Zugunglück in Hürth„Wir wollen nur Gerechtigkeit“ – Familie des getöteten Bahnarbeiters fühlt sich im Stich gelassen

„Wir wollen nur Gerechtigkeit“ – sagt die Familie von Murat Durmus. Der 27-Jährige wird im Mai 2023 bei einem Zugunglück in Hürth getötet. Bei Gleisarbeiten wird der Bauarbeiter von einem Zug erfasst und getötet. Auch ein Kollege kann sich nicht mehr retten. Am Mittwoch (23.07.) fiel das Urteil gegen den Angeklagten am Amtsgericht Brühl.

Angeklagter beteuert seine Unschuld

Am 4. Mai 2023 werden an der Bahngleise in Hürth Reparaturarbeiten gemacht. Dabei kommt es zu einem folgeschweren Unfall: Ein IC mit 160 Stundenkilometern rast heran und erfasst zwei Bauarbeiter. Vor Gericht beteuert der Angeklagte Ramazan E. seine Unschuld. Ihm sei mehrmals von einem Bauüberwacher versichert worden, dass das Gleis freigegeben sei. Die Staatsanwaltschaft wirft Ramazan E. deswegen fahrlässige Tötung vor. Das Gericht findet heraus: Der 54-jährige Angeklagte war am Tag des Unglücks übermüdet, er hat die Sicherheitsanlage am Gleis nicht aufgestellt und ein dritter Sicherheitsarbeiter habe in seinem Team gefehlt. Schuld an der Freigabe des Gleises habe er aber nicht: „Diese Freigabe kann durchaus von Falschinformationen anderer Personen resultieren, die ebenfalls mit der Sicherheit der Gleisbauarbeiten beauftragt waren“, so Susann Ulbert-Maur vom Amtsgericht Brühl. Ramazan E. wird freigesprochen.

„Jemand hat zwei Menschen auf seinem Gewissen“

Auch zwei Jahre nach dem Unglück kann die Familie ihren Verlust immer noch nicht wahrhaben. Heja Durmus, die Schwester des Toten sagt: „Wir müssen zuhause damit klarkommen, wer das war. Wer ist schuld? Es ist nicht nur mein Bruder gestorben, es sind zwei Menschen gestorben! Jemand hat zwei Menschen auf seinem Gewissen und der kann trotzdem ruhig schlafen. Während wir nachts kein Auge zu bekommen“. Die Familie überlegt jetzt, ob sie in Berufung geht.