Hoher Druck auf VerbandItaliens Fußball-Boss muss nach Skandal-Affäre abtreten!

CALCIO - FIFA Mondiali - FIFA World Cup, WM, Weltmeisterschaft, Fussball 2026 - Qualification Round - Italy vs Estonia Gabriele Gravina President FIGC of Italy celebrates the victory at the end of the match during FIFA World Cup 2026 qualifier football match between Italy and Estonia at New Balance Arena Bergamo Italy PUBLICATIONxNOTxINxFRAxUK Copyright: xIPAxSport/ABACAx
Gabriele Gravina stellt sein Amt zur Verfügung.
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In Italien wird das Scheitern der Nationalmannschaft zum Politikum. Selbst Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schaltet sich ein. Das WM-Debakel ist kaum verarbeitet, da treten Verbandspräsident Gravina und Sportchef Buffon zurück.

Die italienische Fußball-Schande weitet sich zur Staatsaffäre aus. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni soll sogar im Parlament über den Verfall des „Calcio“ sprechen, Regierung und Opposition drängten in seltener Eintracht auf den Rücktritt des Verbandspräsidenten. Mit Erfolg: Gabriele Gravina gab dem Druck nach und stellte sein Amt zur Verfügung. Am 22. Juni soll es Neuwahlen geben.

Und der zweite Schritt der Aufarbeitung folgte prompt. Auch Sportchef Gianluigi Buffon, Weltmeister-Torhüter von 2006, erklärte seinen Rücktritt. Doch das war sicherlich noch nicht alles. Es gilt die Warnung der „Gazzetta dello Sport“ an den Verband FIGC und das gesamte Land: „Wenn wir 2030 die vierte Ohrfeige vermeiden wollen, müssen wir uns beeilen.“

Schweden, Nordmazedonien, Bosnien. Die drei Playoff-Watschn für die stolze Fußball-Nation haben gesessen, nun soll kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. „Tiefgreifende Reformen“ fordert der 82er-Weltmeister Giuseppe Bergomi, er kratzte im Interview mit „web.de“ gar am Heiligen Gral des Catenaccio: In Italien, sagt Bergomi, werde zu defensiv gespielt!

Einig sind sich die Analysten in einem: Die Probleme gehen tief, sind strukturell bedingt. „Es ist offenkundig, dass der Fußball neu aufgebaut werden muss“, sagte Sportminister Andrea Abodi. Dieser Prozess müsse „mit der Erneuerung der Verbandsspitze beginnen“. Damit war Gravinas Schicksal besiegelt, zumal sich Dutzende Parlamentsabgeordnete dieser Forderung anschlossen. Buffon hatte seine Demission derweil nach eigenen Angaben intern schon eine Minute nach Abpfiff in Bosnien erklärt.

Doch während die Politik die Schuldigen im Fußball sucht, rät UEFA-Präsident Aleksander Ceferin: Schaut doch mal in den Spiegel. „Die Politiker tragen mehr Schuld als Gravina“, der sein erster Vize-Präsident bei der Europäischen Fußball-Union ist, sagte Ceferin. „Ihr habt hier eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas.“

Da sind die maroden Stadien, einerseits. Andererseits gibt es eine Fixierung auf ausländische Profis: Die AC Mailand stellte zuletzt nur einen Italiener in die Startelf, Tabellenführer Inter Mailand und Meister SSC Neapel je zwei. Nach 30 Spieltagen hat der beste einheimische Schütze der Serie A acht Tore erzielt.

Ein Blick nach Deutschland: Bayern München, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart boten am vergangenen Bundesliga-Spieltag zusammen nicht fünf, sondern 16 Deutsche von Beginn an auf. Sechs Deutsche haben nach 27 Spieltagen acht oder mehr Tore erzielt.

Kein Wunder also, dass der italienische Senatspräsident Ignazio La Russa eine Prozent-Regel ins Gespräch bringt: Die Vereine sollten verpflichtet werden, mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen - nicht nur Milan, Inter und Napoli würden diese Hürde reißen. Como Calcio stürmt mit fünf Siegen in Serie Richtung Champions League, in keinem der Spiele mit einem Italiener von Beginn an.

Auch deshalb sind viele Kritiker für Ceferin nicht mehr als Heckenschützen. „Es macht mich wütend und traurig, dass es Menschen gibt, die versteckt darauf warten, dass etwas schiefgeht, um dann hervorzuspringen“, sagte er. „Sagt mir, welcher italienische Spieler wurde nicht berufen - und hätte berufen werden sollen?“

Als aussichtsreicher Kandidat für Gravinas Nachfolge gilt Giovanni Malagò, Ex-Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI). Auch populäre Namen, die Gennaro Gattuso als Nationaltrainer ablösen könnten, werden gehandelt. Napoli-Coach Antonio Conte beispielsweise, oder Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021.

Vor fünf Jahren war Italien das heißeste Eisen im europäischen Fußball. Heute dagegen listen die Medien die schlimmsten Blamagen auf, beginnend mit der Niederlage gegen Nordkorea bei der WM 1966 - seitdem heißt eine schändliche Pleite in Italien „una corea“.

Verwendete Quellen: dbe/sid