Sicherheitsbericht für den ÖPNV in NRW vorgestelltVorfälle im Nahverkehr nehmen zu - Personal besonders betroffen, Bodycams sollen helfen

von Rogatus Skanta

Beleidigungen, Bedrohungen und Gewalt: Die Zahl der Vorfälle im Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen steigt weiter. Besonders betroffen sind Mitarbeiter bei Ticketkontrollen. Das Land setzt deshalb verstärkt auf Bodycams als Schutzmaßnahme.

Sicherheitskräfte im Dauereinsatz

Seit acht Jahren arbeitet Azzedine Saadou als Sicherheitsbegleiter im Öffentlichen Personennahverkehr. Vor allem auf stark frequentierten Strecken im Ruhrgebiet und Rheinland ist er im Einsatz. Sein Job: Bahnmitarbeiter schützen. Der 33-Jährige geht jedoch oft mit einem mulmigen Gefühl zur Arbeit. „Man fühlt sich nicht mehr so sicher wie vorher. Man merkt die Ängste der Fahrgäste tatsächlich. Man spürt die Ängste des Personals“, sagt Saadou. „Wenn wir unterwegs sind, freuen sich die Fahrgäste und auch das Kundenbetreuerpersonal, wenn wir mit dabei sind an Bord. Ängste sind schon vorhanden. Ich habe auch Familie, Kinder zu Hause und will auch abends sicher nach Hause ankommen.“

Mehr als 20.000 Vorfälle – Beleidigungen dominieren

Am Montag (22.06.) wurde in Düsseldorf der Sicherheitsbericht 2025 für den Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Mehr als 20.000 sicherheitsrelevante Vorfälle wurden im vergangenen Jahr registriert – rund 1.350 Fälle mehr als im Vorjahr. Vor allem Vandalismus ist für den Anstieg verantwortlich. Den größten Anteil der Vorfälle machen aber Beleidigungen aus: Mit rund 5.550 Fällen sind sie mit deutlichem Abstand die häufigste Kategorie – also mehr als ein Viertel aller registrierten Vorfälle. Besonders betroffen ist das Personal - und fast immer eskalieren Konflikte bei Ticketkontrollen.

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Bodycams als Schutzmaßnahme

Im Februar zeigte sich, wie gefährlich die Situation werden kann: In Rheinland-Pfalz wurde ein Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle getötet. Der Fall hat bundesweit eine Debatte über mehr Sicherheit im Bahnverkehr ausgelöst. Um solche Situationen zu entschärfen, setzt NRW auf mehr Sicherheitstechnik – vor allem auf Bodycams für das Personal. Sie sollen abschrecken und im Ernstfall Beweise liefern. Ein entscheidender Punkt ist jedoch bisher juristisch nicht geklärt: Die Kameras nehmen derzeit nur Bild auf, keinen Ton. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) fordert daher Rechtsklarheit vom Bund. Das Tragen der Bodycams ist für die Mitarbeiter allerdings freiwillig. Azzedine Saadou trägt sie dennoch immer am Körper. Mit ihr fühlt sich der 33-Jährige zumindest etwas sicherer.