontag, lief Klopp plötzlich im Presseraum umher. „Was will der denn hier?” fragten sich viel. Nun, er war nahtlos Trainer jener Mannschaft geworden, in der er gerade noch gespielt hatte! Tags darauf führte er sie zu einem 1:0 gegen den MSV Duisburg, später zum Zweitliga-Klassenerhalt.
„In vielen Bereichen”, betonte Klopp Jahrzehnte später, „war ich davor schon Chef, ohne es sein zu wollen. Wenn die Jungs nicht genug gelaufen sind, habe ich es ihnen gesagt, als ich selbst noch das Trikot anhatte.” Nun war er wirklich Chef - er folgte seinem Lehrmeister.
Stangentanz gab es fortan beim Training. Wie einst Frank rammte Klopp die Plastikstreben in den Boden und ließ die Spieler alle Wege ohne Ball ablaufen, selbst erste Ansprachen soll er wortgetreu entliehen haben. Zweimal verpasste er knapp den Bundesliga-Aufstieg, er wurde interessant.
Bildergalerie: So wurde Jürgen Klopp zu Jürgen Klopp
Klopp quatscht sich in die Herzen der Nation
Parallel zu seinem Trainer-Job wird Klopp TV-Experte für das ZDF. Von 2005 - 2008 analysierte er die Partien im Studio. Kultstatus erreichte er bei der Heim-WM 2006. Während der Weltmeisterschaft in Deutschland erlangte er bundesweite Berühmtheit. Er revolutionierte die Fußballberichterstattung, indem er taktische Analysen mithilfe von Pfeilen auf einem neuartigen, elektronischen „Taktik-Tisch“ erklärte. Dafür erhielt er gemeinsam mit Johannes B. Kerner und dem Schweizer Ex-Schiedsrichter Urs Meier den Deutschen Fernsehpreis.
Klopps Aufstieg in die erste Liga
Jürgen Klopp hörte im Mai 2008 bei Mainz 05 auf, weil er seine Vertragsverlängerung an den direkten Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga gekoppelt hatte. Da Mainz dieses Ziel am letzten Spieltag knapp verpasste, endete seine Zeit im Verein vereinbarungsgemäß. Aber die Interessenten standen Schlange: Als erster warb Uli Hoeneß beim FC Bayern heftig für Klopp. Karl-Heinz Rummenigge aber setzte sich durch: Jürgen Klinsmann! Dann war der HSV im Gespräch, damals noch eine echte Spitzenmannschaft. „Der hat so eine Art Casting gemacht”, sagte Klopp: „Flapsiger Umgang mit der Presse, Unpünktlichkeit, Löcher in den Jeans, Raucher.” Das wurde auch nichts.
So ergab sich die Riesenchance für einen leblosen Tabellen-13. auf der Suche nach Identität. Borrusia Dortmund greift zu. Am Sonntag verpasste Klopp mit Mainz den Aufstieg, am Montag saß er mit Sportdirektor Michael Zorc und dem obersten BVB-Chef Hans-Joachim Watzke zusammen.
Es wurde der Glücksfall der Dortmunder Vereinsgeschichte. „Klopp war ein hervorragender Trainer, ein Fachmann, der es geschafft hat, eine ganze Stadt positiv zu infizieren”, sagte Zorc dem SID. Die „Gabe”, seine Begeisterung auf andere zu übertragen, besitze „Jürgen in einer für mich nie dagewesenen Weise”.
Mit Heavy-Metal-Fußball peitschte Klopp den BVB zu zwei Meistertiteln und bis ins Champions-League-Finale 2012 gegen die Bayern (1:2).
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Klopp erobert England
Nach sieben Jahren verließ Jürgen Klopp Borussia Dortmund im Sommer 2015 auf eigenen Wunsch. Nach einer sportlich schwierigen Saison hatte er das Gefühl, nicht mehr der perfekte Trainer für den Verein zu sein.
Kurz danach wechselte er zum 1.FC Liverpool. Klopp übernahm die „Reds” und formte den schwächelnden Traditionsverein zu einer absoluten Weltklassemannschaft und wurde mit ihm u.a. Campions League-Sieger 2019. Im selben und im Folgejahr wurde er FIFA-Welttrainer. Er verließ den Klub im Sommer 2024 nach fast neun Jahren aufgrund schwindender Energiekräfte.
Wiederauferstehung bei Red Bull
Nach einer kurzen Pause kehrte Klopp im Januar 2025 im Management in den Fußball zurück. Er übernahm den Posten als Global Head of Soccer bei Red Bull. In dieser strategischen Rolle betreut und berät er das gesamte internationale Fußball-Netzwerk des Konzerns (u.a. Leipzig, Salzburg, New York) in Fragen der Philosophie, Trainerentwicklung und Kaderplanung. Am 19. Juli gab Jürgen Klopp am Rande des Fußball-WM-Finales in New York im Fernsehen persönlich bekannt, dass er mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff eine endgültige und großzügige Einigung über das Vertragsende gefunden hat. Damit wurde sein ursprünglich bis 2029 laufender Kontrakt einvernehmlich aufgelöst – und der Weg zum Bundestrainer war für ihn frei.
Verwendete Quellen: sid, 11Freunde, Spiegel.de



