„Ihr seid nicht allein!”Warum GZSZ-Star Josefin Bressel jetzt über digitale Gewalt spricht

Alicia (Josefin Bressel) will die Anfeindung nicht an sich heranlassen.
Alicia (Josefin Bressel) will die Anfeindung nicht an sich heranlassen.
RTL

Digitale Gewalt kann jede und jeden treffen und sie endet nicht am Bildschirm!
Bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ erhält Alicia, gespielt von Josefin Bressel, online Hasskommentare sowie manipulierte Bilder und Videos. Gemeinsam mit HateAid machen GZSZ, RTL und UFA Serial Drama auf Gewalt im Netz aufmerksam und zeigen Betroffenen konkrete Unterstützungsmöglichkeiten. Warum das besonders Josefin ein sehr großes Anliegen ist, erzählt sie uns im Interview.

„Ab und zu platzt mir der Kragen, dann muss ich mal was sagen!”

Als Josefin Bressel von Alicias Geschichte erfuhr, sagte sie: „Ich habe mich ziemlich gefreut, das spielen zu dürfen, weil ich es als ein sehr wichtiges Thema empfinde.“ Auch in ihrem näheren Umfeld hat sie erlebt, wie belastend Fake-Geschichten und Veröffentlichungen sein können. Schauspieler seien zudem regelmäßig mit Hasskommentaren und erfundenen Meldungen konfrontiert. Manchmal spreche sie öffentlich dagegen an: „Ab und zu platzt mir der Kragen, dann muss ich mal was sagen.“ Was Betroffene brauchen, wenn sie sich anvertrauen? „Maximalen Support“ und Empathie. Verurteilungen und ein Herunterspielen der Situation sollten vermieden werden: „Das entscheidet ja immer noch die Person, der das widerfährt, wie schlimm das überhaupt ist.“

Josefin Bressel findet es wichtig, dass GZSZ gemeinsam mit HateAid auf konkrete Hilfsangebote aufmerksam macht. HateAid ist ein sogenannter Trusted Flagger: Rechtswidrige Inhalte können über einen priorisierten Meldeweg an Onlineplattformen weitergegeben werden. Ihre Botschaft an Betroffene: „Ihr seid nicht allein. Sucht euch Hilfe, sprecht drüber. Wendet euch an HateAid und fresst es vor allem nicht in euch hinein.“

Weitere Informationen und Unterstützung für Betroffene digitaler Gewalt sind auf hateaid.org zu finden.

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Josefin Bressel im Interview

Wie hast du reagiert, als du erfahren hast, dass Alicia mit digitaler Gewalt und später auch mit manipulierten Bildern und Videos konfrontiert wird?

„In unserem Future-Gespräch, in dem wir immer unsere zukünftigen Geschichten erfahren, habe ich mitbekommen, was Alicias Story ist und was ihr passieren wird. Ich habe mich ziemlich gefreut, das spielen zu dürfen, weil ich das Thema sehr wichtig finde und Lust hatte, das Ganze gut zu spielen. Natürlich hat mich das dann sehr beschäftigt innerlich und mir sind direkt ganz viele Beispiele aus meinem nahen Umfeld eingefallen - oder auch Hasskommentare, die uns Schauspieler täglich geschickt werden, oder irgendwelche Fakes, die von uns erstellt werden. Da kommt natürlich ganz viel eigene Erfahrung hoch, und dann hatte ich richtig Lust, das zu spielen.”

Was hat dich an Alicias Geschichte besonders beschäftigt?

„Ich habe tatsächlich in meinem näheren Umfeld mit solchen Fake-Geschichten und Veröffentlichungen schon zu tun gehabt. Das ist dort schon passiert und war absolut nicht schön für die betroffene Person und auch sehr herausfordernd. Es ist ein ziemlicher Rattenschwanz, der daran hängt, weil es ja nicht nur die Tat an sich ist, sondern auch das, was danach alles passiert. Das ist schon ziemlich beängstigend, weil es für manche nur ein Knopfdruck ist und daraus eine heftige Welle resultieren kann. Auch bei uns im Cast gab und gibt es über einige Kollegen und Kolleginnen ganz viele Fakes – zum Beispiel, dass wir plötzlich schwanger sind. Oder ich habe letztens auch irgendwas zugespielt bekommen, dass ich gestorben sei. Das war auch toll. Was sich die Leute da so denken, kann man einfach nicht nachvollziehen. Mit so etwas müssen wir uns wirklich täglich auseinandersetzen. Das ist schon ein Päckchen. Natürlich kann man rechtliche Schritte einleiten. Das kommt immer darauf an, wie schwerwiegend der Fall an sich ist.”

Was können digitale Angriffe bei Betroffenen auslösen?

„Das ist ein sensibles Thema. Was das auslösen kann und was das mit Menschen machen kann, sollte man nicht unterschätzen.”

Du hast erzählt, dass du solche Grenzüberschreitungen auch in deinem privaten Umfeld erlebt hast. Was hat dich dazu bewegt, das öffentlich anzusprechen?

„Bei Kommentaren ist es so eine Sache. Die kannst du löschen, du kannst sie blockieren, aber vor allem glaube ich, ist es am besten nicht großartig darauf eingehen. Ab und zu platzt mir dennoch der Kragen, dann muss ich mal was sagen. Das benutze ich auch tatsächlich, um darauf aufmerksam zu machen. Wie unverschämt manche Kommentare sind und was die Leute sich rausnehmen. Welche Berechtigung hast du zu urteilen über andere Körper, über irgendetwas, was andere Menschen tun? Die Leute sehen die Anonymität des Internets teilweise echt ein bisschen als Freifahrtschein für alles. Das ist natürlich schwierig.”

Was brauchen Betroffene von ihrem Umfeld – und was sollte man vermeiden, wenn sich einem jemand anvertraut?

„Es ist, glaube ich, gut, dass man unterstützt, wenn man sieht, dass so etwas im eigenen Umfeld passiert. Man sollte einfach wirklich sehr aufmerksam unterstützend sein und gucken: Wie geht es der Person, damit sie nicht daran zerbricht. Die Charaktere sind unterschiedlich: Manche haben ein dickeres Fell, manch anderer ein weniger dickes Fell. Wenn sich jemand dir anvertraut, sollte unbedingt eine Verurteilung oder ein Runterspielen der ganzen Sache vermieden werden – also irgendwie so ein Gaslighten von wegen: „Ach, ist doch alles nicht so schlimm.“ Das entscheidet ja immer noch die Person, der das widerfährt, wie schlimm das überhaupt ist. Maximaler Support ist da das Beste. Auch wenn ich das nicht schlimm empfinde, was dir da geschrieben wurde, kannst du es ja immer noch anders empfinden. Da einfach das richtige Maß an Empathie aufbringen ist wichtig.”

Welche Bedeutung hat es für dich, dass GZSZ gemeinsam mit HateAid auch auf konkrete Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam macht?

„Ich finde es wahnsinnig wichtig, dass wir jetzt diese Kooperation mit HateAid haben. Und ich finde es auch sehr wichtig, einfach auf diese Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Ganz bedeutend ist natürlich, dass HateAid ein sogenannter Trusted Flagger im Internet ist. Das heißt, rechtswidrige Inhalte können über so einen priorisierten Meldeweg direkt an die Onlineplattformen weitergegeben werden. Das ermöglicht einen viel schnelleren Handlungsspielraum.”

Deine Botschaft zu Alicias Geschichte?

„Falls ihr betroffen seid, seid euch einer Sache sicher: Ihr seid nicht allein. Sucht euch Hilfe, sprecht drüber. Wendet euch an HateAid und fresst es vor allem nicht in euch hinein. Denn auch wenn man manchmal stark sein möchte, ist man es nicht immer. Es ist keine Schande, Schwäche zu zeigen. Ganz im Gegenteil: Es zeugt von unheimlicher Stärke. Und wir lassen uns einfach von nichts und niemandem unterkriegen.”

Verwendete Quellen: RTL